Der Tarifstreit bei Micron Technology in Taiwan spitzt sich weiter zu. Nur Stunden nachdem der Speicherchiphersteller am Freitag Bonuszahlungen von 35 bis 68 Monatsgehältern angekündigt hatte, wiesen die Gewerkschaften das Angebot zurück. Sie fordern stattdessen eine höhere Gewinnbeteiligung sowie einen Einmalbetrag von rund 83 Monatsgehältern. Der Konflikt ist damit keineswegs beigelegt, sondern geht in eine neue Runde.

Zweite Mediationsrunde am 21. September angesetzt

Micron hatte den Beschäftigten an den Standorten Taoyuan und Taichung eine Mindest-Barzahlung von umgerechnet rund 53.809 US-Dollar in Aussicht gestellt, gestaffelt nach Monatsgehältern. Aus Sicht des Unternehmens sollte dies die seit Wochen schwelenden Spannungen entschärfen. Die Gewerkschaften hatten zuvor mit Streik gedroht, sollte Micron das bestehende Bonussystem nicht überarbeiten und die Belegschaft stärker am Gewinn beteiligen.

Die Ablehnung des Angebots kam prompt. Für den heutigen Dienstag ist eine Pressekonferenz der Gewerkschaften angekündigt, bei der sie ihre Position weiter erläutern wollen. Eine zweite Mediationsrunde zwischen Micron und den Arbeitnehmervertretern ist für den 21. September terminiert. Bis dahin bleibt offen, ob sich beide Seiten annähern oder der angedrohte Streik tatsächlich Realität wird.

Anleger reagieren nervös

Für Anleger ist die Situation heikel, weil ein Arbeitsausstand an den taiwanesischen Standorten die Produktion empfindlich treffen könnte – zu einem Zeitpunkt, in dem die Nachfrage nach Speicherchips für KI-Anwendungen ungebrochen hoch ist.

Der Kurs der Micron-Aktie reagierte entsprechend empfindlich: Am Montag schloss das Papier bei 800,50 Euro, nach einem Tagesverlust von 4,9 Prozent. Über die vergangenen sieben Handelstage summiert sich der Rückgang auf 7,0 Prozent.

Die kurzfristige Schwäche relativiert sich allerdings im längerfristigen Bild. Auf Zwölf-Monats-Sicht steht bei Micron noch immer ein Kursplus von 497 Prozent zu Buche – ein Anstieg, der maßgeblich durch den Boom bei KI-Speicherchips getragen wurde. Diese Diskrepanz zwischen kurzfristiger Nervosität und langfristiger Kursrally macht deutlich, wie sensibel der Markt derzeit auf jede Nachricht aus Taiwan reagiert.

Ausblick: Entscheidung fällt Ende September

Solange keine Einigung zwischen Micron und den Gewerkschaften erzielt ist, dürfte der Tarifkonflikt ein Belastungsfaktor für die Aktie bleiben. Die kommenden Tage bis zur zweiten Mediationsrunde am 21. September werden zeigen, ob Micron sein Angebot nachbessert oder die Fronten sich weiter verhärten.

Für Anleger bleibt der Ausgang der Verhandlungen der entscheidende Kurstreiber – losgelöst von der grundsätzlich starken Nachfragesituation im Speicherchipmarkt.