Zwei Schocks an einem Tag — das hat der NASDAQ 100 am Mittwoch zu spüren bekommen. Heißere Inflationsdaten aus den USA und eskalierende Spannungen im Nahen Osten drückten den Index um fast zwei Prozent nach unten.
Inflation schlägt zurück
Der Auslöser kam um 8:30 Uhr Ortszeit: Die US-Verbraucherpreise stiegen im Mai um 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist der höchste Stand seit April 2023. Die monatliche Rate legte um 0,5 Prozent zu. Die Kerninflation — ohne Energie und Lebensmittel — blieb mit 2,9 Prozent ebenfalls erhöht.
Für Wachstumswerte ist das Gift. Höhere Inflation bedeutet höhere Zinsen, und höhere Zinsen drücken die Bewertungen von Tech-Aktien. Der NASDAQ 100 schloss bei 28.508 Punkten — ein Minus von 576 Punkten. Der VIX, das wichtigste Angstbarometer der Wall Street, sprang um zwölf Prozent auf 22,22.
Super Micro reißt den Sektor mit
Den größten Einzelschaden richtete Super Micro Computer an. Die Aktie brach um knapp 28 Prozent ein, nachdem das Unternehmen eine Kapitalerhöhung von sieben Milliarden Dollar ankündigte. Das traf den gesamten KI-Sektor.
Nvidia verlor 3,7 Prozent, AMD 4,9 Prozent, Broadcom und Micron je rund drei Prozent. Parallel dazu trieben Berichte über US-Luftangriffe auf iranische Ziele und Drohungen, die Straße von Hormus zu sperren, den Ölpreis auf 90 Dollar je Barrel. Das verstärkte die Risikoscheu zusätzlich.
Auf der Gegenseite stach Casey’s General Stores heraus: Der Tankstellen- und Convenience-Betreiber legte nach starken Quartalszahlen um mehr als 20 Prozent zu. Walmart und Costco profitierten von der Rotation aus Tech in defensive Werte.
Technisches Bild bleibt angespannt
Der Index notiert knapp über seinem 50-Tage-Durchschnitt bei rund 28.466 Punkten — der Abstand beträgt weniger als 0,2 Prozent. Alle wichtigen gleitenden Durchschnitte zeigen Verkaufssignale. Der RSI liegt bei 40,9 und nähert sich damit der überverkauften Zone, ohne sie zu erreichen.
Seit dem 52-Wochen-Hoch von 30.762 Punkten Anfang Juni hat der Index bereits 7,3 Prozent verloren. Erste Unterstützung liegt bei rund 28.225 Punkten. Hält diese Zone nicht, dürfte der Abwärtsdruck zunehmen.
Auf dem Radar bleiben zwei Termine: Das FOMC-Meeting am 16. und 17. Juni unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh könnte die Zinspfad-Erwartungen neu justieren — Futures preisen inzwischen eine Zinserhöhung bis Jahresende 2026 ein, keine Senkung. Dazu kommt der SpaceX-Börsengang am Freitag mit einer angestrebten Bewertung von 1,75 Billionen Dollar. Nach Börsenschluss belastete außerdem Oracle mit einem Kursrückgang von elf Prozent im nachbörslichen Handel — der Konzern hob seine Investitionsplanung für 2027 deutlich an, was die NASDAQ-Futures zum nächsten Handelsstart belasten dürfte.
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