Nahost-Krieg erschüttert Weltwirtschaft

Der Konflikt treibt Energiepreise, stört Lieferketten und belastet Unternehmensgewinne weltweit. Die Weltbank mobilisiert 100 Milliarden Dollar, während die Unabhängigkeit der US-Notenbank unter Druck gerät.

Nahost-Krieg erschüttert Weltwirtschaft
Kurz & knapp:
  • Ölpreise steigen durch Blockade der Straße von Hormuz
  • Japanische und australische Unternehmen melden massive Belastungen
  • Weltbank kündigt Hilfspaket von 100 Milliarden Dollar an
  • Politische Einflussnahme auf US-Notenbank Fed sorgt für Unruhe

Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran hinterlässt tiefe Spuren in der globalen Wirtschaft. Gestiegene Ölpreise, blockierte Schifffahrtsrouten und zerrissene Lieferketten treffen Unternehmen und Länder auf der ganzen Welt – während die Diplomatie auf der Kippe steht.

Straße von Hormuz: Die teuerste Blockade der Welt

Seit dem Kriegsbeginn am 28. Februar hat der Iran die Straße von Hormuz effektiv gesperrt – eine Meerenge, durch die normalerweise ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gaslieferungen fließt. Die Folgen sind massiv. Brent-Rohöl notiert aktuell bei rund 94,50 US-Dollar je Barrel, auch wenn die Preise am Mittwoch leicht nachgaben, nachdem US-Präsident Donald Trump Hoffnung auf neue Gespräche mit dem Iran in Pakistan geweckt hatte.

Japan spürt die Auswirkungen besonders scharf. Das Land bezieht rund 95 Prozent seines Öls aus dem Nahen Osten. Kein Wunder also, dass die Stimmung japanischer Industrieunternehmen im April um elf Punkte eingebrochen ist – der stärkste monatliche Rückgang seit mehr als drei Jahren, wie der Reuters-Tankan-Poll zeigt. Besonders die Chemiebranche leidet: Ihr Stimmungsindex fiel von plus 21 auf minus 8. „Rohstoffkosten steigen, die Beschaffung ist instabil geworden“, zitiert die Umfrage einen Manager aus der Branche.

Gleichzeitig warnen australische und neuseeländische Konzerne vor erheblichen Gewinneinbußen. Qantas Airways hat seinen Treibstoffkostenausblick für die zweite Jahreshälfte um bis zu 800 Millionen australische Dollar angehoben und den geplanten Aktienrückkauf auf Eis gelegt. Air New Zealand strich bereits rund vier Prozent der Flüge im Mai und Juni. Westpac, Australiens zweitgrößte Bank, erhöht ihre Kreditrückstellungen auf den höchsten Stand seit der Corona-Pandemie.

Märkte zwischen Angst und Hoffnung

An den Finanzmärkten spiegeln sich die geopolitischen Signale direkt wider. Der US-Dollar fiel auf ein Sechs-Wochen-Tief – der Euro kletterte auf 1,1793 Dollar, nahe dem höchsten Stand seit Anfang März. Der Dollar-Index rutschte auf 98,11 Punkte. Das ist bemerkenswert: Der Dollar hatte nach Kriegsbeginn zunächst als sicherer Hafen zugelegt, gibt diese Gewinne nun aber fast vollständig wieder ab.

„Die Kursveränderungen quer durch alle Anlageklassen deuten darauf hin, dass Anleger den Konflikt zunehmend als vorübergehenden Energieschock einpreisen, der sich auflösen könnte, wenn die Diplomatie hält“, schreiben Strategen der OCBC-Bank. Die risikosensitiven Währungen wie der australische Dollar legten zu, Bitcoin stieg auf 74.612 Dollar – knapp unter einem Zwei-Monats-Hoch.

Ob der Optimismus berechtigt ist, bleibt offen. Die Gespräche in Islamabad am vergangenen Wochenende scheiterten. Ein zweiwöchiger Waffenstillstand läuft noch eine Woche, ohne dass ein Durchbruch in Sicht ist. Der IWF hat seine globale Wachstumsprognose bereits nach unten korrigiert: Ohne den Krieg hätte er sie um 0,1 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent angehoben.

Weltbank mobilisiert hundert Milliarden Dollar

Die internationale Gemeinschaft zieht Konsequenzen. Weltbank-Präsident Ajay Banga kündigte am Rande der IWF-Frühjahrstagung an, innerhalb von 15 Monaten bis zu 100 Milliarden Dollar für besonders betroffene Länder mobilisieren zu wollen – mehr als während der gesamten Corona-Pandemie. Zunächst sollen 20 bis 25 Milliarden Dollar über ein Krisenreaktionsfenster fließen, weitere 30 bis 40 Milliarden durch die Umwidmung bestehender Programme.

IWF-Chefin Kristalina Georgieva machte den zeitlichen Druck deutlich: Die Weltwirtschaft könne sich noch rasch erholen, wenn der Konflikt in den nächsten Wochen ende. Dauere er hingegen bis in den Sommer, werde die Lage deutlich schwieriger. Beide Institutionen mahnen Regierungen, auf gezielte, temporäre Maßnahmen zur Abfederung höherer Energiepreise zu setzen – und breite Subventionen zu vermeiden, die die Inflation weiter anfachen würden.

Notenbank-Unabhängigkeit unter Druck

Während die globale Wirtschaft mit den Folgen des Krieges kämpft, kommt aus Washington ein weiteres beunruhigendes Signal: Das US-Justizministerium erhöht den Druck auf die Federal Reserve. Staatsanwälte aus dem Büro von US-Staatsanwältin Jeanine Pirro erschienen überraschend auf der Baustelle des Fed-Hauptquartiers in Washington – ohne Ankündigung und ohne die erforderliche Sicherheitsfreigabe. Sie baten um eine Führung und erkundigten sich nach dem Baufortschritt.

Robert Hur, externer Anwalt der Notenbank, protestierte schriftlich gegen den unangekündigten Besuch. Ein Bundesrichter hatte die laufenden Ermittlungen gegen Fed-Chef Jerome Powell bereits als „kaum verkleideten Versuch“ eingestuft, Powell zur Zinssenkung oder zum Rücktritt zu drängen. Das Justizministerium legte Berufung ein.

Powells Amtszeit endet im Mai. Trump hat bereits Kevin Warsh, einen früheren Fed-Gouverneur, als Nachfolger nominiert. Die Unabhängigkeit von Zentralbanken gilt in der Wirtschaftspolitik als unverzichtbar – sie schützt Geldpolitiker vor kurzfristigem politischen Druck und erlaubt eine langfristige Inflationsbekämpfung. Ehemalige Fed-Vorsitzende aus beiden Parteilagern haben die Einmischung scharf kritisiert.

Was bleibt

Der Nahost-Konflikt hat die globale Wirtschaft in eine Phase erhöhter Unsicherheit geführt. Ob die Diplomatie hält, entscheidet über weit mehr als Ölpreise: Es geht um Lieferketten, Unternehmensgewinne und das Wachstum ganzer Volkswirtschaften. Wenn ein Maschinenbau-Manager in Japan sagt, seine Kunden würden Investitionen zurückhalten, solange der Krieg andauere, dann ist das kein Einzelphänomen – sondern ein globales Muster, das sich von Auckland bis Washington zieht.

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Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.