Der Druck auf Speicherchip-Werte nimmt zu, und Micron steckt mittendrin. Nach einem Minus im US-Handel zog der Konkurrent aus China, CXMT, die Sorgen um die Preismacht der Branche weiter an. Die Schwäche setzte sich in Asien fort, wo die südkoreanischen Rivalen deutlich stärker nachgaben.

Chinas Angriff auf das Servergeschäft

CXMT hat am Wochenende Fortschritte bei einer neuen DRAM-Architektur mit dichterem Zellaufbau gemeldet. Server-Speicher der Standards DDR5 sollen noch vor Ende 2026 auf den Markt kommen. Die fünfte Fertigungsgeneration des Herstellers läuft bereits in Massenproduktion, der technologische Abstand zu etablierten Anbietern schrumpft.

Genau das ist für Micron heikel. Das margenstarke Servergeschäft gilt als wichtigste Ertragsquelle der Branche. Marktteilnehmer fürchten, dass zusätzliche Konkurrenz die Preise drückt, noch bevor der aktuelle Gewinnzyklus seinen Höhepunkt erreicht hat.

Micron schloss im Hauptgeschäft 3,9 Prozent tiefer bei 970,54 Dollar. Nachbörslich ging es um weitere 1,9 Prozent nach unten.

Seoul unter Druck, Streik in Taiwan

Besonders heftig fiel die Reaktion in Südkorea aus. SK Hynix verlor zeitweise mehr als acht Prozent, Samsung Electronics gut sieben Prozent. Der Leitindex KOSPI rutschte zeitweise unter die Marke von 6.000 Punkten und löste einen Handelsstopp aus, den sogenannten Sidecar. Es war der sechste Verlusttag in Folge. Ausländische Investoren verkauften weiter in großem Stil.

Hinzu kommt ein hausgemachtes Risiko. Beschäftigte in Microns taiwanischen Werken, die einen erheblichen Teil der DRAM- und HBM-Produktion stellen, haben einen Streik wegen eines Streits um die Gewinnbeteiligung genehmigt. Für den 19. Oktober ist eine Gewerkschaftskundgebung angesetzt, am 22. Oktober folgt eine weitere Schlichtungsrunde.

Auch das Umfeld belastet. Am Montag gab der Technologiesektor an der Wall Street nach, der Nasdaq verlor 0,44 Prozent. Marktkommentatoren sehen darin eine mögliche Rotation weg von KI-Titeln, nachdem Microsoft-Chef Nadella Aufrufe zu einer Verlangsamung der KI-Entwicklung unterstützt hatte. Bei Halbleiter-ETFs übertrafen die Put-Volumina die Calls deutlich, ein Zeichen verbreiteter Absicherung.

Was diese Woche ansteht

Die Quartalszahlen von TSMC und ASML liegen in den kommenden Tagen an und dürften die Stimmung im Sektor prägen. Für Micron selbst sind die Termine in Taiwan maßgeblich: Nach der Kundgebung am 19. Oktober und der Schlichtung am 22. Oktober zeigt sich, ob der Streik tatsächlich Produktionsausfälle nach sich zieht.