Micron liefert operativ Rekord um Rekord, doch an der Börse zählt heute etwas anderes: die Zinsen. Die Aktie gibt am Mittwoch nach, während Anleiherenditen und Ölpreise anziehen. Mit dem Geschäft hat das wenig zu tun.

Renditen bremsen Wachstumswerte

Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe erreichte ihr höchstes Niveau seit April 2002, die 30-jährige Rendite den höchsten Stand seit 2002. Hoch bewertete Wachstumswerte trifft das besonders, weil höhere Zinsen den heutigen Wert weit in der Zukunft liegender Gewinne drücken. Micron notiert an der NASDAQ zuletzt bei 1.066,73 Dollar, ein Minus von gut zwei Prozent.

Der Rücksetzer folgt auf einen Rekordtag. Am Dienstag hatten NASDAQ Composite und S&P 500 getragen von KI-Optimismus auf Allzeithochs geschlossen. Nun warten Anleger auf das Protokoll der September-Sitzung der Fed, bei der die Notenbank die Zinsen angehoben hatte. Es soll um 20:00 Uhr deutscher Zeit erscheinen.

Fundamentaldaten bleiben stark

Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 steigerte Micron den Umsatz auf 54,23 Milliarden Dollar, nach 11,32 Milliarden im Vorjahresquartal. Für das laufende Quartal stellt der Konzern rund 61,5 Milliarden Dollar in Aussicht, mit einer Spanne von plus/minus 1,5 Milliarden.

Rückenwind liefert auch der Markt. Bernstein zufolge stiegen die Preise für Speicherchips im dritten Quartal um knapp 20 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Der Zuwachs fiel kleiner aus als im zweiten Quartal, blieb aber im historischen Vergleich solide.

Die Knappheit verschärft sich demnach durch die KI-Nachfrage, für das vierte Quartal erwartet das Haus einen weiteren Preisanstieg. Auch 2027 dürften die Preise steigen, allerdings mit weniger Spielraum, weil langfristige Lieferverträge Preisobergrenzen setzen und die Speicherkosten die Kunden stark belasten.

Streikvotum in Taiwan als Zusatzrisiko

Abseits der Zinsen gibt es einen eigenen Unsicherheitsfaktor. Die Gewerkschaft am Standort Taoyuan, dem größten Fertigungsstandort des Konzerns, hat sich per Mitgliedervotum die Erlaubnis für einen Streik gesichert. 99 Prozent der abgegebenen Stimmen fielen dafür.

Streitpunkt ist der Bonusplan: Die Arbeitnehmervertreter fordern eine dauerhafte Gewinnbeteiligung. Die Prämie von einer Million Taiwan-Dollar, die Micron im September ankündigte, reicht ihnen nicht.

Details und Zeitpunkt eines möglichen Ausstands sind offen. Ein Arbeitskampf könnte die Lieferengpässe im ohnehin knappen Speichermarkt verschärfen, denn Taiwan ist ein zentraler Standort für DRAM und HBM-Chips. In Taichung laufen die Verhandlungen mit der zweiten Gewerkschaft noch.

Kurzfristig dürfte das Fed-Protokoll am Abend die Richtung vorgeben, für die Lieferkette zählt, ob die Gewerkschaft in Taoyuan einen Streiktermin nennt.