Micron Technology hat einen schwarzen Montag hinter sich. Ein Bericht über chinesische Fortschritte bei Lithografie-Maschinen, der spektakuläre Börsengang eines chinesischen Speicherkonkurrenten und aufgestockte Short-Positionen des Investors Michael Burry trafen die Aktie gleich mehrfach. Im deutschen Handel schloss das Papier am Montag bei 789,60 Euro, ein Rückgang von 2,60 Prozent zum Vortag.
China meldet Fortschritte bei Chip-Maschinen
Auslöser des breiten Ausverkaufs im Halbleitersektor war die Meldung, dass ein staatlich unterstütztes chinesisches Unternehmen mit der Massenproduktion von Immersions-DUV-Lithografiemaschinen begonnen hat. Laut mehreren Medienberichten steht hinter der Technologie die Firma Shanghai Yuliangsheng Technology, die dem Huawei-Umfeld zugerechnet wird und das Werkzeug seit vergangenem September beim Auftragsfertiger SMIC testet. Geplant sind rund fünf Systeme in diesem Jahr und etwa 20 im kommenden Jahr – verglichen mit den 131 Immersions-DUV-Anlagen, die ASML laut Berichten allein 2025 auslieferte. Die Bank of America stufte die Bedrohung für ASML über Analyst Didier Scemama zwar als „modest“ ein, doch die Aussicht auf mehr technologische Unabhängigkeit chinesischer Speicherhersteller reichte, um Nvidia, AMD, SK Hynix und eben auch Micron am Montag mit Kursverlusten von teils über acht Prozent zu belasten.
CXMT-Debüt verstärkt die Nervosität
Parallel dazu sorgte der Börsengang des chinesischen Speicherherstellers CXMT in Shanghai für Aufsehen: Die Aktie schoss am Montag um mehr als 460 Prozent nach oben und machte das Unternehmen zeitweise zum wertvollsten börsennotierten Konzern Chinas, bei einer Marktbewertung von umgerechnet rund 487 bis 490 Milliarden Dollar. CXMT kommt nach Branchenschätzungen inzwischen auf einen globalen DRAM-Marktanteil von rund acht Prozent, nach etwa drei Prozent im Vorjahr. Berichten zufolge testet Apple bereits CXMT-Speicher für in China verkaufte Geräte. Für Anleger in Micron ist das ein Warnsignal, auch wenn Analysten von Nomura und Morningstar auf technologische Rückstände von CXMT verweisen – etwa auf einen laut Morningstar mehr als 30 Prozent höheren Kosten je Bit gegenüber Samsung und SK Hynix, bedingt durch das Fehlen von EUV-Technik.
Burry baut Short-Position aus, Insider verkauft
Zusätzlichen Druck erzeugte Investor Michael Burry, der seine Short-Wetten gegen Micron, Nvidia und den Philadelphia Semiconductor Index laut Berichten der South China Morning Post weiter erhöhte. Burrys Argument: Die Nachfrage im KI-Sektor werde nicht durch Endkunden getrieben, sondern zunehmend über bilanzferne Finanzierungskonstruktionen der Hyperscaler gestützt. Zeitgleich verkaufte Micron-Finanzchef für Rechnungswesen Scott R. Allen am Montag 879 Aktien für insgesamt rund 879.000 Dollar. Über die vergangenen drei Monate summierten sich Insiderverkäufe bei Micron auf mehr als 150 Millionen Dollar. CNBC-Kommentator Jim Cramer warnte zudem, der jüngste Ausverkauf im Chipsektor gehe auf gehebelte Zwangsverkäufe zurück und nicht auf fundamentale Probleme.
Analysten bleiben mehrheitlich optimistisch
Trotz der Turbulenzen überwiegt unter den Analysten weiterhin Zuversicht. Nach einer Zusammenfassung von rund 30 Einschätzungen liegt die durchschnittliche Kursvorstellung deutlich über dem aktuellen Niveau, mit Höchstwerten von bis zu 2.200 Dollar – getragen von der robusten Geschäftsentwicklung: Im dritten Fiskalquartal 2026 wuchs der Umsatz um 346 Prozent auf 41,46 Milliarden Dollar, für das vierte Quartal stellte Micron rund 50 Milliarden Dollar in Aussicht. Ein Beitrag auf Seeking Alpha hält dagegen an einer neutralen Einschätzung fest und verweist darauf, dass die Rekordmarge von 84,9 Prozent nicht primär durch High-Bandwidth-Memory getrieben werde, sondern durch klassischen Server-Speicher.
Die technische Verfassung der Aktie spiegelt die Nervosität wider: Nach dem jüngsten Rücksetzer notiert das Papier rund 28 Prozent unter seinem erst im Juni erreichten 52-Wochen-Hoch. Anleger dürften in den kommenden Tagen genau beobachten, ob sich die Sorgen um Chinas Speicherambitionen als kurzfristige Belastung erweisen oder das langfristige Wachstumsbild bei Micron nachhaltig eintrüben.
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