Während in Asien binnen zwei Handelstagen Milliarden an Marktwert verdampfen, wartet die Wall Street auf den nächsten großen Test: Microsoft öffnet am Mittwochabend nach US-Börsenschluss seine Bücher. Der Termin fällt in eine Woche, in der Anleger ohnehin an mehreren Fronten gleichzeitig kämpfen.
Auslöser der Nervosität ist ausgerechnet ein Rekordergebnis. Der südkoreanische Speicherchip-Hersteller SK Hynix meldete einen mehr als sechsfachen Gewinnanstieg, verfehlte damit aber die hochgesteckten Erwartungen der Analysten. Die Aktie brach um rund zehn Prozent ein, der koreanische Leitindex Kospi sackte um bis zu acht Prozent ab. Der Grund: Verzögerungen bei Lieferungen fortschrittlicher Speicherchips bremsten die Preisdynamik, während das Unternehmen zugleich keine konkreten Pläne für höhere Aktionärsrenditen vorlegte.
Was das für Microsoft bedeutet
Der Kurseinbruch bei SK Hynix trifft einen empfindlichen Nerv. Der Chiphersteller zählt zu den wichtigsten Zulieferern für Speicherbausteine, die in KI-Servern der großen Cloud-Anbieter verbaut werden — Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta eingeschlossen. Wenn selbst ein Rekordquartal die Markterwartungen nicht erfüllt, wächst die Sorge, ob die milliardenschweren KI-Investitionsprogramme der Hyperscaler tatsächlich die erhofften Renditen abwerfen. Genau diese Frage dürfte im Mittelpunkt stehen, wenn Microsoft und Meta Platforms ihre Zahlen präsentieren.
Vorbörslich zeigte sich die Microsoft-Aktie davon zunächst unbeeindruckt. Das Papier notierte bei 393,35 Dollar rund ein Prozent im Plus, nachbörslich ging es sogar leicht weiter nach oben auf 396,75 Dollar. Die Terminkontrakte auf den Nasdaq-100 signalisierten zudem einen versöhnlichen Handelsstart.
Fed und Nahost sorgen für zusätzliche Unruhe
Parallel zur Berichtssaison steht die Zinsentscheidung der US-Notenbank an. Eine Mehrheit der Marktteilnehmer rechnet mit unveränderten Leitzinsen, gleichzeitig preisen die Terminmärkte eine Wahrscheinlichkeit von rund einem Drittel für eine überraschende Zinserhöhung ein — getrieben von steigenden Ölpreisen nach neuen Angriffen zwischen den USA und dem Iran. Die Ölnotierungen zogen im Zuge der Eskalation deutlich an, was die Inflationsdebatte zusätzlich befeuert.
Diese Gemengelage aus geopolitischer Unsicherheit, einer möglicherweise restriktiveren Fed und der Frage nach der Belastbarkeit der KI-Ausgaben macht den Berichtsabend zu einem der am genauesten beobachteten Termine des Sommers. Ergebnisse und Ausblick zum Cloud- und KI-Geschäft dürften am Donnerstag maßgeblich darüber entscheiden, ob sich die Skepsis aus Asien auf die US-Technologiewerte übertragen lässt oder ob sich der Markt wieder auf die Wachstumsstory konzentriert.
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