Neue Hoffnungen auf das Geschäft mit künstlicher Intelligenz stützen den Nasdaq 100. Nach der gestrigen Erholung deuten die US-Aktienfutures heute auf eine vorsichtige Fortsetzung hin. Ein klares Entspannungssignal ist das nicht: Steigende Anleiherenditen und anhaltende Zweifel an der Finanzierung des KI-Ausbaus begrenzen die Zuversicht.

Großauftrag nährt Erwartungen

Für Aufmerksamkeit sorgen mögliche neue Geschäfte mit Rechenkapazität. Bloomberg berichtete gestern über Verhandlungen zwischen Nscale und Anthropic zu einem möglichen Computing-Vertrag im Wert von rund 45 Milliarden US-Dollar. Eine abgeschlossene Vereinbarung ist damit nicht bestätigt.

Die Gespräche liefern dennoch einen konkreten Anknüpfungspunkt für die Hoffnung auf weitere Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Für den Nasdaq 100 ist das relevant, weil die Erholung gestern wesentlich von KI- und Halbleiteraktien getragen wurde. Der Index gewann 1,1% und schloss bei 29.529,34 Punkten.

Die Anleger unterscheiden allerdings weiterhin zwischen der Aussicht auf zusätzliche Nachfrage und den finanziellen Risiken einzelner Unternehmen. Das zeigte sich gestern besonders deutlich an CoreWeave: Trotz einer Hochstufung blieb die Aktie unter Druck. CNBC zufolge hielten Sorgen über kreditfinanzierte KI-Ausgaben an.

Höhere Renditen setzen einen Gegenakzent

Parallel zur Aktienerholung stieg gestern die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen um 7 Basispunkte auf 5,14%. Damit begleitete den erneuten Optimismus für Technologieaktien keine Entspannung am Anleihemarkt.

Die Kursgewinne allein beantworten deshalb die Finanzierungsfragen nicht. Während mögliche Großverträge die Nachfragefantasie stärken, bleiben Verschuldung und Kapitalbedarf zentrale Prüfpunkte. Der Rückschlag bei CoreWeave zeigt, dass positive Analystenurteile diese Bedenken nicht automatisch verdrängen.

Auch die Einschätzung zu Intel enthält einen solchen Vorbehalt. JPMorgan hob die Aktie auf „Neutral“ an, erwartet aber weiterhin Marktanteilsverluste bei Serverprozessoren. Die Hochstufung bedeutet somit keine uneingeschränkt positive Einschätzung der Geschäftsaussichten.

Gewinnhoffnungen brauchen Bestätigung

Die längerfristigen Erwartungen an die Branche bleiben hoch. Citigroup zufolge dürfte der Technologiesektor 2027 nahezu 70% des weltweiten Gewinnwachstums ausmachen. Das ist eine Prognose und noch kein Beleg dafür, dass sich die jüngsten Investitionen bereits ausreichend auszahlen.

Neue Hinweise erwarten Anleger von den bevorstehenden Unternehmensberichten. Meta und Tesla sollen am Mittwoch nach US-Börsenschluss ihre Zahlen vorlegen. Bei Meta richtet sich der Blick besonders darauf, ob die hohen KI-Ausgaben mit weiterem Wachstum vereinbar sind.

Für den Nasdaq 100 stehen damit zwei Entwicklungen nebeneinander: Die Nachfrage nach KI-Rechenleistung eröffnet neue Geschäftschancen, während die Finanzierung kritisch hinterfragt wird. Ob die Erholung trägt, hängt deshalb nicht nur von neuen Investitionsankündigungen ab, sondern auch von belastbaren Erträgen.