Während die US-Börsen am heutigen Montag aufgrund des Labor Day geschlossen bleiben, blicken Anleger auf eine ereignisreiche Handelswoche zurück. Der NASDAQ 100 verabschiedete sich am Freitag mit einem knoppen Plus von 0,07 Prozent bei 29.377,53 Punkten aus dem Handel.

Trotz dieser kurzfristigen Stabilität steht der Technologieindex vor einer Phase erhöhter Unsicherheit, getrieben durch überraschend starke Konjunkturdaten und neue Impulse aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI).

Zinsangst kehrt nach US-Jobdaten zurück

Der Fokus der Marktteilnehmer richtete sich zuletzt massiv auf den US-Arbeitsmarkt. Die am Freitag veröffentlichten Nonfarm Payrolls für den Monat August übertrafen die Erwartungen der Analysten deutlich: Mit 162.000 neu geschaffenen Stellen fiel der Zuwachs fast dreimal so hoch aus wie die prognostizierten 53.000 bis 56.000 Stellen. Diese Dynamik am Arbeitsmarkt hat die Erwartungen an die künftige Geldpolitik der Federal Reserve (Fed) spürbar verschoben.

Medienberichten zufolge ist die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung auf der Fed-Sitzung am 16. September auf rund 60 bis 65 Prozent gestiegen. Der Fed-Vorsitzende Kevin Warsh deutete bereits Ende August in Jackson Hole eine tendenziell restriktivere Haltung an, während Gouverneur Christopher Waller eine Zinspause favorisierte, sofern die Inflationsdaten keine Überraschungen liefern.

Die kommenden Tage bleiben entscheidend, da am Donnerstag der Erzeugerpreisindex (PPI) und am Freitag der Verbraucherpreisindex (CPI) für den August veröffentlicht werden. Ein heißer CPI-Wert könnte eine Zinserhöhung laut Einschätzung von Analysten der BBH endgültig besiegeln.

KI-Sektor liefert fundamentale Unterstützung

Trotz des Gegenwindes durch die Zinspolitik erfährt der Technologiesektor weiterhin kräftige Impulse durch Fortschritte bei der Künstlichen Intelligenz. OpenAI hat mit dem Start des neuen KI-Modells GPT-6 Astra die Debatte um die sogenannte „AGI-Ära“ (Artificial General Intelligence) befeuert.

Nvidia-CEO Jensen Huang erklärte nach dem Launch, dass die AGI-Ära begonnen habe. Astra wurde laut Unternehmensangaben auf über 100.000 Nvidia Grace Blackwell NVLink72-Systemen trainiert, weitere 400.000 Grafikprozessoren sollen folgen.

Diese Entwicklung stützte zuletzt vor allem die Halbleiterwerte im NASDAQ 100. Nvidia selbst beeindruckte zuvor mit einem Quartalsumsatz von 96,2 Milliarden US-Dollar, was einem Plus von 106 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Das Unternehmen gab zudem erstmals eine Jahresprognose für das Fiskaljahr 2028 ab und erwartet ein Umsatzwachstum von 70 Prozent. Auch andere Branchengrößen profitierten von diesem Trend: Micron legte am Freitag um 6,1 Prozent zu, während SanDisk einen Sprung von fast 12 Prozent verzeichnete.

Belastungsfaktoren durch Renditen und Geopolitik

Dem Optimismus im Tech-Sektor stehen steigende Renditen am Anleihenmarkt gegenüber. Die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries testete zuletzt die Marke von 4,8 Prozent und erreichte mit 4,818 Prozent den höchsten Stand seit November 2023. Analysten wie Matt Maley von Miller Tabak warnen, dass ein nachhaltiger Anstieg über dieses Niveau hinaus erhebliche Probleme für risikobehaftete Anlageklassen bedeuten könnte.

Zusätzlich belasten geopolitische Spannungen die Stimmung. Nach US-Angriffen auf iranische Öltanker und der Ankündigung Teherans, eine Sperrzone in der Straße von Hormus einzurichten, stieg der Ölpreis deutlich an. Die Sorte Brent notierte zuletzt nahe der Marke von 97 US-Dollar pro Barrel. Steigende Energiekosten bergen das Risiko, die Inflation erneut anzuheizen und den Spielraum der Notenbanken weiter einzuschränken.

Im breiteren Kontext zeigt der NASDAQ 100 seit Jahresbeginn dennoch eine solide Performance von 16 Prozent. Mit dem aktuellen Stand fehlen dem Index rund 4,5 Prozent bis zu seinem 52-Wochen-Hoch von 30.762,20 Punkten, das Anfang Juni markiert wurde.

Die kommenden Inflationsdaten dürften darüber entscheiden, ob der Index diesen Abstand in den nächsten Wochen verkürzen kann oder ob die restriktive Geldpolitik die Bewertung der Wachstumswerte weiter unter Druck setzt.

Bereits vor gut drei Wochen fielen die US-Einzelhandelsumsätze überraschend, was seither zu einem Rückgang von 1,9 Prozent in diesem Segment führte und die Sensibilität der Anleger für konjunkturelle Signale unterstreicht.