Der NASDAQ 100 ist mit deutlichen Verlusten in den September gestartet. Gestern verbuchte der Index einen Rückgang von 1,0 Prozent und ging bei 29.077,22 Punkten aus dem Handel. Eine Eskalation im Nahen Osten sowie ein sprunghafter Anstieg der Anleiherenditen setzten die Technologiewerte unter Druck und dämpften die Stimmung an den US-Börsen erheblich. Trotz des gestrigen Rückschlags verbleibt der Index seit Jahresbeginn mit 15 Prozent im Plus.

Energiepreise und Anleiherenditen ziehen an

Auslöser für den Ausverkauf war primär die militärische Zuspitzung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Berichte über US-Luftangriffe führten zu einer sofortigen Reaktion an den Rohstoffmärkten.

Die Ölpreise legten massiv zu: Die Sorte WTI stieg um 5,2 Prozent auf 90,22 US-Dollar, während Brent-Öl zeitweise über 94 US-Dollar notierte. Diese Entwicklung schürt neue Inflationssorgen, da höhere Energiekosten die Produktionsketten belasten und den Spielraum für künftige Zinssenkungen einschränken könnten.

Parallel dazu gerieten US-Staatsanleihen unter Verkaufsdruck, was die Renditen auf den höchsten Stand seit Anfang 2025 trieb. Die Rendite der 10-jährigen Treasury-Notes kletterte auf 4,792 Prozent.

Für den Technologiesektor, der besonders empfindlich auf steigende Zinsen reagiert, stellt dies eine doppelte Belastung dar. Die Refinanzierungskosten für wachstumsstarke Unternehmen steigen, während die abgezinsten zukünftigen Gewinne in den Bewertungsmodellen der Analysten an Wert verlieren.

Fed-Kurs und Analysten-Skepsis

Die geldpolitische Unsicherheit bleibt ein zentrales Thema für die Anleger. Laut Daten der CME FedWatch liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung bei der kommenden Sitzung am 15. und 16. September mittlerweile bei rund 68 Prozent.

Fed-Chef Kevin Warsh signalisierte zuletzt eine hawkishe Haltung und betonte, dass der globale Investitionsboom in Infrastruktur und künstliche Intelligenz den Druck auf die Renditen strukturell erhöhe. Auch Fed-Gouverneur Michael Barr warnte, dass entschlossene Schritte nötig seien, falls die Inflation nicht nachhaltig nachlasse.

In diesem Umfeld zeigen sich namhafte Analystenhäuser zunehmend vorsichtig. Die Experten von Wells Fargo wiesen darauf hin, dass die KI-getriebene Rally der vergangenen Monate weitgehend ausgereizt sein könnte. Zusammen mit Analysten von JPMorgan nehmen sie eine taktisch defensive Haltung ein.

Neben der geopolitischen Lage belastet die historische Saisonalität: Der September gilt am US-Aktienmarkt statistisch als der schwächste Monat des Jahres. Zudem werfen die bevorstehenden Midterm-Wahlen ihre Schatten voraus und sorgen für zusätzliche politische Unsicherheit.

Fokus auf Broadcom und Snowflake

Nach dem gestrigen Abverkauf richten sich die Blicke heute auf die Quartalszahlen wichtiger Schwergewichte. Broadcom und Snowflake werden nach US-Börsenschluss ihre Ergebnisse vorlegen.

Besonders bei Broadcom steht das Wachstum im Bereich der KI-Halbleiter im Fokus, für die das Unternehmen bis 2027 ein Umsatzziel von über 100 Milliarden US-Dollar anvisiert. Der Optionsmarkt impliziert bereits jetzt erhebliche Kursbewegungen nach der Veröffentlichung.

Ein Hoffnungsschimmer kam gestern von Dell. Das Unternehmen hob seine Jahresprognose deutlich an, was im nachbörslichen Handel für eine Erholung der Aktie sorgte. Auch GitLab konnte nach starken Quartalszahlen zulegen.

Diese Einzelergebnisse zeigen, dass die Nachfrage nach Cloud-Infrastruktur und Softwarelösungen weiterhin robust ist, auch wenn das makroökonomische Umfeld schwieriger wird. Anleger müssen nun abwägen, ob die starken Unternehmensgewinne ausreichen, um den Druck durch steigende Zinsen und Energiepreise langfristig zu kompensieren.