Ein Stahlkonzern als Wachstumstreiber für einen Tech-Giganten – das klingt zunächst ungewöhnlich. Genau das passiert aber gerade bei Microsoft. ArcelorMittal baut seine Zusammenarbeit mit dem Softwarekonzern deutlich aus. Die Meldung reiht sich in eine Serie von Erfolgsnachrichten ein, die den Kurs seit Wochen nach oben treiben.

Microsoft notiert aktuell bei 430,65 Euro, ein Plus von 1,68 Prozent zum Vortag. Über die vergangenen 30 Tage hat die Aktie 27,41 Prozent zugelegt. Der Rebound seit dem Junitief ist beeindruckend: Vom 52-Wochen-Tief bei 307,10 Euro liegt der Kurs inzwischen über 40 Prozent entfernt.

Stahlkonzern setzt auf Azure

ArcelorMittal will seine IT-Systeme grundlegend modernisieren. Microsoft Azure soll dabei zum Rückgrat werden. Der Stahlhersteller plant, Unternehmensdaten in einer einheitlichen Plattform zu bündeln und künftig verstärkt auf Analytik und künstliche Intelligenz zu setzen.

Konkret will ArcelorMittal Microsoft Fabric, Purview und Foundry integrieren. Ziel ist eine bessere Cybersicherheit und weniger Abhängigkeit von veralteter Technik. Finanzielle Details zum Deal nannten beide Unternehmen nicht.

Samer Abu-Ltaif, Microsofts Präsident für Europa, den Nahen Osten und Afrika, ordnet die Partnerschaft größer ein. Solche Kooperationen zeigten, wie eine „KI-first-Zukunft“ in der globalen Fertigung aussehen könne. Unternehmen bewegten sich damit von reinem Experimentieren zu echter operativer Transformation.

Quartalszahlen als Fundament der Rally

Die ArcelorMittal-Nachricht kommt nur wenige Tage nach starken Quartalszahlen, die den aktuellen Kursschub erst ausgelöst haben. Microsoft übertraf im vierten Fiskalquartal die Erwartungen deutlich: Der Gewinn je Aktie lag bei 4,74 Dollar, Analysten hatten mit 4,24 Dollar gerechnet. Der Umsatz erreichte 90,01 Milliarden Dollar gegenüber erwarteten 87,62 Milliarden Dollar.

Besonders die Cloud-Sparte überzeugte. Azure knackte im Fiskaljahr 2026 erstmals die Marke von 100 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 41 Prozent. Finanzchefin Amy Hood erwartet für das erste Fiskalquartal ein Azure-Wachstum von 45 Prozent auf Basis konstanter Währungen – deutlich über dem Analystenkonsens von 41,4 Prozent.

Auch bei den KI-Werkzeugen zieht die Nachfrage an. Microsoft zählt inzwischen über 30 Millionen zahlende Nutzer für den Copilot-Assistenten in Microsoft 365. Im April waren es noch rund 20 Millionen.

Goldman Sachs bleibt zuversichtlich

Die Kombination aus starken Zahlen und neuen Großkunden hat Analysten überzeugt. Goldman Sachs bestätigte die Kaufempfehlung und ein Kursziel von 640 Dollar. Die Bank begründet dies mit Microsofts Position in der KI-Branche und den Fähigkeiten bei der Integration in Unternehmensprozesse. Microsoft bleibt damit auf der sogenannten Conviction List der Bank.

Charttechnisch zeigt sich das Ausmaß der jüngsten Bewegung deutlich. Ein 14-Tage-RSI von 79 signalisiert eine stark überkaufte Situation nach dem schnellen Anstieg der vergangenen Wochen.

Der Deal mit ArcelorMittal zeigt, wie weit Microsofts Cloud- und KI-Ambitionen inzwischen reichen – weit über klassische Software hinaus, bis in die Schwerindustrie. Für Stahlhersteller, die mit engen Margen und komplexen Lieferketten kämpfen, könnten integrierte Datensysteme und KI-Anwendungen zum entscheidenden Vorteil werden. Zusammen mit der robusten Azure-Prognose und der wachsenden Copilot-Nutzerbasis stützt das Firmenkunden-Geschäft weiterhin die Erzählung vom kräftigen Comeback der Aktie seit dem Tief im Juni.