Merz weist neuen EU-Haushaltsplan für 2028 bis 2034 zurück

Der Kanzler kritisiert geringe Entlastungen für Nettozahler und Kürzungen bei Forschung, Verteidigung sowie Wettbewerbsfähigkeit.

KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert
Kurz & knapp:
  • Vorschlag umfasst 1,826 Billionen Euro
  • Nettozahler fordern Einsparungen von Hunderten Milliarden
  • Neue EU-Einnahmen sind noch unbeschlossen
  • Einigung bis Jahresende wird unwahrscheinlicher

Der Streit um die künftigen EU-Finanzen verschärft sich: Bundeskanzler Friedrich Merz hat den neuen Kompromissvorschlag der irischen Ratspräsidentschaft für den Finanzrahmen von 2028 bis 2034 umgehend zurückgewiesen. Der Entwurf sei keine Grundlage für eine Einigung, da er den Nettozahlern zu wenig Entlastung bietet und Zukunftsinvestitionen schwächt. Von einem Konsens sind die Mitgliedstaaten damit weiter entfernt als geplant.

Die irische Ratspräsidentschaft wollte den ursprünglichen Vorschlag der EU-Kommission lediglich um 159 Milliarden Euro stutzen. Das Gesamtvolumen läge damit immer noch bei 1,826 Billionen Euro. Deutschland hatte gemeinsam mit weiteren Nettozahlern wie den Niederlanden, Österreich und Schweden Einsparungen von mehreren Hundert Milliarden Euro verlangt.

Streit über die Ausgabenstruktur

Neben der Gesamthöhe stößt sich Berlin vor allem an den Schwerpunkten der Kürzungen. Gekürzt werden soll vor allem bei Forschung, Verteidigung und Wettbewerbsfähigkeit. Die traditionell größten Ausgabenblöcke, die Agrarförderung und die Kohäsionspolitik zum Ausgleich regionaler Unterschiede, blieben dagegen weitgehend verschont.

Die irische Verhandlungsführung verteidigte diese Gewichtung mit dem Wunsch einer sehr großen Mehrheit der Mitgliedstaaten, Agrar- und Kohäsionsmittel zu sichern. Für die Regierungen der Nettozahler greift das zu kurz: Österreichs Europaministerin Claudia Bauer verwies darauf, dass die neun Nettozahler bereits heute über 60 Prozent des EU-Budgets tragen. Auch aus Schweden kam die Forderung nach einem deutlich kleineren Etat.

Offene Finanzierungsfragen vor dem Gipfel

Erschwerend kommt hinzu, dass grundlegende Finanzierungsfragen weiter ungelöst sind. Mögliche neue Eigenmittel der Europäischen Union durch Abgaben für Großkonzerne, den Emissionshandel, den CO2-Grenzausgleich oder Sonderabgaben auf Tabak und Elektroschrott sind bisher nicht beschlossen. Ohne solche Einnahmen müsste der Großteil weiterhin direkt über nationale Beiträge der Mitgliedstaaten finanziert werden.

Deutschland trug 2025 als größte Volkswirtschaft rechnerisch einen Netto-Beitrag von 21,8 Milliarden Euro zum Haushalt der Gemeinschaft bei. Die Auseinandersetzung verlagert sich nun auf den EU-Gipfel am kommenden Donnerstag und Freitag in Brüssel, bevor der ständige Ratspräsident António Costa die Verhandlungen übernimmt. Eine Einigung bis zum Jahresende wird damit immer unwahrscheinlicher.

Über Felix Baarz 8131 Artikel
Felix Baarz arbeitet seit 2016 als Wirtschaftsjournalist und gehört zur Redaktion der YES Investmedia GmbH.Unter seinem Namen erscheinen auf Trading-Treff seit März 2025 Beiträge zu Aktien, Trading und Indizes sowie zu wirtschaftlichen Rahmenthemen. Schwerpunkte sind Rohstoffwerte sowie KI- und Technologiewerte.Quellen dieses Ressorts: Unternehmensmitteilungen und Pflichtveröffentlichungen, Geschäftsberichte und Quartalszahlen, Kurs- und Handelsdaten der Börsenplätze sowie Meldungen der Nachrichtenagenturen. Bei Index- und Trading-Themen zusätzlich die Zusammensetzung und Anpassungen der Indexanbieter sowie Terminmarktdaten; bei Technologie- und KI-Werten Produktankündigungen und Geschäftszahlen der Unternehmen.Einordnung: Analystenurteile und Kursziele erscheinen als Aussage der jeweiligen Häuser, nicht als Bewertung der Redaktion. Kurs- und Unternehmensangaben geben den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder.