Mercedes-Benz Aktie: Zetsche bestreitet alles

Dieter Zetsche bestreitet als Zeuge vor Gericht, dass der Vorstand jemals über illegale Abschalteinrichtungen entschied. Anleger fordern 1,25 Milliarden Euro Schadenersatz.

Mercedes-Benz Aktie
Kurz & knapp:
  • Zetsche bestreitet strategische Betrugsentscheidung
  • Anlegerklage fordert 1,25 Milliarden Euro
  • Mercedes weist alle Vorwürfe entschieden zurück
  • Aktienkurs zeigt sich von Verhandlung unbeeindruckt

Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche stand heute vor dem Oberlandesgericht Stuttgart als Zeuge Rede und Antwort – und wies die zentrale Behauptung der Klägerseite kategorisch zurück. Die Frage: Hat der damalige Vorstand strategisch entschieden, EU-Abgasnormen zu umgehen und unzulässige Abschalteinrichtungen in Dieselfahrzeuge einzubauen? Zetsches Antwort war eindeutig: „Schlicht falsch.“

Die Dieselaffäre, die 2015 zunächst bei Volkswagen ans Licht kam, verfolgt Mercedes-Benz bis heute. Zahlreiche Anleger werfen dem Stuttgarter Autobauer vor, sie nicht rechtzeitig über die Abgasthematik informiert zu haben. Ihre Forderung: Schadenersatz für entstandene Verluste – inzwischen in Höhe von 1,25 Milliarden Euro.

Keine Vorstandsentscheidung zum Betrug?

Zetsche erklärte vor Gericht, der Vorstand habe sich damals mit strategischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Fragen beschäftigt. Doch die Einhaltung von Zulassungsvorschriften? Die sei seiner Erinnerung nach nie auf der Tagesordnung von Vorstandssitzungen gestanden. Mercedes bestreitet sowohl eine solche strategische Entscheidung als auch den Einsatz illegaler Abschalteinrichtungen.

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Die Beweisaufnahme konzentrierte sich auf den Zeitraum zwischen 2012 und 2018. Genau in dieser Phase fiel der Aktienkurs der damaligen Daimler AG von über 90 Euro auf unter 60 Euro – ein herber Verlust für Investoren, die nun Kompensation fordern.

Schwere Vorwürfe, keine Beweise?

Die klagenden Anleger, vertreten durch die Kanzlei Tilp, werfen Mercedes vor, kapitalmarktrechtliche Pflichten verletzt zu haben. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe die Verwendung illegaler Abschalteinrichtungen sowie damit verbundene Risiken und Kosten verschwiegen und Investoren getäuscht.

Das Unternehmen kontert entschieden. Eine Sprecherin betonte: „Wir sind ordnungsgemäß unseren Publizitätspflichten nachgekommen. Die Ansprüche sind unbegründet.“ Tatsächlich gab es nie Ermittlungen gegen den Vorstand. Eine unabhängige Untersuchung im Auftrag des Aufsichtsrats ergab keine Ansprüche gegen Vorstandsmitglieder.

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Was blieb hängen?

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart verhängte 2019 eine Geldbuße von 870 Millionen Euro gegen Mercedes-Benz – allerdings nicht wegen illegaler Abschalteinrichtungen, sondern wegen fahrlässiger Verletzung der Aufsichtspflicht. Verfahren gab es nur gegen zwei Sachbearbeiter und zwei Teamleiter. Die US-Justiz stellte ihre Ermittlungen 2024 ein.

Dem Musterverfahren vor dem OLG Stuttgart haben sich neben privaten Anlegern rund 200 institutionelle Investoren angeschlossen. Die Beweisaufnahme ist auf drei Tage angesetzt und soll neben Zetsche auch weitere ehemalige Vorstände und Mitarbeiter befragen.

Die Mercedes-Benz-Aktie zeigte sich von der Vernehmung unbeeindruckt und notierte im XETRA-Handel 0,39 Prozent höher bei 58,65 Euro. Anleger warten ab, ob Zetsches klare Zurückweisung der Vorwürfe vor Gericht Bestand hat – oder ob die Kläger doch noch überzeugende Beweise vorlegen können.

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Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.