Die Europäische Kommission nimmt das wichtigste Wachstumsgeschäft von Microsoft ins Visier. Brüssel stuft die Cloud-Plattform Azure vorläufig als sogenannten „Gatekeeper“ ein. Das drückt den ohnehin angeschlagenen Aktienkurs weiter nach unten.
Strenge Regeln für die Cloud
Nach sieben Monaten Untersuchung zieht die EU-Wettbewerbsbehörde erste Konsequenzen. Azure fällt künftig unter den Digital Markets Act. Das Ziel: Die Marktmacht der großen Tech-Konzerne begrenzen. Auch Amazon Web Services ist betroffen.
Die Einstufung ist noch nicht final. Microsoft kann nun Stellung beziehen. Bestätigt Brüssel die Entscheidung, bleiben dem Konzern sechs Monate Zeit. Dann muss Azure strenge Auflagen erfüllen. Dazu zählen Vorgaben zur Datenübertragbarkeit und ein Verbot der Eigenbevorzugung.
Angriff auf den Wachstumsmotor
Für Microsoft steht viel auf dem Spiel. Die Cloud-Sparte ist der zentrale Ertragsbringer des Konzerns. Im vergangenen Quartal kletterte der Umsatz in diesem Bereich auf 54,5 Milliarden US-Dollar. Azure wuchs dabei um satte 40 Prozent.
Die EU sieht besonders bei Künstlicher Intelligenz ein Risiko. Die hohe Nachfrage nach KI-Diensten spiele sich fast ausschließlich in den Ökosystemen von Microsoft und Amazon ab. Microsoft wehrt sich gegen diese Darstellung. Der Konzern verweist auf den harten Wettbewerb mit Google Cloud. Brüssel blende diesen Rivalen unzulässigerweise aus.
Aktie am Abgrund
An der Börse sorgt die Nachricht für Nervosität. Die Microsoft-Aktie verliert heute mehr als drei Prozent und fällt auf 311,30 Euro. Damit notiert das Papier nur noch hauchdünn über dem Jahrestief.
Der Abwärtstrend ist massiv. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von rund 23 Prozent auf der Anzeigetafel. Der RSI-Indikator signalisiert mit einem Wert von 31,7 einen fast überverkauften Zustand. Das ändert aber nichts an der fundamentalen Bedrohung durch die EU.
Die endgültige Entscheidung der EU-Kommission steht nun als nächster Auslöser im Kalender. Zwingt Brüssel Microsoft zu weitreichenden Änderungen bei Azure, drohen sinkende Margen im wichtigsten Geschäftsfeld. Bis dahin bleibt die regulatorische Unsicherheit als Bremsklotz für den Aktienkurs bestehen.
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