Microsoft hat erstmals einen detaillierten Länderbericht zur Körperschaftsteuer veröffentlicht — und die Zahlen sind aufschlussreich. Im Geschäftsjahr 2025 zahlte der Konzern weltweit 28,7 Milliarden Dollar an Körperschaftsteuern und belegt damit unter den großen US-Technologieunternehmen den zweiten Platz hinter Apple.

Irland als Finanzschaltzentrale

Innerhalb der EU flossen 6,3 Milliarden Dollar an Steuereinnahmen — davon landeten 5,6 Milliarden Dollar allein in Irland. Der Grund liegt in der Konzernstruktur: In Dublin sind das interne Finanzwesen sowie die Verwaltung geistiger Eigentumsrechte angesiedelt. Die irischen Töchter erwirtschafteten bei knapp 6.700 Mitarbeitern einen Umsatz von 196 Milliarden Dollar und einen Vorsteuergewinn von 47,1 Milliarden Dollar.

Deutschland erhielt trotz seiner Bedeutung als Standort nur 174,2 Millionen Dollar. Bei einem hiesigen Umsatz von 11,68 Milliarden Dollar fiel der Vorsteuergewinn auf 661,2 Millionen Dollar — weil die deutschen Einheiten fast ausschließlich Vertrieb, Marketing und Forschung verantworten, während die profitablen Softwarerechte in Irland liegen.

Schlechter Juni, schwieriger Ausblick

Der Steuerbericht fällt in einen turbulenten Börsenmonat. Microsoft verlor im Juni rund 20 Prozent — der schwächste Monatsabschnitt seit Dezember 2000. Hinter dem Ausverkauf steckt vor allem Skepsis gegenüber der KI-Strategie: Der Konzern hatte seine Investitionsausgaben auf 190 Milliarden Dollar angehoben, gleichzeitig aber nur moderates Wachstum für den Clouddienst Azure in Aussicht gestellt. Diese Kombination trieb Anleger aus dem Wert.

Jack Ablin von Cresset Wealth Advisors brachte die Stimmungslage auf den Punkt: Microsoft werde von zwei Seiten unter Druck gesetzt — durch die Last der KI-Ausgaben und die Angst vor einer Disruption des klassischen Softwaregeschäfts.

Die Deutsche Bank hält dennoch an einem Kursziel von 550 Dollar fest. Den nächsten konkreten Prüfstein liefert Microsoft Ende Juli mit den Jahreszahlen — dann wird sich zeigen, ob das Azure-Wachstum die milliardenschweren Investitionen rechtfertigt.