Liebe Leserinnen und Leser,
die Inflationsdaten, die ich gestern als entscheidenden Test angekündigt hatte, sind da. Und sie fielen härter aus als befürchtet: 3,8 Prozent US-Verbraucherpreisinflation statt der erwarteten 3,7 Prozent. Der DAX quittierte das am Dienstag mit einem Minus von 1,62 Prozent auf 23.954,93 Punkte — die 24.000er-Marke ist gefallen. Die Gelassenheit vom Montag, als der Index bei dreistelligem Ölpreis kaum zuckte, ist verflogen. Brent kletterte weiter auf 107,93 Dollar. Für Trader wird es jetzt konkret: Mehrere DAX-Schwergewichte handeln an charttechnischen Niveaus, die über Rebound oder Fortsetzung der Korrektur entscheiden.
Rheinmetall bei 1.120 Euro — hält die Unterstützung?
Die Korrektur bei Rheinmetall, die wir seit Tagen begleiten, hat am Dienstag eine neue Dimension erreicht. Das Papier gab weitere 2,35 Prozent auf 1.155,20 Euro ab, nachdem im Tagesverlauf sogar 1.123,00 Euro markiert wurden. Auf Wochensicht sind das minus 17,54 Prozent, seit Jahresbeginn minus 27,64 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 2.008,00 Euro aus dem Oktober 2025 trennt den Kurs inzwischen ein Abgrund von über 40 Prozent.
Die Fundamentaldaten erzählen eine andere Geschichte. Im ersten Quartal 2026 stieg der Gewinn je Aktie auf 2,18 Euro nach 1,78 Euro im Vorjahr, der Umsatz legte um rund 8 Prozent auf 1,94 Milliarden Euro zu. Operativ läuft die Expansion: Die Produktion von Kamikaze-Drohnen des Modells FV-014 startet am Standort Neuss, die Bundeswehr hat Bestellungen über 300 Millionen Euro platziert, Auslieferung ab 2027. Auffällig dabei: Während Rheinmetall ausverkauft wird, legten US-Konkurrenten am Dienstag zu — General Dynamics plus 0,41 Prozent, Lockheed Martin plus 1,22 Prozent. Die transatlantische Bewertungsdivergenz im Rüstungssektor wird immer deutlicher. Charttechnisch steht jetzt die Zone um 1.120 Euro im Fokus. Wer auf einen technischen Rebound spekuliert, findet hier ein konkretes Niveau — mit entsprechendem Risiko nach unten.
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Munich Re: Minus 5,5 Prozent, und ein Vorstand greift zu
Das auffälligste Signal des Tages kam nicht aus dem Kurs, sondern aus einer Pflichtmitteilung. Die Munich Re verlor am Dienstag über 5,5 Prozent und schloss bei 471,50 Euro — das Schlusslicht im DAX. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf 16,31 Prozent. Der Markt strafte den Rückversicherer für sinkende Preise bei der Erneuerungsrunde im April ab: Das Preisniveau im Schaden- und Unfallbereich fiel um 3,1 Prozent, das Geschäftsvolumen wurde um 18,5 Prozent reduziert. Zusätzlich belasten Rückstellungen von 90 Millionen Euro für potenzielle Schäden aus dem Iran-Konflikt.
Und dennoch: Der Überschuss im ersten Quartal stieg um 57 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Vorstandsmitglied Dr. Markus Rieß kaufte am Dienstag über XETRA Aktien für rund 238.251 Euro zu einem Durchschnittskurs von 476,50 Euro. Insiderkäufe sind kein Garant für steigende Kurse, aber sie sind ein Signal: Wer das eigene Unternehmen am besten kennt, hält den aktuellen Preis für zu niedrig. Der Analystenkonsens sieht das mittlere Kursziel bei 582,38 Euro — rund 23 Prozent über dem Schlusskurs. Als technische Unterstützung gilt die Marke von 492 Euro, die am Dienstag bereits unterschritten wurde.
Bayer zieht Volumen an — 1,42 Millionen Aktien umgesetzt
Inmitten des Ausverkaufs gab es einen klaren Gewinner: Bayer legte 3,10 Prozent auf 38,23 Euro zu und war damit der stärkste DAX-Wert des Tages. Noch bemerkenswerter als die Kursreaktion ist das Volumen: Über 1,42 Millionen Aktien wechselten den Besitzer — mit Abstand der höchste Umsatz im Leitindex. In einem Markt, der nach Orientierung sucht, fließt das Geld offenbar dorthin, wo es Nachholpotenzial vermutet. Die Sektorrotation, die am Montag Chemie und Versorger begünstigte, setzt sich in veränderter Form fort.
Bitcoin: Short-Squeeze auf 83.000, dann Ernüchterung
Der Bitcoin lieferte in den vergangenen Tagen ein Lehrstück darüber, wie Derivatemärkte Preise verzerren können. Die Kryptowährung schoss zeitweise auf 83.000 Dollar — getrieben durch einen Short-Squeeze, bei dem laut AInvest Leerverkaufspositionen im Wert von 762 Millionen Dollar liquidiert wurden. Das klingt nach Stärke. Ist es aber nicht.
Denn die organische Nachfrage am Spot-Markt fiel auf ein Zwei-Jahres-Tief. Am Dienstag pendelte der Kurs bereits wieder zwischen 80.800 und 81.000 Dollar. Der 200-Tage-EMA bei 82.130 Dollar erwies sich als harter Widerstand. Solange das Spot-Volumen nicht anzieht, bleiben solche Ausbrüche technische Strohfeuer. Die Kombination aus 3,8 Prozent US-Inflation und 107-Dollar-Öl macht es für Risiko-Assets nicht leichter — und Bitcoin verhält sich derzeit wie ein Risiko-Asset, nicht wie ein sicherer Hafen.
Was jetzt zählt
Der DAX hat seine psychologische Stütze bei 24.000 Punkten verloren, und die Makro-Lage gibt wenig Anlass für schnelle Erholung. Aber genau in solchen Phasen entstehen die Setups, die aktive Anleger suchen. Rheinmetall testet die 1.120-Euro-Zone bei intakten Fundamentaldaten. Bei Munich Re kauft ein Vorstand mit eigenem Geld. Bayer zieht Volumen an, das auf institutionelle Umschichtung hindeutet. Und Bitcoin zeigt, warum man zwischen Derivate-Spikes und echter Nachfrage unterscheiden muss. Wer jetzt handelt, braucht klare Niveaus und enge Stops — nicht Hoffnung.
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Herzlichst, Ihr Andreas Sommer


