Die italienische Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde AGCM hat heute eine Untersuchung gegen Spieleentwickler von Microsoft eingeleitet. Im Mittelpunkt des Verfahrens steht die Verwendung virtueller Währungen in Videospielen, wobei namentlich die Konzerntochter Activision Blizzard betroffen ist. In Zusammenarbeit mit Behörden aus Norwegen und Dänemark prüfen die Aufseher mögliche Verstöße gegen europäische Verbraucherschutzvorschriften.
Hintergrund des behördlichen Eingreifens ist die Transparenz beim Erwerb digitaler Spielinhalte. Nutzer müssen Euro-Beträge in spielinterne Kunstwährungen umtauschen, was nach Einschätzung der Prüfer den Überblick über tatsächliche Ausgaben erschwert. Diese Praxis betrifft insbesondere minderjährige Verbraucher. Bei festgestellten Rechtsbrüchen drohen nach EU-Vorschriften Strafen von bis zu 4 % des Jahresumsatzes in den jeweiligen Ländern.
Am Aktienmarkt zeigte sich das Papier von der europäischen Untersuchung weitgehend unbeeindruckt. Im heutigen Handel stieg die Microsoft-Aktie um 1,0 % auf 470,80 €. Mit diesem Zuwachs notiert der Titel 1,5 % unter seinem 52-Wochen-Hoch.
Strategischer Umbau der Xbox-Aktivitäten
Parallel zu den regulatorischen Untersuchungen stellt Microsoft seine Gaming-Sparte organisatorisch neu auf. Gestern kündigte das Unternehmen die Gründung des neuen Geschäftsbereichs „XP“ an. Diese Abteilung bündelt Medienprojekte, Merchandising und Themenpark-Aktivitäten rund um bekannte Marken des Konzerns.
Die Leitung übernimmt Kayleen Walters. Ihre bisherige Führungsaufgabe beim Entwicklerstudio Mojang soll Maria Angelidou-Smith am 19. Oktober 2026 antreten.
Der Konzern reagiert damit auf anhaltenden Druck im Konsolengeschäft. Nach Erhebungen des Marktforschers Circana gingen die US-Verkäufe von Xbox-Konsolen im August im Jahresvergleich um 31 % zurück. Im laufenden Jahr reagierte der Konzern bereits mit der Streichung von rund 3.200 Arbeitsplätzen im Gaming-Bereich.
Erfolge erzielte das Unternehmen hingegen bei Filmprojekten: Die Adaption „A Minecraft Movie“ spielte im Vorjahr innerhalb von zehn Tagen 550 Millionen US-Dollar ein; ein Nachfolger ist für den 23. Juli 2027 geplant.
Regulatorischer Druck im US-Heimatmarkt
Das Prüfverfahren in Europa reiht sich in eine Serie behördlicher Interventionen ein. Gestern setzte das US-Arbeitsministerium den Konzern vom PERM-Verfahren für Green-Card-Zertifizierungen aus. Die Washingtoner Behörden begründeten diesen Schritt mit Vorwürfen bezüglich der Visa-Vergabepraxis. Microsoft wies Fehlverhalten zurück und betonte, der überwiegende Teil der Anträge betreffe reguläre Statusänderungen bestehender Angestellter.
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