Moody’s belässt Frankreichs Kreditrating bei Aa3

Die Ratingagentur verzichtet auf eine Abwertung, während Haushaltsstreit und schwächere Konjunktur Frankreichs Finanzlage belasten.

KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert
Kurz & knapp:
  • Bonitätsnote Aa3 vorerst unverändert
  • Negativer Ausblick bleibt bestehen
  • Rendite zehnjähriger Anleihen erreichte 5,14 Prozent
  • Budgetgespräche entscheiden über weitere Marktentwicklung

Moody’s verzichtet vorerst auf eine Herabstufung Frankreichs und belässt die Bonitätsnote bei Aa3 mit negativem Ausblick. Die Entscheidung verschafft der Regierung in Paris eine dringend benötigte Atempause. An den tief sitzenden Haushaltsproblemen und den Spannungen am Anleihemarkt ändert dieser Schritt allerdings wenig.

Die Märkte hatten sich zuvor bereits auf eine Herabstufung eingestellt. Standard & Poor’s sowie Fitch führen Frankreich bereits eine Stufe tiefer, nachdem Neuwahlen ein zersplittertes Parlament ohne klare Mehrheiten hinterließen.

Hohe Risikoprämien belasten Paris

Die Nervosität der Anleger zeigte sich in den Tagen vor der Entscheidung deutlich. Am Donnerstag kletterte die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen auf 5,14 Prozent, den höchsten Stand seit Juli 2002. Am Freitagvormittag lag sie bei 5,07 Prozent. Der Renditeabstand zu deutschen Bundesanleihen stieg zeitweise auf 1,74 Prozentpunkte.

Damit verlangt der Markt für französische Papiere eine spürbar höhere Risikoprämie. Die Refinanzierungskosten des Landes liegen inzwischen über denen von Staaten wie Italien. Marktbeobachter sehen darin ein Warnsignal für den gesamten Euroraum.

Streit um den Sparkurs und schwache Konjunktur

Moody’s knüpft die Beibehaltung der Bonitätsnote an klare Erwartungen. Die Ratingagentur geht davon aus, dass Paris einen Haushalt verabschiedet, der das Defizit spürbar senkt. Der Entwurf für 2027 sieht vor, das Defizit von 5,4 Prozent in diesem Jahr auf 5,0 Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken. Zugleich soll die Staatsschuldenquote auf 121,7 Prozent steigen.

Das Vorhaben stößt auf erheblichen Widerstand. Oppositionsparteien im Parlament verweigern Zugeständnisse und haben bereits zentrale Sparmaßnahmen gestrichen. Parallel dazu entladen sich soziale Spannungen auf den Straßen, während die Regierung weitere Ausgabensteigerungen ablehnt.

Erschwerend kommt eine abkühlende Wirtschaft hinzu. Der vorläufige Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft sank im Oktober überraschend auf 48,4 Punkte, nach 51,1 Punkten im Vormonat. Die Kennzahl signalisiert einen Rückgang der Geschäftstätigkeit und schwächt damit die Basis für künftige Steuereinnahmen.

Ob sich die Lage am Anleihemarkt nachhaltig beruhigt, hängt nun an den parlamentarischen Verhandlungen über das Budget 2027. Gelingt der Regierung keine Einigung, droht ein Misstrauensvotum die politische Lähmung weiter zu verschärfen.

Über Felix Baarz 8390 Artikel
Felix Baarz arbeitet seit 2016 als Wirtschaftsjournalist und gehört zur Redaktion der YES Investmedia GmbH.Unter seinem Namen erscheinen auf Trading-Treff seit März 2025 Beiträge zu Aktien, Trading und Indizes sowie zu wirtschaftlichen Rahmenthemen. Schwerpunkte sind Rohstoffwerte sowie KI- und Technologiewerte.Quellen dieses Ressorts: Unternehmensmitteilungen und Pflichtveröffentlichungen, Geschäftsberichte und Quartalszahlen, Kurs- und Handelsdaten der Börsenplätze sowie Meldungen der Nachrichtenagenturen. Bei Index- und Trading-Themen zusätzlich die Zusammensetzung und Anpassungen der Indexanbieter sowie Terminmarktdaten; bei Technologie- und KI-Werten Produktankündigungen und Geschäftszahlen der Unternehmen.Einordnung: Analystenurteile und Kursziele erscheinen als Aussage der jeweiligen Häuser, nicht als Bewertung der Redaktion. Kurs- und Unternehmensangaben geben den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder.