Micron Technology zeigt gerade zwei Gesichter. Auf der einen Seite meldet der Speicherchiphersteller Rekordaufträge und Milliarden an Vorauszahlungen von Kunden. Auf der anderen Seite bricht der Aktienkurs massiv ein. Am Freitag verlor das Papier 5,86 Prozent und schloss bei 714,70 Euro.
Ein harter Fall vom Rekordhoch
Der Kurssturz ist real. Micron notiert inzwischen 35,25 Prozent unter dem Rekordhoch von 1.103,80 Euro aus dem Juni. Für sich genommen wirkt das dramatisch.
Im Kontext der vergangenen zwölf Monate liest sich die Korrektur anders. Die Aktie steht immer noch 667 Prozent höher als vor einem Jahr. Meiner Einschätzung nach handelt es sich eher um eine überfällige Verschnaufpause als um einen echten Trendbruch.
Vom Zykliker zum Auftragsnehmer
Der eigentliche Grund, warum ich an der Story festhalte, liegt nicht im Chart, sondern im Geschäftsmodell. Micron wandelt sich gerade von einem klassischen Zyklus-Geschäft zu einem auftragsbasierten Modell. Das Unternehmen hat Lieferverpflichtungen im Wert von über 100 Milliarden Dollar gesichert. Kunden haben bereits mehr als 22 Milliarden Dollar als Vorauszahlung geleistet.
Diese „Take-or-pay“-Verträge decken einen erheblichen Teil der Produktionskapazität ab. Das gibt Micron ein finanzielles Polster, das es in früheren Branchenabschwüngen schlicht nicht gab.
Hinzu kommt die anhaltende Verknappung bei Speicherchips. In der Branche ist sie inzwischen als „RAMaggedon“ bekannt. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage bei DRAM soll sich bis 2027 sogar noch vergrößern. Das Management räumt ein, aktuell nur 50 bis 66 Prozent der Nachfrage seiner größten KI-Kunden bedienen zu können. Die Wachstumsgrenze liegt damit bei der eigenen Kapazität, nicht beim fehlenden Interesse der Kunden.
Neue Konkurrenz und prominente Wetten dagegen
Ganz ohne Risiko ist die Geschichte nicht. Der chinesische Speicherhersteller CXMT feierte in Shanghai einen fulminanten Börsengang. Die Aktie legte am ersten Handelstag 466 Prozent zu. CXMT drängt aggressiv in die Märkte für DDR5- und LPDDR6-Chips. Das könnte langfristig eine Welle günstiger chinesischer Speicherchips auslösen und die Preismacht der etablierten Hersteller angreifen.
Die Stimmung leidet zusätzlich unter prominenten Short-Wetten. Investor Michael Burry hat seine Short-Position gegen den Halbleitersektor Berichten zufolge bis Ende 2026 ausgebaut, Micron eingeschlossen. Parallel dazu bremsen Großkunden wie Amazon, Walmart und Uber ihre KI-Ausgaben mit Budgetobergrenzen oder wechseln zu günstigeren KI-Modellen. Auch Apple soll alternative Speicherlieferanten prüfen — ein erstes Anzeichen, dass Microns Preismacht auf Widerstand bei den Käufern trifft.
Mein Fazit: Der Boden dürfte halten
Technisch bleibt die Aktie hochvolatil. Kursausschläge in beide Richtungen sind daher wahrscheinlich. Der durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 1.306,60 Euro. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von 82,8 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss.
Kurzfristig bleibt der Druck hoch, auch weil überschuldete Hedgefonds ihre Positionen zwangsweise auflösen. Die fundamentalen Zahlen sprechen eine andere Sprache. Micron meldete im dritten Quartal einen Rekordumsatz von 41,4 Milliarden Dollar. Für das vierte Quartal stellt der Konzern rund 50 Milliarden Dollar in Aussicht.
Unterm Strich überwiegen für mich die Argumente für eine Bodenbildung. Die strukturelle Angebotsknappheit dürfte bis mindestens 2028 anhalten und wirkt wie ein Sicherheitsnetz — selbst wenn Markt und Aktie gerade den Überschwang der KI-Rally und neue globale Konkurrenten verdauen müssen.
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