Der Nasdaq 100 hat sich gestern nach den jüngsten Technologieverkäufen zunächst stabilisiert. Mit einer Tagesveränderung von -0,05% schloss er bei 29.935,59 Punkten nahezu unverändert. Eine Entwarnung bedeutet das nicht: Neue US-Konjunkturdaten verschärfen den Konflikt zwischen hartnäckiger Inflation und den Finanzierungskosten des KI-Ausbaus.
Für Anleger rückt damit die Belastbarkeit der Investitionspläne in den Vordergrund. Die Sorge beschränkt sich nicht auf die Bewertung von Wachstumsaktien. Höhere Kreditkosten könnten auch den Bau von Rechenzentren erschweren und damit die Umsetzung jener Projekte bremsen, auf denen viele KI-Erwartungen beruhen.
Konsum und Preise erschweren Zinssenkungen
Die gestern veröffentlichten US-Erzeugerpreise verstärkten das Inflationssignal vom Mittwoch. Nach Angaben der US-Arbeitsstatistikbehörde stiegen sie im September gegenüber dem Vormonat um 1,3%. Das war der stärkste monatliche Anstieg seit März 2022.
Damit erhalten Hoffnungen auf eine geldpolitische Entlastung einen weiteren Dämpfer. Bereits die Verbraucherpreise hatten Befürchtungen geweckt, dass die Federal Reserve ihre straffe Linie länger beibehalten oder die Zinsen erneut erhöhen könnte.
Die Verbraucherpreise legten im September gegenüber dem Vormonat um 0,6% zu. Die jährliche Inflationsrate erreichte 3,7%. Zugleich meldete die US-Statistikbehörde Census Bureau gestern einen monatlichen Zuwachs der Einzelhandels- und Gastronomieumsätze um 0,8%.
Robuste Ausgaben liefern keinen klaren Hinweis auf eine Nachfrageabkühlung, die den Preisdruck rasch begrenzen könnte. Allerdings sind die Umsatzdaten nicht preisbereinigt. Auch die niedrige Zahl neuer Arbeitslosenhilfeanträge spricht gegen eine ausgeprägte Entlassungswelle.
KI-Investitionen müssen höhere Finanzierungskosten tragen
Reuters berichtete gestern, dass Anleger zunehmend an der Finanzierbarkeit weiterer KI-Investitionen zweifelten. Besonders im Blick stand der hoch verschuldete Rechenzentrumsbetreiber CoreWeave. Die Skepsis erfasste zugleich Halbleiterwerte und weitere Unternehmen rund um den Ausbau der KI-Infrastruktur.
Wie empfindlich einzelne Titel reagieren, zeigte bereits der Mittwoch: Reuters zufolge verloren CoreWeave 16%, Oracle 9% und Dell 11%. Damit konzentrierte sich der Verkaufsdruck auf mehrere im Nasdaq 100 vertretene Unternehmen mit Bezug zu KI-Investitionen.
Die anschließende Stabilisierung des Index beseitigt diese Unsicherheit nicht. Medienberichten zufolge gaben Anleiherenditen einen Teil ihres vorherigen Anstiegs wieder ab, während Technologiewerte weiter unter Druck standen. Das spricht dafür, dass neben den Zinsen auch die erwartete Rentabilität der KI-Ausgaben hinterfragt wird.
Nächster Prüfstein ist die Federal Reserve
Die nächste Sitzung des Offenmarktausschusses ist für den 27. und 28. Oktober angesetzt. Nach den jüngsten Preisberichten wird entscheidend, wie die Federal Reserve den Inflationsdruck und die Widerstandskraft der Wirtschaft gewichtet.
Für den Nasdaq 100 greifen damit zwei Risiken ineinander: Anhaltend hohe Zinsen können Bewertungen belasten und zugleich kapitalintensive Investitionen verteuern. Die nahezu unveränderte Schlussnotierung zeigt vorerst nur, dass der unmittelbare Verkaufsdruck nachgelassen hat. Die wirtschaftlichen Fragen hinter den Kursverlusten bleiben bestehen.
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