Die Beteiligungsgesellschaft Mutares forciert im laufenden Geschäftsjahr die Neuausrichtung ihres Portfolios durch großvolumige Zukäufe und gezielte Veräußerungen. Während das Unternehmen vor gut drei Wochen den Abschluss der bisher größten Akquisition der Konzerngeschichte vermeldete, rückt nun die Realisierung angekündigter Exits in den Fokus der Anleger.

Das Management bereitet sich derzeit auf den London Investor Day am 19. November vor, um dort die langfristige Strategie bis zum Jahr 2030 zu konkretisieren.

Expansion im Bereich Chemicals und Automotive

Ein zentraler Meilenstein der jüngsten Unternehmensentwicklung war der vor gut drei Wochen vollzogene Erwerb des Geschäfts mit technischen Thermoplasten von SABIC. Die Transaktion mit einem Volumen von 450 Millionen USD führte zur Gründung des neuen Segments „Chemicals & Materials“.

Unter dem Namen NexPoint Materials integriert Mutares damit einen Akteur mit acht Produktionsstandorten in Amerika und Europa sowie rund 2.800 Mitarbeitenden in den Konzernverband.

Parallel dazu verstärkte das Unternehmen das Segment Automotive & Mobility. Ebenfalls vor gut drei Wochen wurde die Übernahme des Car Top Systems (CTS)-Geschäfts von Magna abgeschlossen. Der Spezialist für Dachsysteme erzielt einen Jahresumsatz von rund 75 Millionen € und soll Synergien innerhalb der HILO Group heben.

Ende Juli unterzeichnete Mutares zudem eine Vereinbarung zur Übernahme des Carsharing-Anbieters Free2move von Stellantis. Das Geschäft, das in 14 Städten in Europa und den USA operiert und zuletzt einen Umsatz von circa 55 Millionen € auswies, soll bis Ende 2026 vollständig übernommen werden.

Operative Entwicklung und Exit-Pipeline

Die finanzielle Performance im ersten Halbjahr 2026 spiegelt die hohe Dynamik wider. Der Konzernumsatz stieg um 9 % auf 3,4 Milliarden €, während das bereinigte EBITDA mit 67 Millionen € wieder deutlich in den positiven Bereich drehte, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Minus von 89 Millionen € zu Buche gestanden hatte.

Auf Segmentebene zeigten sich jedoch deutliche Unterschiede: Während die Bereiche Energy & Technology mit einem bereinigten EBITDA von 56 Millionen € und Automotive & Mobility mit 38 Millionen € stabil arbeiteten, belastete das Segment Goods & Services das Ergebnis mit minus 45 Millionen €. Hier drückten insbesondere Beteiligungen wie Lapeyre, Prénatal und Stuart auf die Profitabilität.

An der Börse spiegelt sich die komplexe Gemengelage aus Wachstum und Restrukturierungsaufwand in einer verhaltenen Kursentwicklung wider. Seit Jahresbeginn verzeichnet die Aktie einen Rückgang von 12 %. Mit einem aktuellen Kurs von 26,55 € notiert das Papier derzeit etwa 24 % unter seinem 52-Wochen-Hoch. Die Marktkapitalisierung des im SDAX gelisteten Unternehmens liegt bei 583,84 Millionen €.

Ausblick auf geplante Desinvestitionen

Für das weitere Geschäftsjahr setzt das Management auf eine Beschleunigung der Exit-Aktivitäten. Im Fokus steht dabei der im Juni vereinbarte Verkauf der NEM Energy Group an Hyundai Heavy Industries Power Systems. Der Vollzug dieser Transaktion wird für das dritte Quartal 2026 erwartet.

Bereits in der ersten Jahreshälfte konnte Mutares mehrere kleinere Beteiligungen veräußern, darunter Kalzip, die inTime Group und Peugeot Motocycles, was Bruttoerlöse von insgesamt rund 50 Millionen € über die gesamte Haltedauer generierte.

Für das Gesamtjahr 2026 bestätigt die Holding ihre Prognose eines Konzernumsatzes zwischen 7,9 und 9,1 Milliarden €. Das Holding-Nettoergebnis wird in einer Spanne von 165 bis 200 Millionen € erwartet.

Mittelfristig hält das Unternehmen an seinem Wachstumsziel von jährlich 25 % für den Konzernumsatz bis zum Jahr 2030 fest. Die Einhaltung der Anleihe-Covenants zum 30. Juni unterstreicht dabei die finanzielle Stabilität während der laufenden Expansionsphase.