Der Nasdaq 100 hat gestern zeitweise seine dritte technische Korrektur des Jahres durchlaufen. Dahinter steht ein Vertrauensproblem: Anleger zweifeln zunehmend daran, dass hohe Investitionen in künstliche Intelligenz schnell genug Erträge liefern. Zum Handelsschluss verlor der Index -3,5% und stand bei 28.384,85 Punkten. Enttäuschende Ergebnisse und Ausblicke verschärften den Verkaufsdruck.
Entscheidend ist dabei nicht allein das Wachstum der Technologieunternehmen. Der Markt richtet den Blick stärker auf frei verfügbare Mittel, Finanzierungsbedarf und Ausschüttungen. Selbst eine kräftig steigende Cloud-Nachfrage reicht derzeit nicht aus, um Sorgen über die Kosten des Ausbaus auszuräumen.
Korrekturschwelle nur zeitweise überschritten
Bloomberg zufolge überschritt der Nasdaq 100 gestern während des Handels kurz die technische Korrekturschwelle. Diese bezeichnet einen Rückgang von mindestens zehn Prozent gegenüber dem jüngsten Hoch. Zum Schluss lag der Abstand zum 52-Wochen-Hoch bei -9,5%. Damit blieb der Index auf Schlusskursbasis oberhalb dieser Schwelle.
Die Unterscheidung ist wichtig: Der zwischenzeitliche Einbruch dokumentiert die Nervosität im Handel. Er bedeutet aber nicht, dass der Index auch zum Handelsschluss im technischen Korrekturbereich lag. Als Auslöser nannte Bloomberg enttäuschende Ergebnisse von Alphabet, Amazon, Intel und ServiceNow.
Bereits zuvor hatten der Beginn des Iran-Kriegs und ein Rückschlag bei Halbleiterwerten Korrekturen ausgelöst. Diesmal stehen besonders die Wirtschaftlichkeit der KI-Investitionen und die Belastbarkeit der Unternehmensbilanzen im Mittelpunkt.
Investitionen verdrängen Ausschüttungen
Wie stark sich die Kapitalverwendung verändert hat, zeigt eine Reuters-Auswertung von Unternehmensberichten und LSEG-Daten. Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta und Oracle verwendeten in den ersten neun Monaten 2026 lediglich 9,3 Prozent ihres operativen Mittelzuflusses für Dividenden und Aktienrückkäufe. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 27,4 Prozent.
Für Aktionäre verändert sich damit die unmittelbare Gegenleistung für das operative Wachstum. Ein größerer Teil der erwirtschafteten Mittel fließt in Infrastruktur statt zurück an die Anteilseigner. Die Investitionen müssen ihre Ertragskraft erst noch beweisen.
Nach derselben Auswertung stiegen die Investitionsausgaben der Unternehmen auf 556,9 Milliarden US-Dollar. Dem stand ein operativer Mittelzufluss von 542,9 Milliarden US-Dollar gegenüber. Der gemeinsame freie Mittelzufluss fiel auf minus 14 Milliarden US-Dollar.
Der Bilanzdruck erreicht inzwischen auch die Bonitätsbewertung. Bloomberg berichtete heute, dass S&P Global Ratings bei Meta eine mögliche Herabstufung innerhalb der nächsten zwei Jahre prüft. Hintergrund seien die hohen KI-Ausgaben und die daraus entstehenden Bilanzbelastungen. Eine Herabstufung ist damit noch nicht beschlossen.
Finanzierung und Erträge entscheiden
Barclays-Stratege Alexander Altmann warnt besonders bei hoch verschuldeten Rechenzentrumsbetreibern vor Finanzierungsproblemen. Ausgabenkürzungen eines großen Cloud-Anbieters könnten seiner Einschätzung nach das Vertrauen erschüttern. Ein solcher Effekt könnte allerdings erst im nächsten Jahr eintreten.
Eine optimistischere Sicht vertritt Wedbush-Analyst Dan Ives. Er erwartet, dass KI-Umsätze 2027 beginnen werden, die hohen Investitionen zu rechtfertigen. Das ist eine Prognose, kein bereits erbrachter Rentabilitätsnachweis.
Für den Nasdaq 100 liegt darin die zentrale Bewährungsprobe: Starkes Umsatzwachstum muss sich zunehmend auch in tragfähigen Zahlungsströmen niederschlagen. Der jüngste Ausverkauf zeigt, dass Anleger höhere Ausgaben nicht mehr automatisch als Versprechen auf höhere künftige Gewinne akzeptieren.
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