Ein Bericht über Apple sorgt bei Micron für neue Nervosität. Der iPhone-Konzern testet offenbar chinesische Speicherchips für Geräte, die in China verkauft werden. Für Micron ist das eine unangenehme Nachricht, ausgerechnet während der Chipsektor ohnehin unter Druck steht.
Die Aktie schloss am Dienstag bei 720,30 Euro, ein Minus von 8,79 Prozent an einem einzigen Tag. Vom Rekordhoch aus Ende Juni bei 1.103,80 Euro liegt der Titel damit rund 35 Prozent entfernt. Auf Monatssicht steht ein Rückgang von knapp 28 Prozent zu Buche.
Apple prüft chinesische Speicherchips
Berichten zufolge testet Apple Speicherprodukte von CXMT für den chinesischen Markt. CXMT gehört zu zwei chinesischen DRAM-Herstellern, bei denen Apple kürzlich um eine Freigabe gebeten hat. Der Konzern will sich damit zusätzliche Lieferquellen für seine iPhones sichern.
Der Zeitpunkt könnte kaum brisanter sein. CXMT ist gerade erst mit einem der größten Börsengänge Chinas der jüngeren Zeit gestartet. Das Unternehmen sammelte umgerechnet 8,6 Milliarden Dollar ein und schoss am ersten Handelstag um 466 Prozent nach oben. Die Marktbewertung: 487 Milliarden Dollar.
Mit dieser Kriegskasse ausgestattet, wird CXMT zu einem ernstzunehmenden Herausforderer für Micron. Kurzfristig dürfte die Bedrohung für die Umsätze noch überschaubar bleiben. Langfristig sehen Investoren das Risiko wachsen: Verbessert sich die Technologie der chinesischen Hersteller weiter und steigt gleichzeitig die Produktion, könnte das die Preissetzungsmacht der etablierten Anbieter schwächen und auf die Margen drücken.
Samsung will Preise weiter anheben
Während die China-Sorge auf der Stimmung lastet, verhandelt Rivale Samsung offenbar hart mit seinen Kunden. Laut einem Bericht von ZDNet will der südkoreanische Konzern die durchschnittlichen DRAM-Preise im dritten Quartal um bis zu 20 Prozent gegenüber dem Vorquartal anheben. Von höheren Preisen würde die gesamte Branche profitieren, auch Micron.
Beide Entwicklungen erzählen im Kern dieselbe Geschichte: Speicherchips bleiben knapp. Die Hersteller nutzen ihre Marktmacht, um Preise durchzusetzen.
Micron-Chef Sanjay Mehrotra zeigte sich beim Earnings-Call zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 entsprechend zuversichtlich. Die Angebotsknappheit werde über das Kalenderjahr 2026 hinaus bestehen bleiben, so Mehrotra. Die Marktverknappung sei sogar bis über 2027 hinaus „festgeschrieben“. Micron rechnet demnach damit, nur „die Hälfte bis zwei Drittel“ der Nachfrage seiner Schlüsselkunden bedienen zu können. Die Preise für langfristige DRAM-Lieferverträge bewegen sich mittlerweile zwischen niedrigen zehn und mittleren 20 Dollar pro Gigabyte.
Auch das eigene Handeln des Unternehmens spricht für dauerhaft hohe Preise statt eines vorübergehenden Effekts. Am 25. Juni schloss Micron Lieferverträge mit einer Laufzeit von fünf Jahren ab – zu Preisen, die als historisch hoch gelten.
Ein Jahr der Extreme
Der aktuelle Rückschlag wirkt selbst für Micron-Verhältnisse dramatisch. Das Papier hat seit Jahresbeginn dennoch 185,72 Prozent zugelegt, auf Zwölfmonatssicht sogar 642,96 Prozent. Der jüngste Absturz relativiert diese Rekordrally, macht sie aber nicht ungeschehen.
Der 14-Tage-RSI liegt bei 40,2 und deutet auf eine überverkaufte Aktie hin. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 104,51 Prozent zeigt, wie nervös der Markt die Aktie derzeit handelt.
Micron steht mit seinen Problemen nicht allein. SanDisk hat ebenfalls deutlich nachgegeben, südkoreanische SK Hynix und andere Halbleiterwerte gerieten unter Druck. Selbst Nvidia, AMD, Intel und Arm zeigten zuletzt heftige Ausschläge. Investoren stellen zunehmend infrage, ob die hohen Bewertungen rund um KI-Werte gerechtfertigt bleiben.
Wette auf die USA
Der Markt ringt derzeit mit zwei gegensätzlichen Erzählungen: Auf der einen Seite ein global knapper Speichermarkt, der hohe Preise stützt. Auf der anderen Seite ein finanzstarker chinesischer Konkurrent, der diese Preismacht mittelfristig untergraben könnte.
Micron selbst setzt auf die erste Erzählung. Der Konzern investiert massiv in den Ausbau seiner Fertigungskapazitäten in den USA, mit Großprojekten in New York, Idaho und Virginia. Das Management wettet darauf, dass die Nachfrage aus KI-Infrastruktur, Cloud-Computing und Hyperscale-Rechenzentren die Investitionen rechtfertigt und schneller wächst als die chinesische Konkurrenz aufholen kann.
Ob diese Rechnung aufgeht, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell CXMT und andere chinesische Anbieter ihre Kapazitäten skalieren können. Entscheidend wird auch, ob aus Apples Tests mit chinesischen Speicherchips am Ende tatsächliche Marktanteilsverluste für Micron in einem seiner wichtigsten Absatzmärkte werden.
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