Der Nasdaq 100 hat sich gestern mit Unterstützung der Chipwerte erholt. Der Index gewann 1,8% und schloss bei 26.989,99 Punkten. Anleger bewerteten laut Reuters die Sorgen über strengere Vorgaben für künstliche Intelligenz und Rechenzentren neu.
Gleichzeitig verstärkte ein überraschend robuster US-Arbeitsmarktbericht die Erwartungen einer Zinserhöhung im Dezember. Damit steht die Erholung weiter unter dem Vorbehalt politischer und geldpolitischer Risiken.
Anleger bewerten die politischen Risiken neu
Am Donnerstag hatte der Nasdaq 100 nach den US-Zwischenwahlen 6,4% verloren. Reuters zufolge schürten die Erfolge der Demokraten die Befürchtung, strengere Regeln könnten den Ausbau der KI-Infrastruktur bremsen. Im Mittelpunkt standen mögliche Vorgaben für künstliche Intelligenz und Rechenzentren.
Die Gegenbewegung vom Freitag setzte damit an einem zentralen Belastungsfaktor des Vortages an. Für die weitere Bewertung ist entscheidend, ob aus den regulatorischen Befürchtungen tatsächlich Einschränkungen für Infrastrukturinvestitionen entstehen. Solange das offenbleibt, hängt die politische Belastung wesentlich von den Erwartungen der Anleger ab.
Zusätzlichen Gegenwind für einen bedeutenden Indexwert lieferte Apple. Das Unternehmen warnte am Dienstag laut Reuters vor steigenden Speicherchipkosten, die die Bruttomarge im Weihnachtsquartal belasten würden. Neben dem politischen Umfeld geraten damit auch die Kosten der Unternehmen in den Blick.
Arbeitsmarkt erschwert die Zinsperspektive
Die US-Wirtschaft schuf im Oktober außerhalb der Landwirtschaft 165.000 Stellen. Erwartet worden waren lediglich 65.000. Zugleich sank die Arbeitslosenquote auf 4,1%. Laut Reuters verstärkte der Bericht die Erwartungen einer Zinserhöhung durch die Federal Reserve im Dezember.
Für zinssensitive Technologiewerte bildet diese Entwicklung ein Gegengewicht zur verbesserten Stimmung bei Chipaktien. Der Arbeitsmarktbericht spricht für eine weiterhin robuste Beschäftigungslage, erschwert aber die Zinsperspektive, sofern die Notenbank daraus zusätzlichen Handlungsbedarf ableitet.
Bereits am 28. Oktober hatte die Federal Reserve ihre Zielspanne bei 3,75% bis 4,00% belassen. Zwei Mitglieder votierten für eine Anhebung um einen Viertelprozentpunkt. Damit gab es schon vor dem jüngsten Arbeitsmarktbericht innerhalb des Entscheidungsgremiums Stimmen für höhere Zinsen.
Inflationsdaten werden zum nächsten Maßstab
Die nächsten wichtigen Anhaltspunkte für die Zinserwartungen liefern die anstehenden US-Preisdaten. Das Bureau of Labor Statistics hat die Veröffentlichung der Verbraucherpreise für Oktober am 10. November angesetzt. Die Erzeugerpreise folgen am 13. November.
Für den Nasdaq 100 treffen damit zwei Bewertungsfragen aufeinander: Wie stark könnten neue Regeln die KI-Investitionen bremsen, und welchen Zinspfad rechtfertigt die US-Konjunktur? Die Erholung erhält vor allem dann Unterstützung, wenn die politischen Sorgen nachlassen und die Inflationsdaten den erwarteten Zinsdruck begrenzen.
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