Der Nasdaq 100 hat am Freitag einen seiner härtesten Rückschläge der vergangenen Monate erlebt. Auslöser war ein Arbeitsmarktbericht, der die Zinsfantasie an der Wall Street abrupt drehte. Statt auf baldige Lockerungen setzte der Markt plötzlich wieder auf längere Zeit höhere Zinsen.
Der Index verlor 4,77 Prozent und schloss nach einem heftigen Abverkauf bei 29.059,18 Punkten. Zuvor hatte er über Wochen von der Hoffnung auf sinkende Finanzierungskosten profitiert. Diese Erzählung bekam nun einen klaren Dämpfer.
Starker Arbeitsmarkt, schwache Tech-Aktien
Der Auslöser kam am Morgen mit den US-Arbeitsmarktdaten. Im Mai entstanden 172.000 neue Stellen. Das lag deutlich über den erwarteten 85.000. Die Arbeitslosenquote blieb bei 4,3 Prozent.
Für die Börse war das eine schlechte Nachricht. Ein robuster Arbeitsmarkt nimmt der Federal Reserve den Druck, schnell zu lockern. Händler preisten daraufhin eine deutlich straffere Geldpolitik ein. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen sprang um 12 Basispunkte auf 4,16 Prozent, die zehnjährige Rendite kletterte auf 4,54 Prozent.
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Genau das trifft wachstumsstarke Technologiewerte besonders hart. Ihre künftigen Gewinne verlieren bei höheren Zinsen an rechnerischem Wert. Der Nasdaq 100 fiel im Tagesverlauf immer tiefer und markierte am Nachmittag sein Tief bei 28.929,88 Punkten.
Chipwerte ziehen den Index nach unten
Besonders heftig erwischte es die Halbleiterbranche. Der Philadelphia Semiconductor Index brach um mehr als 10 Prozent ein. Innerhalb des Nasdaq 100 konzentrierten sich die Verluste auf KI-Schwergewichte und Speicherhersteller.
Micron Technology stürzte um 13,3 Prozent ab. SanDisk verlor 11,39 Prozent, nachdem Berichte über mögliche Kürzungen bei Speicher-Konfigurationen im Umfeld von Nvidia die Runde machten. Broadcom fiel um 7,92 Prozent und setzte damit den jüngsten Abwärtstrend fort.
Auch Nvidia geriet unter Druck und gab 6,20 Prozent nach. Meta Platforms verlor 5,51 Prozent, belastet von Berichten über einen möglichen milliardenschweren Aktienverkauf zur Finanzierung von KI-Infrastruktur. Alphabet hielt sich im Vergleich besser und kam mit minus 0,98 Prozent davon.
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Technisch angeschlagen
Auch aus charttechnischer Sicht hat der Rückschlag Spuren hinterlassen. Der Nasdaq 100 fiel klar unter seine 20-Tage- und 50-Tage-Linien. Diese Zonen hatten die Rally im Frühjahr noch gestützt. Nun rückt die psychologisch wichtige Marke von 29.000 Punkten in den Mittelpunkt.
Der Index notiert mit 30.407,81 Punkten zwar weiterhin knapp unter dem jüngsten Rekordhoch von 30.759,34 Punkten. Auch über 30 Tagen liegt er noch solide im Plus. Aber die kurzfristige Lage hat sich deutlich verschlechtert. Der RSI liegt mit 71,8 weiter im überkauften Bereich, die 30-Tage-Volatilität bei 13,89 Prozent.
Hinzu kommt das Marktumfeld. Der VIX sprang um 34 Prozent über die Marke von 20. Parallel dazu gewann der handelsgewichtete Dollar fast 1 Prozent. Beides erhöht den Druck auf internationale Tech-Konzerne.
Am Montag wird sich der Markt an zwei Punkten orientieren: der weiteren Reaktion auf die Zinsneubewertung und den ersten Aussagen aus dem Fed-Umfeld. Solange die Renditen hoch bleiben, dürfte es für den Nasdaq 100 schwer werden, schnell wieder über 30.000 Punkte zurückzukommen.
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