Liebe Börsenfreundinnen und Börsenfreunde,

diese Woche hat gezeigt, dass gute Zahlen an der Börse nicht mehr reichen. Halbleiterwerte von Seoul über Frankfurt bis Philadelphia verloren gestern deutlich, obwohl die Speicherhersteller gleichzeitig Rekordgewinne melden.

Meta, bislang ein Konzern, der seine Investitionen aus dem laufenden Geschäft bezahlte, stemmt zur selben Zeit die größte Aktienemission seiner Geschichte. Die Börse fragt nicht mehr, wer am meisten in künstliche Intelligenz steckt. Sie fragt, wer damit Geld verdient und wer es nur ausgibt.

Meta greift zum Aktionärsgeld

Meta will bis zu 97,5 Milliarden Dollar über neue Aktien einsammeln. Das Angebot war nach Unternehmensangaben fünffach überzeichnet. Wer kauft da eigentlich mit? Unter anderem Nvidia und AMD. Meta setzt im Gegenzug Nvidias Technik für seinen KI-Assistenten Muse ein.

Warum braucht ein so profitabler Konzern frisches Kapital? Die Antwort steht in der Bilanz. Im dritten Quartal war der freie Cashflow erstmals negativ, mit minus 2,12 Milliarden Dollar. Es floss also mehr Geld hinaus, als das Geschäft einbrachte. Für 2026 plant Meta Investitionen von 135 bis 145 Milliarden Dollar.

Die Meta-Aktie liegt 14 Prozent unter dem Stand von Anfang Oktober. Die Verwässerung durch die Emission wird auf rund 5,5 Prozent geschätzt. Verwässerung heißt: Jede alte Aktie steht für einen etwas kleineren Anteil am Unternehmen. Wer Meta hält, finanziert damit Rechenzentren mit, deren Ertrag erst noch kommen muss.

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Speicherchips: Rekord und Ausverkauf zugleich

Die Speicherhersteller stehen am anderen Ende der Kette. Sie verdienen prächtig, und die Börse bestraft sie trotzdem. SK hynix meldete für das dritte Quartal eine operative Marge von fast 80 Prozent. Von jedem Euro Umsatz blieb also fast alles als Gewinn aus dem Tagesgeschäft übrig. Trotzdem fiel die Aktie gestern um 7,1 Prozent.

Warum straft der Markt eine solche Gelddruckmaschine ab? Der Grund liegt bei den Kunden. Wenn Amazon, Alphabet und Meta mit negativem freien Cashflow arbeiten, zweifeln Anleger daran, dass die hohen Speicherpreise halten. Sandisk lieferte dazu den Dämpfer: Nach starken Zahlen warnte Konkurrent Kioxia vor nahezu stagnierenden Preisen im laufenden Quartal. Sandisk fiel gestern um 12 Prozent und hat gegenüber dem Juni-Hoch die Hälfte verloren.

Der Haken ist also nicht das Geschäft von heute. Bei Sandisk kam ein guter Teil des Wachstums aus höheren Preisen, und genau dieser Anteil steht nun in Frage.

Infineon: Die Deutsche Bank hält dagegen

Szenenwechsel nach Frankfurt. Der Ausverkauf traf die deutschen Chipwerte gestern ohne eigene Nachricht. Infineon schloss 4,5 Prozent im Minus. Die Deutsche Bank sieht darin eine Einstiegschance und empfiehlt Infineon zum Kauf. Ihr Argument: Infineon hat die Prognose für den bereinigten freien Cashflow auf 1,85 Milliarden Euro erhöht.

Ob die Bank recht behält, zeigt sich am Dienstag, 10. November, mit den Zahlen zum vierten Geschäftsquartal. Wie zweigeteilt der Markt ist, zeigt Aixtron. Der Auftragseingang stieg im dritten Quartal um 122 Prozent, die Aktie sprang am Donnerstag und gab gestern wieder nach. Deutsche Bank und Morgan Stanley stuften Aixtron hoch.

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Welche US-Aktien nach ihren Quartalszahlen besonders zuverlässig zulegen, zeigt Bernd Wünsche im Live-Webinar „Quartals-Rally-Trading“. Wie unterschiedlich Anleger auf Zahlen reagieren, zeigt auch der aktuelle Chip-Ausverkauf trotz Rekordgewinnen. Wünsche hat über 500 US-Aktien aus S&P 500 und Nasdaq 100 über acht Quartale ausgewertet und nur 11 gefunden, die nach Zahlen fast immer gesprungen sind – darunter Seagate mit Kurssprüngen von 10 und 18 Prozent in Folge. Morgen, Sonntag, 01.11.2026, um 18:00 Uhr stellt er diese Dauer-Rally-Aktien vor. Jetzt kostenlos zum Webinar anmelden

Wer spart, wird belohnt

Beim Investieren trennt sich gerade die Spreu vom Weizen. Amazon steckte allein im dritten Quartal 77,3 Milliarden Dollar in seine Infrastruktur, mehr als das Doppelte des Vorjahres. Für 2027 soll es deutlich mehr werden, obwohl auch bei Amazon mehr Geld hinaus- als hereinfließt.

Microsoft geht den umgekehrten Weg. Der Konzern senkte sein Investitionsziel und bleibt als einziger der großen Cloud-Betreiber mit positivem freien Cashflow. Der Markt honoriert das: Microsoft liegt über 30 Tage 3,2 Prozent im Plus, Alphabet 17 Prozent im Minus. Auch Tesla kürzte sein Investitionsziel und gewann auf Wochensicht.

Die unbequeme Lehre: Belohnt wird, wer seine Investitionen mit Geld aus dem laufenden Geschäft unterlegt. Bestraft wird, wer die Rechnung in die Zukunft schiebt.

Bitcoin hört auf die Notenbank

Bitcoin notiert heute knapp über 77.500 Dollar und hat im vergangenen Monat spürbar verloren. Die US-Bitcoin-ETFs, also börsengehandelte Fonds, die den Kurs abbilden, verzeichneten gestern Abflüsse von 643 Millionen Dollar. Das war der höchste Tageswert seit Juni.

Schwerer als der Sicherheitsvorfall bei Binance wiegt dabei der Zinsausblick. Dallas-Fed-Präsidentin Lorie Logan forderte gestern zwei weitere Zinserhöhungen. Die Terminmärkte halten eine Anhebung am 9. Dezember für wahrscheinlicher als nicht.

Was jetzt zählt

Am Dienstag wählen die USA, und die Ölmärkte preisen bereits einen möglichen Militärschlag gegen Iran danach ein. Am Donnerstag zieht SK hynix eigene Aktien ein, am 10. November legt Infineon vor. Binnen zehn Tagen zeigt sich also, ob die Nachfrage nach Speicher und Leistungshalbleitern trägt.

Die eigentliche Frage reicht aber weiter: Werden die Rekordfinanzierungen der großen Tech-Konzerne die Chipnachfrage stützen, oder werden die Zweifel an der KI-Rechnung zum Muster der kommenden Berichtssaison? Wer Chipwerte hält, sollte weniger auf die nächste Gewinnmeldung schauen als darauf, ob die Kunden ihre Rechnungen weiter aus eigener Tasche bezahlen können.

Viele Grüße vom Treff, Ihr Andreas Sommer