Während S&P 500 und Dow Jones ihre Bestmarken vom Juni bereits wieder erreicht haben, fehlt dem NASDAQ 100 dieser Schritt bis heute. Der Technologie-Index schloss die vergangene Woche vier Prozent unter seinem Rekordhoch vom 2. Juni, wie Bloomberg berichtet. Damit ist er der letzte der großen US-Barometer, der seinen Höchststand noch nicht zurückerobert hat.

Zinssorgen bremsen die Erholung

Der Grund für die Zurückhaltung liegt vor allem an der Zinsfront. Fed-Chef Kevin Warsh äußerte sich am Mittwoch vergangener Woche bei einer Rede besorgt über die anhaltende Inflation, wie Bloomberg und CNBC berichteten.

In der Folge kletterten die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit 2007 – eine Belastung besonders für zinssensitive Technologiewerte, die im NASDAQ 100 das Schwergewicht bilden. Bereits zuvor hatte der Index eine fünftägige Verlustserie hinnehmen müssen, die erst am 21. August durch robuste Wirtschaftsdaten und eine Bitcoin-Rally beendet wurde.

Verschärft wurde die Debatte durch die am Freitag veröffentlichten Juli-Protokolle der Fed-Sitzung. Sie zeigten laut Trading Economics, dass mehrere Notenbanker die Finanzbedingungen für nicht restriktiv genug hielten und weitere Zinserhöhungen für nötig befanden, sollte sich der Preisdruck nicht abschwächen. Diese Aussicht dürfte Anleger vorsichtig stimmen, gerade weil Technologiewerte traditionell empfindlich auf steigende Zinsen reagieren.

Nvidia liefert Gegengewicht

Einen deutlichen Kontrapunkt setzten die Quartalszahlen von Nvidia. Der Chiphersteller, größtes Einzelgewicht im Index, meldete am Donnerstag vergangener Woche Ergebnisse, die den Markt überraschten.

Die Aktie legte um fast neun Prozent zu – der stärkste Tagesgewinn seit April 2025 – und der Marktwert des Unternehmens wuchs um 442 Milliarden Dollar. Nvidia stellte für das kommende Geschäftsjahr ein Umsatzwachstum von rund 70 Prozent in Aussicht. Der NASDAQ 100 reagierte mit einem Plus von 1,4 Prozent an diesem Tag.

Aktuell notiert der Index bei 29.327,64 Punkten und damit nur unwesentlich unter dem Schlusskurs vom Freitag. Auf Wochensicht steht ein Plus von 1,2 Prozent zu Buche, ein Hinweis darauf, dass die positiven Nvidia-Effekte die Zinssorgen zuletzt teilweise ausgleichen konnten.

Blick auf die Zusammensetzung und den nächsten Fed-Termin

Strukturell hat sich der Index im Juni verändert: Astera Labs, CoreWeave, Nebius Group, Rocket Lab und Teradyne wurden neu aufgenommen, während Charter Communications, Cognizant, Insmed, Verisk Analytics und Zscaler den Index verließen.

Ergänzt wird dieser Rahmen durch eine im Mai eingeführte Methodik, die künftig vierteljährliche, ranggestützte Überprüfungen im März, Juni und September vorsieht – inklusive einer Schnelleinstiegs-Option für besonders große Neulistungen unter den Top 40 nach Marktkapitalisierung.

Für die kurzfristige Richtung des Index dürfte jedoch die Geldpolitik entscheidend bleiben. Die nächste FOMC-Sitzung mit aktualisierten Wirtschaftsprognosen findet am 15. und 16. September statt, die Zinsentscheidung wird für Mittwoch, den 16. September, um 14 Uhr Ostküstenzeit erwartet.

Bis dahin dürfte der Wechsel zwischen Zinssorgen und Einzelwert-Impulsen wie bei Nvidia das Bild am Technologiemarkt prägen – und darüber entscheiden, ob der NASDAQ 100 seinen Rekordabstand endlich schließt.