Liebe Leserinnen und Leser,
5.091 Dollar – diese Zahl hat am Montag Geschichte geschrieben. Zum ersten Mal überhaupt kletterte der Goldpreis über die Marke von 5.000 Dollar je Feinunze, und das war erst der Anfang. Während das Edelmetall weiter auf Rekordjagd geht und Silber parallel die 110-Dollar-Schwelle durchbricht, zeigt sich an den Aktienmärkten ein gespaltenes Bild: Microsoft präsentiert seinen neuen KI-Chip als Angriff auf Nvidias Vormacht, Puma-Aktien springen nach tagelanger Achterbahnfahrt wieder nach oben, und der DAX verharrt nahezu unverändert. Was auf den ersten Blick wie ein ruhiger Wochenstart aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Gemengelage aus technologischem Aufbruch, geopolitischer Nervosität und spekulativen Wetten. Drei Geschichten stechen heute heraus – und alle drei erzählen etwas über die Verfassung der Märkte.
Microsoft greift Nvidia frontal an – mit eigenem Silizium
Der Softwareriese aus Redmond hat am Montag seinen neuen KI-Chip Maia 200 vorgestellt, und die Botschaft ist unmissverständlich: Microsoft will sich aus der strategischen Abhängigkeit von Nvidia lösen. Der Chip ist speziell für die Ausführung großer KI-Modelle optimiert – nicht fürs Training, sondern für die sogenannte Inferenz, also das tatsächliche Arbeiten mit den Modellen. Damit zielt Microsoft direkt auf den Bereich, in dem Nvidia bislang als nahezu konkurrenzlos galt.
Die technischen Details klingen vielversprechend: Der Maia 200 wird bei TSMC im modernen 3-Nanometer-Verfahren gefertigt und soll besonders energieeffizient arbeiten. Microsoft verspricht ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als die Konkurrenz und hebt hervor, dass der Chip speziell auf die neuen „Reasoning Models“ zugeschnitten ist – KI-Systeme, die komplexe Rechenketten abarbeiten und vor der Antwort intensiv „nachdenken“. Bereits diese Woche geht der Chip in einem Rechenzentrum in Iowa online, ein zweiter Standort in Arizona folgt.
Doch Microsoft plant schon weiter: Der Nachfolger mit dem Codenamen „Clea“ (intern Maia 300) soll nicht mehr in Taiwan, sondern in den USA produziert werden – bei Intel. Damit sichert sich der Konzern gegen geopolitische Risiken ab und umgeht gleichzeitig die chronische Überlastung bei TSMC, wo Apple und Nvidia die Kapazitäten dominieren. Dass Microsoft auf Intel setzt, ist auch ein Signal an die US-Regierung: Der Chip wird „Made in the USA“ sein.
Die Konkurrenz schläft nicht. Google, Amazon und Meta verfolgen ebenfalls ehrgeizige Chip-Projekte, um sich von Nvidia zu emanzipieren. Was das für Nvidia bedeutet? Die Aktie zeigte sich am Montag unbeeindruckt und legte leicht zu. Doch langfristig dürfte der Druck steigen: Wenn die großen Cloud-Anbieter ihre eigenen Chips entwickeln, schrumpft Nvidias Markt für Standard-GPUs. Der Kampf um die KI-Infrastruktur ist in vollem Gange – und Microsoft hat gerade ein deutliches Zeichen gesetzt.
Gold durchbricht 5.000 Dollar – und niemand feiert
Während Microsoft seine technologische Offensive startet, schießen die Edelmetallpreise in Sphären, die noch vor Kurzem undenkbar schienen. Gold kletterte am Montag zeitweise über 5.110 Dollar, Silber übersprang die 110-Dollar-Marke, und selbst Platin erreichte mit knapp 2.900 Dollar ein Rekordhoch. Die Société Générale hat ihr Kursziel für Gold bereits von 5.000 auf 6.000 Dollar angehoben – und bezeichnet das als „konservative Schätzung“.
Doch an den Aktienmärkten wird der Höhenflug nicht gefeiert, sondern als Warnsignal gewertet. Denn hinter dem Goldpreisanstieg steckt keine Euphorie, sondern Angst: Angst vor geopolitischen Eskalationen, Angst vor Trumps unberechenbarer Zollpolitik, Angst vor einem schwächelnden Dollar. Am Wochenende drohte der US-Präsident Kanada mit 100-Prozent-Zöllen, sollte Ottawa ein Handelsabkommen mit China verfolgen. Gleichzeitig droht den USA ein erneuter Regierungsstillstand, weil die Demokraten die Finanzierung der Einwanderungsbehörde ICE blockieren – nach dem Tod eines weiteren US-Bürgers durch ICE-Beamte in Minneapolis.
Die Flucht ins Gold wird zusätzlich von einem bemerkenswerten Rollenwechsel getrieben: Während in den vergangenen Jahren vor allem Zentralbanken den Preis stützten, sind es nun private und institutionelle Investoren über ETFs, die massiv zugreifen. Das deutet auf eine breite Verunsicherung hin, die weit über professionelle Marktteilnehmer hinausgeht. Der Dollar-Index fiel am Montag auf ein Vier-Monats-Tief – ein weiteres Indiz dafür, dass das Vertrauen in die US-Währung bröckelt.
Für deutsche Anleger ist die Botschaft klar: Gold fungiert wieder als das, wofür es jahrhundertelang stand – als Krisenwährung. Doch die Kehrseite ist ebenso deutlich: Wenn Gold so stark steigt, glaubt niemand mehr an eine baldige Entspannung. Die Märkte preisen Unsicherheit ein, und das ist selten ein gutes Zeichen für Aktienkurse.
Puma-Aktie: Übernahmefantasie hält sich hartnäckig
Während Microsoft strategisch plant und Gold nervöse Anleger anzieht, zeigt sich bei Puma, wie schnell Spekulationen Kurse bewegen können. Die Aktie des Sportartikelherstellers sprang am Montag zeitweise um über 14 Prozent nach oben – und machte damit den Einbruch vom Freitag größtenteils wett. Damals war berichtet worden, dass die Gespräche zwischen der französischen Milliardärsfamilie Pinault (die knapp 30 Prozent der Puma-Anteile hält) und dem chinesischen Konzern Anta Sports beendet seien.
Doch die Spekulationen lassen nicht nach. Schon seit Ende vergangenen Jahres gilt Anta, dem bereits Fila und Jack Wolfskin gehören, als Interessent an Puma. Mitte Januar war die Aktie nach einem entsprechenden Bericht auf das höchste Niveau seit Mai 2025 geklettert. Nach dem Rückschlag am Freitag auf 18,28 Euro kostet das Papier nun wieder über 21 Euro – ein Auf und Ab, das zeigt, wie stark die Übernahmefantasie den Kurs treibt.
Für Anleger ist die Situation heikel: Ohne offizielle Bestätigung bleibt unklar, ob und zu welchem Preis eine Übernahme tatsächlich stattfindet. Wer jetzt einsteigt, wettet auf einen Deal – und riskiert einen erneuten Absturz, sollte sich die Gerüchte als haltlos erweisen. Die heutige Erholung zeigt aber auch: Der Markt glaubt noch an die Story. Ob zu Recht, wird sich zeigen.
Deutsche Wirtschaft: Ifo-Index enttäuscht, SPD plant Digitalsteuer
Abseits der Einzelwerte bleibt die Stimmung in der deutschen Wirtschaft gedrückt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stagnierte im Januar bei 87,6 Punkten – Volkswirte hatten mit einem Anstieg auf 88,2 Punkte gerechnet. „Die deutsche Wirtschaft startet ohne Schwung ins neue Jahr“, kommentierte Ifo-Chef Clemens Fuest. Alexander Krüger, Chefvolkswirt von Hauck Aufhäuser Lampe, findet die Stagnation „gemessen an den immensen Schuldenplänen der Politik“ enttäuschend. Für eine echte Aufbruchsstimmung müsse sich das Geschäftsklima endlich deutlich aufhellen.
Parallel dazu plant die SPD-Spitze eine Digitalsteuer auf große Onlineplattformen wie Google und Meta. Die Einnahmen sollen zur Förderung des Medienstandorts Deutschland eingesetzt werden, insbesondere für lokale und regionale Medienangebote. Doch der Vorstoß stößt auf Widerstand: US-Präsident Trump hatte zuletzt jenen Staaten mit neuen Zöllen gedroht, die eine Digitalsteuer einführen oder gegen US-Konzerne regulieren. Die SPD setzt dennoch auf eine gesetzliche Lösung – während Kulturstaatsminister Wolfram Weimer auf Freiwilligkeit setzt. Der Konflikt soll am Mittwoch im Koalitionsausschuss besprochen werden.
Was diese Woche noch kommt
Die kommenden Tage dürften turbulent werden. Am Mittwoch entscheidet die US-Notenbank Fed über die Zinsen – eine Änderung wird nicht erwartet, doch die Märkte warten gespannt auf Signale zur künftigen Geldpolitik. Noch spannender könnte die Frage werden, wer Jerome Powell als Fed-Chef nachfolgt. Spekulationen deuten auf Rick Rieder von Blackrock hin, doch Trump hält sich bedeckt.
Zudem stehen Quartalszahlen von Microsoft, Meta, Tesla und Apple an – vier der „Magnificent 7″, die zeigen müssen, ob sich die massiven KI-Investitionen endlich auszahlen. Und in Deutschland legt am Donnerstag die Deutsche Bank ihre Bilanz vor. Die Erwartungen sind hoch, die Aktie steht nahe einem Mehrjahreshoch. Ob die Bank liefern kann, wird die Stimmung im europäischen Bankensektor maßgeblich beeinflussen.
Bis dahin bleibt die Gemengelage komplex: Technologische Aufbrüche treffen auf geopolitische Unsicherheit, Übernahmefantasien auf makroökonomische Ernüchterung. Die Märkte suchen nach Orientierung – und finden sie vorerst im Gold.
Beste Grüße und einen erfolgreichen Start in die Woche,
Andreas Sommer


