Fast zwei Billionen Dollar Marktkapitalisierung sind in dieser Woche bei sechs Megacaps in Bewegung geraten. Der Grund: eine Berichtssaison, die Gewinner und Verlierer schonungslos trennt. Für den MSCI World ETF, dessen Portfolio stark auf US-Technologiewerte setzt, bedeutet das mehr innere Unruhe als der Gesamtkurs zeigt.
Der Fonds schloss am Freitag bei 202,42 Dollar, ein Minus von 0,28 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 0,75 Prozent zu Buche. Unter der ruhigen Oberfläche tobte allerdings ein Machtkampf zwischen den größten Indexpositionen.
Apple bricht ein, Amazon und Microsoft feiern
Am deutlichsten zeigte sich die Kluft bei Apple. Umsatz, Gewinn und iPhone-Verkäufe lagen über den Erwartungen. Trotzdem schickte der Konzern die Anleger mit einer schwachen Prognose nach Hause.
Apple rechnet im laufenden Quartal nur mit 9 bis 11 Prozent Umsatzwachstum. Analysten hatten laut LSEG mit 12 Prozent kalkuliert. Als Grund nannte das Unternehmen Lieferengpässe. Die Aktie brach am Freitag um über 7 Prozent ein.
Microsoft lieferte das Gegenprogramm. Der Quartalsumsatz kletterte auf 90,01 Milliarden Dollar und übertraf die Schätzung von 87,62 Milliarden Dollar deutlich. Azure wuchs währungsbereinigt um 43 Prozent, mehr als die von StreetAccount erwarteten 40,2 Prozent. Erstmals im Geschäftsjahr 2026 knackte der Cloud-Dienst damit die Marke von 100 Milliarden Dollar Umsatz. Die Aktie legte um 15 Prozent zu.
Amazon zog nach demselben Muster nach oben. Der Umsatz stieg um 20 Prozent auf 200,6 Milliarden Dollar, die Wall Street hatte nur 196,8 Milliarden Dollar erwartet. Im nachbörslichen Handel sprang die Aktie um fast 9 Prozent.
Meta dagegen enttäuschte auf breiter Front. Der Umsatz wuchs zwar um 28 Prozent auf 60,8 Milliarden Dollar, doch der Gewinn je Aktie verfehlte mit 6,18 Dollar die Schätzung von 7,17 Dollar um 13,8 Prozent. Rechtskosten von 2,4 Milliarden Dollar, Abfindungen von 1,18 Milliarden Dollar im Zuge von 8.000 Stellenstreichungen sowie höhere Abschreibungen belasteten das Ergebnis.
KI-Investitionen unter neuer Beobachtung
Die gegensätzlichen Kursreaktionen zeigen einen Stimmungswandel gegenüber den milliardenschweren KI-Investitionen der Tech-Konzerne. Die großen Player haben ihre Investitionspläne bestätigt oder sogar erhöht — die Ausgabenwelle für Rechenkapazität und Chips ebbt also nicht ab.
Die Wall Street stellt inzwischen eine andere Frage. Nicht mehr, ob Kunden KI annehmen oder echte Nachfrage nach Chips besteht. Sondern ob die Rentabilität am Ende ausreicht, um die gewaltigen Investitionssummen zu rechtfertigen. Genau an dieser Frage entscheidet sich derzeit, welche Aktie belohnt und welche abgestraft wird.
Was der Index-Blick verrät
Der MSCI World ETF notiert rund 4,55 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 212,08 Dollar aus dem Juni. Zugleich liegt er gut 20 Prozent über seinem Jahrestief von 168,23 Dollar vom vergangenen August. Die Schwankungen bei den vier Schwergewichten dürften den Index in den kommenden Wochen weiter prägen, denn die Berichtssaison ist noch nicht vorbei.
Die Aufmerksamkeit der Anleger richtet sich nun auf Nvidia. Der Chipkonzern legt seine Zahlen Ende August vor und zählt zu den größten Einzelpositionen im MSCI World. Wie das Unternehmen die Rentabilitätsfrage beantwortet, dürfte maßgeblich mitentscheiden, in welche Richtung sich der Index als Nächstes bewegt.
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