Nach dem Rücksetzer im späten Vortagshandel zeichnet sich zum Handelsstart eine deutliche Erholung ab. Der Broker IG taxierte den NASDAQ 100 rund eine Dreiviertelstunde vor Eröffnung 1,7 Prozent höher – stärker als der Dow Jones, der 1,3 Prozent zulegen sollte. Der Grund: Anleger haben die erste Zinserhöhung der US-Notenbank seit drei Jahren verdaut und ziehen inzwischen ein positives Fazit.
Fed-Chef Kevin Warsh hatte den Leitzins angehoben – ein Schritt, der am Vortag zunächst für Verkaufsdruck sorgte und den Dow auf ein Tief seit Mitte Juni drückte. In der Nachbetrachtung überwiegt jedoch die Lesart, dass die Notenbank mit dem Schritt ihre Unabhängigkeit und Entschlossenheit im Kampf gegen die Inflation unter Beweis stellt. Diese Einschätzung beruhigt die Märkte mehr, als die reine Zinsanhebung sie verunsichert hat.
Öl und Chips als Doppel-Treiber
Nachgebende Ölpreise verstärken die Erholung zusätzlich. Hoffnungen auf eine baldige Wiederinbetriebnahme einer wichtigen saudi-arabischen Pipeline dämpfen die Inflationssorgen – spürbar auch an steigenden Kursen bei US-Staatsanleihen und entsprechend rückläufigen Renditen. Vorsichtige Stimmen warnen zwar, der Markt gewinne dadurch nur etwas Kapazität zurück, ein Puffer für unvorhergesehene Ausfälle fehle weiterhin.
Besonders kräftig fällt die Erholung bei Halbleiterwerten aus. Nvidia, Micron, Intel, Marvell Technology und SanDisk wurden vorbörslich zwischen 2,2 und 4,5 Prozent höher gehandelt.
Sämtliche „Magnificent Seven“ notierten vorbörslich im Plus – darunter auch Amazon, das einen milliardenschweren Liefervertrag für Notstromgeneratoren mit Generac abgeschlossen hat, inklusive einer Option auf eine Kapitalbeteiligung. Generac selbst schoss vorbörslich um 32 Prozent nach oben.
Charttechnik bleibt angespannt
Unterhalb der Nachrichtenlage zeigt sich im Tageschart ein enges Ringen um Schlüsselmarken. Der Index bewegte sich zuletzt zwischen einem Tagestief von 28.766 und einem Tageshoch von 29.250 Punkten – eine deutlich größere Spanne als am Tag zuvor.
Die SMA20 bei 29.121 und die SMA50 bei 29.072 Punkten fungieren als kurzfristige Unterstützungen; ein nachhaltiger Ausbruch über die SMA200 bei 29.301 Zählern würde ein klareres bullisches Signal liefern.
Sollte der Index dagegen unter die SMA50 rutschen, rückt der Bereich um 28.425 bis 28.410 Punkte in den Fokus. Für den heutigen Handelstag wird eine Schwankungsbreite zwischen 28.916 und 29.385 Punkten mit leicht aufwärtsgerichteter Tendenz erwartet – die vorbörslichen Gewinne bei Nvidia und Co. dürften diese Spanne testen.
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