Starke Quartalszahlen und ein optimistischer Ausblick des US-Speicherchipherstellers Micron Technology sollten der Halbleiterbranche neuen Schwung verleihen. Allerdings währte die anfängliche Erleichterung am Donnerstag nur kurz. Steigende Kosten beim US-Konzern sowie ein trüberes Börsenumfeld aus anziehenden Ölpreisen und kletternden Anleiherenditen ließen die Kursgewinne europäischer Chipaktien rasch wieder zusammenschmelzen.
Margensorgen bremsen Micron aus
Der weltweite Boom rund um Künstliche Intelligenz treibt die Geschäfte von Micron spürbar an. Das Unternehmen überzeugte am Markt mit seiner Prognose für die Nachfrage nach KI-Speicherchips. Dennoch geriet das Papier vorbörslich zeitweise mit einem halben Prozent ins Minus.
Verantwortlich dafür waren Warnungen des Managements vor steigenden Ausgaben, die auf die Profitabilität drücken könnten. Marktbeobachter Stephen Innes betonte, dass der Speicherboom für Micron zwar nachhaltiger, vor allem aber auch teurer werde. Jochen Stanzl von der Consorsbank verwies darauf, dass die Hoffnung auf eine neue Euphorieswelle nicht aufging, um den Markt von den steigenden Renditen abzulenken.
An den US-Märkten hielten sich ausgewählte Chipwerte wie Nvidia, AMD oder Intel vorbörslich zwar mit Kursgewinnen von bis zu 1,5 Prozent im Plus. Für den technologielastigen Leitindex Nasdaq 100 zerschlug sich eine zuvor signalisierte Bestmarke von über 30.800 Punkten jedoch zusehends.
Europäische Ausrüster geraten unter Druck
In Europa hinterließ der Stimmungswechsel tiefe Bremsspuren. Die Aktie von Infineon kletterte im frühen Handel noch um bis zu 3,5 Prozent auf ein Hoch seit Mitte August. Im weiteren XETRA-Verlauf schrumpfte der Vorsprung bei 59,87 Euro auf ein schmales Plus von 0,64 Prozent zusammen. Selbst die angekündigte Eröffnung einer neuen Fabrik in Thailand vermochte dem Kurs keine dauerhafte Stütze zu bieten.
Noch schwerer traf es die Zulieferer und Ausrüster der Branche, bei denen sich die Kursverluste im Tagesverlauf häuften. Die Anleger trennten sich zügig von Titeln, die im Vorfeld kräftig zugelegt hatten.
Aixtron fiel nach einem zuvor erreichten Dreiwochenhoch um 3,3 Prozent auf 36,63 Euro zurück. Parallel dazu verzeichnete der Waferhersteller Siltronic ein Minus von 1,78 Prozent auf 79,60 Euro. Auch andere Branchenwerte büßten an Wert ein: SUSS MicroTec gab um 1,09 Prozent nach, Jenoptik verlor 0,91 Prozent.
Solange anziehende Anleiherenditen und steigende Energiekosten das Gesamtfeld belasten, bleibt der Spielraum für Technologiebewertungen eng gesteckt. Die kommenden Wochen werden zeigen müssen, inwieweit die hohen Investitionen der Halbleiterhersteller den Margendruck tatsächlich ausgleichen können.
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