710 Prozent in zwölf Monaten. Micron Technology hat eine der spektakulärsten Kursrallyes der jüngeren Börsengeschichte hingelegt — und genau das macht Anleger nervös. Nahe dem 52-Wochen-Hoch von 685 Euro intensiviert sich die Debatte: Ist der KI-getriebene Gedächtnischip-Boom strukturell anders als frühere Zyklen, oder läuft die Geschichte einfach wieder ab?
Zykliker oder strukturelle Wachstumsstory?
William de Gale, Portfoliomanager bei BlueBox Asset Management, bringt die Skepsis auf den Punkt. Die Speicherchip-Industrie habe „enorme Auf und Abs“, sagte er gegenüber CNBC — und sei „auf lange Sicht eine ziemlich schreckliche Branche“. Das ist kein Randargument. Micron selbst lieferte 2023 ein Lehrstück in Sachen Zyklizität: Der Umsatz halbierte sich, das Unternehmen rutschte in die Verlustzone. Auslöser war ein Nachfrageeinbruch bei Smartphones und PCs, der zu einem massiven Überangebot an Speicherchips führte.
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CEO Mehrotra: Engpass bis 2028
Micron-Chef Sanjay Mehrotra hält dagegen — und zwar mit konkreten Zahlen. Das Unternehmen bediene derzeit nur 50 bis 67 Prozent der Kernnachfrage seiner wichtigsten Kunden. Neue Produktionskapazitäten im großen Maßstab könnten frühestens 2028 anlaufen, weil der Bau von Halbleiterfabriken schlicht Zeit braucht. Das neue Werk in Boise, Idaho, werde erst Mitte 2027 erste Wafer produzieren, weitere Anlagen folgten danach gestaffelt.
Die Finanzzahlen stützen die bullische These. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erzielte Micron einen Umsatz von 23,9 Milliarden Dollar — ein Plus von 196 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das vierte Quartalsumsatzrekord in Folge. Die Bruttomarge lag bei 74,9 Prozent. Die gesamte HBM-Kapazität für 2026 ist unter langfristigen Festpreisverträgen ausverkauft.
Preismacht in einem historisch überversorgten Markt
DRAM-Preise steigen laut TrendForce-Daten um 58 bis 63 Prozent, NAND-Flash-Preise sogar um 70 bis 75 Prozent. Das ist bemerkenswert für eine Branche, die Anleger jahrelang mit Preisverfall und Margenzerfall enttäuscht hat.
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Parallel läuft eine separate Spekulation: Könnte Micron die Aktie splitten? Offiziell gibt es keine Ankündigung. Die kanadischen Depositary Receipts wurden im März 2026 bereits im Verhältnis 5:1 gesplittet, was die Gerüchte um die Nasdaq-notierten MU-Aktien anheizt. In den 1990er Jahren spaltete Micron die Aktie dreimal innerhalb von sechs Jahren — 1994, 1995 und 2000.
Billionen-Marke als nächste Wegmarke
Die Marktkapitalisierung liegt knapp unter 850 Milliarden Dollar. Weniger als 20 Prozent Kursanstieg würden Micron in den Billionen-Dollar-Club katapultieren. Der Kurs notiert aktuell bei rund 674 Euro, nur 1,6 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch.
Das eigentliche Risiko liegt im Timing. Sobald sich das Angebot 2027 und 2028 normalisiert, könnten vorausschauende Investoren die Aktie abgeben — lange bevor der Engpass offiziell endet. Ob Microns neues Boise-Werk 2028 das Ende des Zyklus markiert oder nur eine Verschnaufpause vor dem nächsten Aufwärtsschub, wird die entscheidende Frage für den Rest des Jahrzehnts sein.
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