Merck springt 8 Prozent — die Einzeltitel übernehmen die Regie

Merck KGaA hebt nach starkem Q1 die Jahresprognose an und treibt den Aktienkurs. Jenoptik erreicht Rekordhoch, Carl Zeiss Meditec bricht ein.

Merck springt 8 Prozent — die Einzeltitel übernehmen die Regie
Kurz & knapp:
  • Merck KGaA mit Prognoseanhebung
  • Jenoptik markiert neues Rekordhoch
  • Carl Zeiss Meditec bricht zweistellig ein
  • Bitcoin fällt unter 80.000 Dollar

Liebe Leserinnen und Leser,

am Dienstag schloss ich mit der Feststellung: Wer jetzt handelt, braucht klare Niveaus und enge Stops. Am Mittwoch hat der Markt geliefert — allerdings nicht dort, wo die meisten hinschauten. Der DAX holte sich die 24.000 zurück und schloss bei 24.137 Punkten, ein Plus von 0,8 Prozent. Aber das eigentliche Geschehen spielte sich in den Einzeltiteln ab. Merck KGaA sprang um bis zu 8 Prozent, Jenoptik markierte ein Rekordhoch, Carl Zeiss Meditec brach zweistellig ein. Wer nur auf den Index schaut, verpasst die Trades.

Merck KGaA: Prognoseanhebung trifft auf ausgehungerte Käufer

Der stärkste Impuls des Tages kam aus Darmstadt. Merck KGaA kletterte auf ein Zweimonatshoch, am Nachmittag notierte die Aktie bei 121,15 Euro — ein Plus von 7,21 Prozent. Der Auslöser: eine Prognoseanhebung nach starkem ersten Quartal. Merck erwartet für 2026 nun einen Umsatz von 20,4 bis 21,4 Milliarden Euro und ein bereinigtes EBITDA von 5,7 bis 6,1 Milliarden Euro. Die alte Spanne lag bei 5,5 bis 6,0 Milliarden. Im Q1 kam das bereinigte EBITDA auf 1,53 Milliarden Euro, rund 5 Prozent über Konsens.

Die Details zeigen, woher das Wachstum kommt: Life Science legte beim Umsatz um 8 Prozent zu, Healthcare profitierte von Kostendisziplin, Electronics steuerte 68 Millionen Euro Sondererträge bei. Das Risiko ist bekannt: Der US-Patentschutz für Mavenclad ist gefallen, Generika sind ab Mai möglich. Die DZ Bank hält trotzdem an ihrer Kaufempfehlung fest — Kursziel 150 Euro. Für Trader ist die Frage jetzt, ob Anschlusskäufe folgen oder die Lücke zum Vortag als Exhaustion Gap endet.

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Bayer konsolidiert, Jenoptik explodiert

Bayer, am Dienstag noch stärkster DAX-Wert mit plus 3,7 Prozent, konsolidierte am Mittwoch im Bereich um 37,90 bis 38,79 Euro. Deutsche Bank Research bleibt bei „Hold“ mit Kursziel 45 Euro. Charttechnisch ist die Lage klar definiert: Unterstützungen bei 35,89, 35,10, 34,51 und 33,73 Euro. Widerstände bei 41,64 und 43,79 Euro, Jahreshoch 2026 bei 49,64 Euro. Bayer ist kein Ausbruchskandidat, sondern ein Pullback-Trade — wer kaufen will, wartet auf die Unterstützungszonen.

Ganz anders Jenoptik. Die Aktie legte am Mittwoch weitere 12 Prozent zu und markierte bei 44,12 Euro ein Rekordhoch — größter MDAX-Gewinner. Bereits am Vortag waren es plus 15 Prozent. Deutsche Bank und Berenberg erhöhten ihre Kursziele, die Baader Bank sieht den Titel gut positioniert durch eine Erholung der Halbleiteranlagen-Investitionen. Zwei Tage, fast 30 Prozent Kursgewinn. Das ist kein Value-Play mehr, sondern reines Momentum.

Im Industrieblock bestätigte Siemens mit einem Auftragseingang von 24,1 Milliarden Euro im zweiten Quartal — plus 18 Prozent — die eigene Prognose. Bemerkenswert: Das Wachstum kam vor allem aus dem Softwaregeschäft rund um KI-Rechenzentren in den USA. Siemens legte moderat um 0,7 Prozent zu.

Nebenwerte unter Druck: Evotec, Carl Zeiss, SMA Solar

Die Kehrseite des Einzeltitel-Marktes zeigte sich bei den Nebenwerten. Evotec verlor über 8 Prozent und war größter SDAX-Verlierer. Der Grund: eine Wandelanleihe über 116 Millionen Euro zur Finanzierung des Umbauprogramms „Project Horizon“ — ursprünglich waren 125 Millionen angestrebt. Die Konditionen: sieben Jahre Laufzeit, 2,625 Prozent Kupon, anfänglicher Wandlungspreis von 6,5313 Euro. Die Aktie fiel auf 4,64 Euro. Wer bei Evotec einsteigen will, braucht einen langen Atem und die Bereitschaft, Verwässerung auszuhalten.

Carl Zeiss Meditec brach um 11,35 Prozent auf 25,46 Euro ein. Deutsche Bank Research blieb bei „Hold“ mit Kursziel 30 Euro, ordnete die Q2-Zahlen als durchwachsen ein und verwies auf kassierte Jahresziele sowie einen neuen Turnaroundplan. SMA Solar gab nach enttäuschenden Q1-Zahlen nach — zuletzt bei 55,85 Euro, ein Minus von 7,38 Prozent. Die Auftragslage und der angehobene Ausblick bleiben stark, aber der Markt bestraft verfehlte Quartalszahlen gnadenlos.

Bitcoin driftet ab, Schwab steigt ein

Bitcoin notierte am Mittwoch zeitweise unter 80.000 Dollar und pendelte sich im Bereich 80.500 bis 81.000 Dollar ein. Der 200-Tage-EMA bei rund 82.000 Dollar bleibt der entscheidende Widerstand — genau dort, wo der Short-Squeeze der vergangenen Tage stoppte. Weitere Widerstände liegen bei 83.440 und 84.410 Dollar, Unterstützungen bei 78.960, 76.730 und 76.420 Dollar. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am Dienstag Nettoabflüsse von 233,25 Millionen Dollar — kein Vertrauenssignal.

Strukturell gibt es aber eine interessante Entwicklung: Charles Schwab startete den direkten Handel mit Bitcoin und Ethereum für berechtigte US-Privatkunden über „Schwab Crypto“. Die Gebühr liegt bei 75 Basispunkten pro Trade, der Service ist in New York und Louisiana nicht verfügbar. Wenn der größte US-Discount-Broker Krypto anbietet, ist das kein Nischenthema mehr. Kurzfristig relevant wird am Donnerstag die Abstimmung des Senatsausschusses über den Clarity Act.

Inflation drückt, Nvidia zieht

Der Makro-Hintergrund bleibt unbequem. Die deutschen Großhandelspreise stiegen im April um 6,3 Prozent — der höchste Wert seit Februar 2023. Die deutsche Inflation lag bei 2,9 Prozent, Höchststand seit Anfang 2024. In den USA überraschten die Erzeugerpreise massiv: plus 1,4 Prozent zum Vormonat statt der erwarteten 0,5 Prozent, auf Jahressicht plus 6,0 Prozent. Die Kern-Erzeugerpreise kamen auf 1,0 Prozent monatlich und 5,2 Prozent jährlich. Boston-Fed-Präsidentin Susan Collins warnte am Mittwoch, Zinserhöhungen könnten nötig werden, falls der Inflationsdruck anhält. Das begrenzt die Bewertungsfantasie — gute Quartalszahlen werden gekauft, aber nur mit konkreter Substanz.

International bleibt Nvidia der Taktgeber. BofA Securities erhöhte das Kursziel von 300 auf 320 Dollar bei bestätigtem „Buy“-Rating und hob die Umsatz- und EPS-Prognosen für FY28/29 um jeweils 7 Prozent an. Die Q1-FY27-Zahlen am 20. Mai werden zeigen, ob die Street-Erwartungen von rund 78,5 Milliarden Dollar Umsatz und 1,75 Dollar EPS zu halten sind. Für deutsche Anleger ist das direkt relevant: Jenoptik und Infineon reagieren bereits auf die globale KI- und Chipnachfrage.

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Was jetzt zählt

Der Markt belohnt Substanz und bestraft Enttäuschung — mit einer Brutalität, die bei dünnem Volumen besonders ausgeprägt ist. Merck plus 8 Prozent, Carl Zeiss minus 11 Prozent, Jenoptik plus 12 Prozent, SMA Solar minus 7 Prozent — das ist kein Markt für Indextrader, sondern für Stock-Picker. Wer aktiv handelt, sollte bei Merck auf Anschlusskäufe achten, bei Bayer die Unterstützungen im Blick behalten und bei Bitcoin die 82.000-Dollar-Zone als Scheidelinie respektieren. Die Richtung des DAX entscheidet sich nicht im Index, sondern in den Einzeltiteln darunter.

Herzlichst, Ihr Andreas Sommer

Über Andreas Sommer 4235 Artikel

Über mich: Erfahrung für Ihren Anlageerfolg

Als Finanzanalyst und Börsenjournalist beschäftige ich mich seit über vier Jahrzehnten intensiv mit den Finanzmärkten. Meine Spezialisierung liegt auf der Analyse wachstumsstarker Aktien und der Entwicklung von Anlagestrategien, die fundamentale Bewertung mit technischer Analyse kombinieren.

Ein zentraler Aspekt ist das Timing („Timing is Money“), denn Risikobegrenzung ist essenziell („Vermeiden ist besser als Verlieren!“). Mein Ziel ist es, Ihnen klare Orientierung in dynamischen Märkten zu bieten.

Mein Weg an die Börse: Vom Bankberater zum Analysten

Meine Faszination für die Finanzmärkte entwickelte sich schon früh. Wichtige Stationen meines Weges sind:

  • Bankwesen: Über zehn Jahre Erfahrung als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank legten den Grundstein im Kundengeschäft.
  • Wendepunkt 1987: Der Börsencrash weckte mein tiefes Interesse an der technischen Analyse als wichtiges Instrument zur Risikosteuerung.
  • Finanzjournalismus: Als Finanzredakteur und Chefredakteur für Börsenpublikationen vertiefte ich meine Marktkenntnisse.
  • Strategieentwicklung: Über die Jahre entwickelte ich meinen heutigen ganzheitlichen Ansatz, der Fundamentaldaten und Charttechnik systematisch verbindet.

Meine Arbeit: Analysen, Strategien und Einblicke

Meine Expertise und meine Anlagestrategien teile ich auf verschiedenen Wegen:

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