Die Demokraten haben die Midterms für sich entschieden, und die Tech-Branche spürt es sofort. Der NASDAQ 100 verlor am Mittwochmorgen zwischenzeitlich mehr als 2 Prozent, bevor eine leichte Erholung einsetzte. Im Zentrum der Sorgen steht die KI-Infrastruktur.

Warum Rechenzentren plötzlich zum Risiko werden

Die Demokraten sicherten sich nach ersten Ergebnissen die Kontrolle über Senat und Repräsentantenhaus. Das genaue Ausmaß der Mehrheiten steht noch nicht fest. Auffällig sind Zugewinne in traditionell republikanischen Staaten wie Texas, South Carolina, Kansas und Iowa.

Für Tech-Werte liegt der Knackpunkt im Detail. Der Widerstand gegen neue Rechenzentren wächst, getrieben von steigenden Strompreisen, hohem Wasserverbrauch und belasteten lokalen Netzen. Solche Initiativen gehen vor allem von Bundesstaaten und Kommunen aus.

In Texas, einer Kernregion der US-KI-Infrastruktur, gewann die Demokratin Gina Hinojosa die Gouverneurswahl gegen Greg Abbott. Sie hatte im Wahlkampf eine strengere Regulierung von Rechenzentren gefordert. Marktteilnehmer preisen offenbar strengere Auflagen ein.

Auch international gaben Halbleiterwerte nach. In Tokio schloss der Nikkei 225 mit einem Minus von 1,33 Prozent, SoftBank und Chiptitel zählten zu den größten Verlierern. Südkoreanische und taiwanische Chipproduzenten standen ebenfalls unter Druck.

Vorabend: Erholung dank Chips

Dabei hatte der Dienstag zunächst Entspannung gebracht. Der Index schloss mit einem Plus von 0,68 Prozent bei 28.180,26 Punkten und beendete damit eine dreitägige Verlustserie. Gefragt waren Halbleiter: AMD, SanDisk und Broadcom legten um 3 bis 4,4 Prozent zu, Nvidia gewann 2,3 Prozent.

Bremsklötze blieben Einzelwerte. Apple verlor weitere 2,2 Prozent, weil der Konzern wegen stark gestiegener Speicherchip-Preise im Weihnachtsgeschäft Gegenwind erwartet und mit dem Ausblick enttäuschte. Palantir gab nach einer schwachen Quartalsprognose 1,7 Prozent ab, obwohl der Quartalsbericht selbst als stark galt. Am stärksten traf es Shopify: Der Umsatz verfehlte erstmals seit vier Jahren die Erwartungen, die Aktie brach um 8,7 Prozent ein.

Politik statt Fundamentaldaten?

Die Wahl verändert die Lage nur bedingt. Mit einem demokratischen Kongress und Donald Trump im Weißen Haus drohen zwei Jahre Stillstand. Weitere Steuersenkungen und Deregulierung werden schwerer durchsetzbar, die parlamentarische Kontrolle nimmt zu. Trump behält seine Vollmachten in der Handels- und Außenpolitik, eine Rücknahme von Zöllen ist daher nicht automatisch zu erwarten.

Die Märkte reagierten entsprechend: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank auf rund 4,90 Prozent, der Dollar gab nach. Investoren schrauben ihre Erwartungen an fiskalische Impulse zurück. Ob die Chipwerte ihre Erholung vom Dienstag verteidigen, hängt nun an der Frage, wie konkret die Regulierungspläne für Rechenzentren in den Bundesstaaten werden.