Meta Platforms steckt mitten in zwei parallelen Konflikten. In Brüssel wirft die EU-Kommission dem Konzern vor, Nutzer nicht ausreichend vor „süchtig machenden“ Plattform-Funktionen zu schützen. In Kalifornien klagen 26 frühere Mitarbeiter gegen den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei Massenentlassungen. Beide Fälle könnten teuer werden — juristisch wie reputativ.
Brüssel wirft Meta mangelnden Jugendschutz vor
Am 16. Juli 2026 veröffentlichte die EU-Kommission vorläufige Ergebnisse ihrer Untersuchung zum Digital Services Act. Henna Virkkunen, zuständige Vizepräsidentin für Technologische Souveränität, Sicherheit und Demokratie, erklärte: Meta habe Facebook- und Instagram-Nutzer nicht ausreichend vor „süchtig machenden Funktionen“ geschützt. Die Untersuchung läuft bereits seit 2024.
Im Zentrum der Vorwürfe steht der Schutz von Minderjährigen und anderen vulnerablen Gruppen. Die Kommission wirft Meta vor, die Risiken seiner Plattform-Designs unzureichend geprüft zu haben — etwa wie viel Zeit Jugendliche nachts in den Apps verbringen. Bestätigen sich die vorläufigen Feststellungen und bessert Meta nicht nach, drohen unter dem DSA empfindliche Strafzahlungen.
Klage wegen KI-gesteuerter Kündigungen
Parallel dazu läuft vor dem Bundesgericht in Oakland eine Klage von 26 anonymen früheren Meta-Mitarbeitern. Sie werfen dem Konzern vor, bei einer Massenentlassung im Mai 2026 ein KI-System zur Auswahl der Betroffenen genutzt zu haben. Das System habe dabei überproportional Mitarbeiter in geschütztem Urlaub getroffen — etwa in medizinischer Auszeit oder bei Behinderung.
Die Klageschrift beschreibt, dass die KI-Modelle Faktoren wie Produktivität und „Token-Nutzung“ bewertet haben sollen, ohne genehmigte Abwesenheiten zu berücksichtigen. Meta weist die Vorwürfe zurück. Entscheidungen über Personal träfen menschliche Führungskräfte, nicht automatisierte Systeme, so der Konzern.
Die Klage kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Meta hatte im zweiten Quartal 2026 einen Stellenabbau von 10 Prozent gemeldet — trotz eines Quartalsumsatzes von 56,31 Milliarden Dollar im ersten Quartal, ein Plus von 33 Prozent zum Vorjahr.
Aktie trotz Ärger im Aufwind
Die regulatorischen und juristischen Probleme haben den Kurs bislang nicht gebremst. Meta schloss zuletzt bei 580,60 Euro, ein Plus von 17,67 Prozent innerhalb von 30 Tagen. Getrieben wird die Rally vom angekündigten „Cloud-Pivot“ und der milliardenschweren Erweiterung des Hyperion-Rechenzentrums in Louisiana.
Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 677,80 Euro fehlen der Aktie dennoch noch 14,34 Prozent. Die Kluft zwischen regulatorischem Gegenwind und Kursbegeisterung könnte sich als Kernfrage der kommenden Wochen erweisen.
Am 17. Juli läuft zudem die Frist für Unternehmen, die sich an Metas Ausschreibung zur Emissionsreduktion beteiligen wollen — Teil der Netto-Null-Strategie bis 2030, mit Fokus auf Stahl- und Halbleiterindustrie. Ein operatives Detail am Rande der größeren Auseinandersetzungen.
Die eigentliche Bewährungsprobe steht aber erst noch bevor. Am 29. Juli, nach Börsenschluss, legt Meta seine Quartalszahlen für das zweite Quartal vor. Investoren werden genau hinschauen, wie der Konzern die wachsende Regulierung in Europa mit seiner aggressiven Investitionsstrategie in KI-Infrastruktur in Einklang bringen will.
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