Simon Gerovich hat es versucht. Der CEO von Metaplanet meldete sich am Sonntag öffentlich zu Wort und räumte ein, sein Unternehmen habe „keine gute Arbeit“ bei der Kommunikation mit den Aktionären geleistet. Ein ungewöhnlich offenes Eingeständnis für einen Firmenchef. Nur: Der Markt hat es ihm nicht abgekauft.
Am Dienstag brach die Metaplanet-Aktie um knapp 10 Prozent ein, nach einem bereits schwachen Vortag summierte sich der Verlust binnen zwei Handelstagen auf 17 Prozent. Wer geglaubt hatte, ein Statement des Vorstandschefs könne die Wogen glätten, wurde eines Besseren belehrt.
Für mich ist das der eigentliche Befund dieser Woche: Nicht die Ankündigung selbst hat die Anleger verschreckt, sondern die Erkenntnis, dass Worte das strukturelle Problem nicht lösen.
Ein Optionspool, der Fragen offen lässt
Der Auslöser der Vertrauenskrise reicht weiter zurück. Vor gut drei Wochen hatte der Verwaltungsrat beschlossen, die Bedingungen der 10. Serie der Aktienbezugsrechte zu ändern und die Zahl der potenziellen Aktien auf 319.464.000 zu fixieren – seither hatte sich die Aktie zeitweise um 13,1 Prozent erholt.
Doch diese Beruhigung war offenbar nur vorübergehend. Was bleibt, ist die Frage, wie stark bestehende Aktionäre durch künftige Optionsausübungen verwässert werden, und wie eng Gerovichs persönliche Verbindungen zu MMXX Ventures, einem Metaplanet-Aktionär, das Führungsteam belasten.
Genau diese beiden Punkte – die Governance-Struktur rund um den Optionspool und die Nähe des CEO zu einem Großaktionär – waren es, die laut Medienberichten den jüngsten Kurssturz ausgelöst haben.
Dass Gerovich selbst am 28. August 92.000 Bezugsrechte ausübte und dafür 64.032.000 Stammaktien erhielt, wodurch sein Gesamtbestand auf 79.587.500 Aktien stieg, wirkt in diesem Licht wie ein zusätzlicher Stein des Anstoßes – auch wenn die neu ausgegebenen Aktien einer fünfjährigen Haltefrist bis August 2031 unterliegen und damit kurzfristig nicht auf den Markt drücken können.
Unterm Strich zeigt sich hier ein Muster: Das Management handelt formal korrekt, mit Sperrfristen und offengelegten Details. Doch die Wahrnehmung der Aktionäre folgt einer anderen Logik. Wenn der Chef selbst kurz vor einer öffentlichen Governance-Debatte Bezugsrechte in Aktien wandelt, spielt das Timing eine Rolle – unabhängig davon, wie sauber der Vorgang juristisch dokumentiert ist.
Bitcoin-Strategie bleibt intakt, das Vertrauen nicht
Was in der aktuellen Debatte fast untergeht: Das eigentliche Geschäftsmodell von Metaplanet, seit April 2024 auf eine „Bitcoin-first“-Strategie ausgerichtet, läuft operativ unverändert weiter. Im zweiten Quartal kaufte das Unternehmen 2.823 Bitcoin hinzu und kam damit auf 43.000 BTC.
Zuvor hatte Metaplanet im ersten Quartal 5.075 Bitcoin erworben und sich mit einem kumulierten Bestand von 40.177 BTC zeitweise auf Platz drei der öffentlich gehandelten Bitcoin-Halter vorgearbeitet, hinter Strategy und Twenty One Capital. An dieser Substanz hat sich nichts geändert.
Für mich ist das der entscheidende Punkt: Die Kursschwäche ist kein Urteil über die Bitcoin-Strategie als solche, sondern über die Art, wie das Management mit seinen eigenen Aktionären umgeht.
Bei einer 30-Tage-Volatilität von 81 Prozent ist die Aktie ohnehin ein Instrument für Anleger mit starken Nerven – aktuell notiert das Papier bei 1,43 Euro, nur knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,36 Euro und deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 1,79 Euro. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 4,82 Euro liegt bei 70 Prozent.
Mein Fazit: Gerovichs Eingeständnis war ein richtiger erster Schritt, aber ein unzureichender. Governance-Vertrauen lässt sich nicht per Tweet reparieren, sondern nur durch nachvollziehbare, langfristig konsistente Strukturen.
Solange die Verbindung zwischen Führungsebene und Großaktionären nicht transparenter aufgelöst wird, dürfte jede weitere Kommunikationsoffensive an derselben Skepsis abprallen wie diese. Die Bitcoin-Story von Metaplanet ist intakt – die Vertrauensfrage ist es nicht.
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