Die Übernahmeschlacht im italienischen Bankensektor erreicht eine neue Eskalationsstufe. Die Banca Monte dei Paschi di Siena bekräftigte heute, dass ihre Tauschangebote für die heimischen Rivalen Banco BPM und Banca Generali selbst dann Bestand haben, wenn Intesa Sanpaolo die Kontrolle über das Institut übernimmt.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldete, stuft das Traditionshaus seine Offerten als unwiderruflich ein. Sie seien formell nicht an ein Scheitern des konkurrierenden Übernahme- und Tauschangebots von Intesa Sanpaolo geknüpft.
An der Börse geriet das Papier des Instituts zu Wochenbeginn unter Druck. Im Handel notiert die Aktie bei 11,67 Euro, was einem Tagesverlust von 2,6 Prozent entspricht.
Consob fordert Transparenz bei den Umtauschverhältnissen
Auf Verlangen der italienischen Börsenaufsicht Consob legte das Management um Vorstandschef Luigi Lovaglio heute detaillierte Berechnungen zu den Konditionen vor. Zuvor hatte MPS die offiziellen Unterlagen für die Übernahmeangebote bei der Aufsichtsbehörde hinterlegt. Ziel ist es, den Verzerrungseffekt herauszurechnen, der durch das konkurrierende Gebot von Intesa entstanden ist.
Bezöge man sich auf den Stichtag vor Bekanntwerden des Intesa-Vorgehens, entsprächen die Konditionen einem rechnerischen Abschlag von 8,1 Prozent auf Banco BPM sowie von 3,2 Prozent auf Banca Generali. Legt man hingegen die Notierungen vom vergangenen Freitag zugrunde, weist das Angebot von MPS nach Agenturberichten einen impliziten Aufschlag von 3,4 Prozent für die BPM-Papiere und von 12,8 Prozent für Banca Generali auf.
Lovaglio wirbt bei den Anlegern intensiv mit Synergiepotenzialen. Eine Integration der Banco BPM soll jährlich rund 1,4 Milliarden Euro einbringen, wovon eine Milliarde Euro auf Kostensenkungen und 400 Millionen Euro auf Erlösverbesserungen entfallen.
Die einmaligen Integrationskosten werden auf 1,5 Milliarden Euro taxiert. Aus dem Zusammengehen mit Banca Generali erwartet das Institut ab 2029 jährliche Synergien von etwa 400 Millionen Euro bei gleich hohen Einmalkosten.
Gegenseite signalisiert Gesprächsbereitschaft
Auf Seiten von Banco BPM bewegt sich derweil die Front. Der Verwaltungsrat des Mailänder Instituts stimmte heute einmütig dafür, Gespräche über eine einvernehmliche Zusammenführung im Sinne einer Fusion unter Gleichen mit MPS aufzunehmen. Für die Gremien von Banco BPM spielt dabei insbesondere die Positionierung rund um Generali eine gewichtige Rolle.
Strategisch will MPS-Chef Lovaglio einen neuen starken Bankenpol formen, der rund elf Millionen Kunden umfasst und mehr als 800 Milliarden Euro an Finanzaktiva bündelt.
Der Plan sieht zudem eine Sonderausschüttung von rund vier Milliarden Euro in Barmitteln und Generali-Aktien an die Anteilseigner vor. Das Kreditportfolio von Monte dei Paschi wuchs im vergangenen Jahr um 4,6 Prozent, während der Gesamtsektor mit einem Zuwachs von 0,5 Prozent nahezu stagnierte.
Hängepartie bis zur Abstimmung im Oktober
Für das Management von Monte dei Paschi steht die entscheidende Kraftprobe nun am 29. Oktober an. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung müssen die Aktionäre dem doppelten Tauschangebot formell zustimmen. Erst danach könnten die Offerten voraussichtlich in der ersten Dezemberhälfte anlaufen und bis Anfang 2027 abgeschlossen werden.
Voraussetzung dafür bleibt neben dem Aktionärsvotum das grüne Licht der Wettbewerbsbehörden, der Consob sowie der Europäischen Zentralbank. Trotz des aktuellen Rücksetzers notiert die Aktie mit einem Abstand von minus 3,4 Prozent weiterhin in Reichweite ihres 52-Wochen-Hochs von 12,08 Euro.
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