Liebe Leserinnen und Leser,
am Freitag schloss ich mit der Empfehlung, die 25.000er-Marke beim DAX mit Geduld anzusteuern, nicht mit Eile. Das Wochenende hat diese Einschätzung bestätigt — allerdings nicht wegen der Charttechnik, sondern wegen der Geopolitik. Trump schrieb am Pfingstsonntag auf Truth Social, er habe seine Vertreter angewiesen, bei den Iran-Verhandlungen „nichts zu überstürzen“. Die Blockade der Straße von Hormuz bleibe „in vollem Umfang in Kraft“. Während der Leitindex also bei 24.796 Punkten ins Wochenende ging — 3,9 Prozent Wochenplus, aber knapp unter der magischen Marke —, liefern einzelne Industriewerte Signale, die konkreter sind als jede Index-Spekulation.
MTU Aero Engines: MACD-Long und 3,1 Prozent an einem Tag
MTU Aero Engines stach am Freitag aus dem deutschen Industriesektor heraus. Die Aktie legte im XETRA-Handel 3,1 Prozent auf 296,00 Euro zu (Stand 16:32 Uhr). Was den Trade interessant macht: Am 20. Mai um 20:00 Uhr hatte der MACD ein Long-Signal ausgelöst. Preisdynamik und Momentum-Indikator laufen seitdem in dieselbe Richtung — für technisch orientierte Trader eine der saubersten Konstellationen der vergangenen Wochen. Fundamental stützt der europäische Rüstungs- und Luftfahrtboom, der durch steigende Verteidigungsausgaben 2026 weiteren Rückenwind bekommt. Wer auf Ausbrüche aus technischen Mustern setzt, findet hier einen konkreten Einstiegsanker mit messbarem Setup.
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Rheinmetall: Shooting Star bei 1.221 Euro — und eine Kartellwarnung
Ganz anders das Bild beim Branchenprimus. Rheinmetall notierte zuletzt bei 1.221,00 Euro (+0,71 Prozent), doch am 22. Mai bildete die Aktie ein Candlestick-Shooting-Star-Muster aus — in der klassischen Chartanalyse ein Warnsignal für kurzfristige Schwäche. Dazu kommt eine fundamentale Dimension: Kartellexperten warnen laut Capital vor der wachsenden Marktmacht des Düsseldorfer Konzerns. Die Bundeswehr habe teils keine echten Alternativen mehr, ein Experte vergleicht die Position mit der eines „Google der Rüstungsbranche“. Das unterstreicht die strukturelle Stärke — öffnet aber gleichzeitig die Tür für regulatorische Eingriffe. Kurzfristig spricht die Kombination aus technischem Warnsignal und aufkommender Kartell-Debatte für Konsolidierungsdruck, auch wenn der übergeordnete Rüstungstrend intakt bleibt.
Iran-Deal stockt, Brent bleibt über 109 Dollar
Die festgefahrenen Iran-Verhandlungen sind das dominierende Makro-Thema dieses Wochenendes. Iranische Medien, darunter die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim, berichten von ein bis zwei offenen Streitpunkten. Netanjahu versicherte parallel, Israel werde „frei handeln“ können. Für Trader bedeutet das: Die Ölpreis-Risikoprämie bleibt eingepreist, Brent notierte zuletzt im Bereich 109 bis 110 Dollar. Goldman Sachs sieht robuste Unternehmensgewinne als Marktstütze — das nominale globale BIP-Wachstum 2026 wird auf 5,9 Prozent geschätzt —, warnt aber gleichzeitig vor überzogenem Optimismus. Der hauseigene Risk Appetite Indicator liegt im 99. Perzentil seit 1991. Anders formuliert: So risikofreudig wie jetzt war der Markt in 35 Jahren fast nie.
US-Makrodaten: Widersprüche vor dem entscheidenden Mittwoch
Die vergangene Woche lieferte aus den USA ein gespaltenes Bild. Auf der positiven Seite: Der S&P Global Flash Manufacturing PMI stieg im Mai auf 55,3 — höchster Stand seit Mai 2022 — und die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sanken auf 209.000. Auf der negativen: Der Philly Fed Manufacturing Index brach von 26,7 im April auf -0,4 im Mai ein, ein klares Kontraktionssignal. Der S&P 500 schloss am Donnerstag bei 7.446 Punkten (+0,2 Prozent), der VIX fiel auf 16,76.
Entscheidend wird der April-PCE-Inflationsbericht am Mittwoch, 28. Mai. Die 30-jährige Treasury-Rendite erreichte zuletzt 5,19 Prozent — der höchste Stand seit fast 19 Jahren. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh, seit dem 22. Mai im Amt, betont die Unabhängigkeit der Notenbank. Der Markt preist laut CME FedWatch eine Zinspause im Juni mit 100 Prozent Wahrscheinlichkeit ein, aber 43 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im Dezember. Für deutsche Anleger mit US-Exposure ist Mittwoch der wichtigste Termin der Woche.
Verbund: Wenn der trockenste Frühling seit 170 Jahren die Bilanz ruiniert
Ein lehrreicher Sonderfall zum Schluss. Verbund, Österreichs größter Stromkonzern und einer der grünsten Europas, kann trotz steigender Energiepreise 2026 nicht profitieren. Der Grund: Der trockenste Frühling seit 170 Jahren hat die Wasserführung in den Alpenflüssen im zweiten Quartal auf 43 Prozent unter den Durchschnitt gedrückt. Die Produktion sank seit April um 1,7 TWh. Hinzu kommt die österreichische Übergewinnsteuer, die 95 Prozent der Gewinne über 90 Euro pro MWh abschöpft — bis März 2030. Berenberg senkte das Kursziel von 65 auf 60 Euro und kürzte die Gewinnprognosen 2026 bis 2028 um bis zu 12 Prozent. UBS empfiehlt den Verkauf mit Kursziel 55 Euro. Die Aktie notierte am 22. Mai bei 60,05 Euro. Selbst strukturell gut aufgestellte Unternehmen können durch Klimarisiken und Regulierung unter Druck geraten — ein Risiko, das in keinem MACD-Signal auftaucht.
Was jetzt zählt
Am Pfingstmontag sind die deutschen Börsen geöffnet, während die US-Märkte wegen Memorial Day geschlossen bleiben — dünne Volumina, die Kursausschläge verstärken können. Charttechnisch bleibt der DAX-Widerstand bei 25.000 Punkten die entscheidende Marke; ein nachhaltiger Ausbruch würde das nächste Ziel bei 25.413 Punkten aktivieren. Der eigentliche Impulsgeber der Woche kommt aber am Mittwoch mit dem PCE-Bericht. Bis dahin gilt: Die klarsten Setups liegen bei den Einzeltiteln, nicht beim Index. MTU liefert das technische Signal, Rheinmetall das Warnsignal, und der Iran-Deal liefert vorerst gar nichts. Positionieren Sie sich entsprechend.
Während der Markt-Risk-Appetite-Indikator von Goldman Sachs im 99. Perzentil notiert, stellt sich für Anleger die entscheidende Frage: Welche Einzeltitel tragen das Wachstum der nächsten industriellen Revolution — und welche werden abgehängt? Ein kostenloser Report von finanztrends.de zeigt, welche Unternehmen aus Robotik und KI ganz vorne stehen und wohin Milliarden jetzt fließen. Gratis-Report „Die nächste industrielle Revolution“ jetzt sichern
Herzlichst, Ihr Andreas Sommer


