Der britische Netzbetreiber National Grid treibt den milliardenschweren Umbau seiner Stromübertragungsnetze voran, sieht sich parallel dazu jedoch mit wachsendem Widerstand konfrontiert.
Während in Großbritannien die Konsultationen für zentrale Großprojekte laufen, formiert sich in den USA Kritik an den geplanten Gasnetztarifen des Konzerns. An der Börse notiert die Aktie heute bei 13,24 Euro, was einem leichten Tagesplus von 0,5 Prozent entspricht.
Milliardeninvestitionen und lokaler Protest in Großbritannien
In Großbritannien steht das Infrastrukturprogramm im Mittelpunkt der Aktivitäten. Im Rahmen des Programms Great Grid Upgrade führt das Unternehmen derzeit eine acht Wochen dauernde Konsultation zum Trassenprojekt Weston Marsh–East Leicestershire durch, die bis zum 3. November läuft. Vorgesehen sind unter anderem der Neubau von rund 37 Meilen Freileitungen sowie zwei neue Umspannwerke.
Der formelle Genehmigungsantrag für die Trasse ist für das Jahr 2028 geplant, während eine Inbetriebnahme für 2033 anvisiert wird. Vor Ort regt sich allerdings Gegenwehr: Kommunale Vertreter wie der Surfleet Parish Council fordern, die Leitungen zum Schutz des Landschaftsbildes unterirdisch zu verlegen. National Grid hatte die Trassenführung zuvor bereits angepasst, um bestehende Baugebiete zu umgehen.
Gleichzeitig investiert der Energieversorger in regionale Netzknotenpunkte. Für das walisische Übertragungsnetz sind über einen Zeitraum von fünf Jahren Investitionen von 3,2 Milliarden Pfund vorgesehen. In Aberthaw plant National Grid den Bau zweier moderner Umspannwerke, die Anlagen aus den 1950er-Jahren ablösen und künftig erneuerbare Energien, Batteriespeicher sowie ein Rechenzentrum in das Netz einbinden sollen.
Verbraucherschützer kritisieren Tarifantrag im US-Geschäft
Auf der anderen Seite des Atlantiks sieht sich der Versorger mit erheblichem regulatorischem Gegenwind konfrontiert. Organisationen wie AARP New York sowie die Umweltgruppe Earthjustice fordern die New Yorker Public Service Commission auf, einen Tarifantrag von National Grid abzulehnen oder einer vollständigen öffentlichen Prüfung zu unterziehen.
Der Antrag zielt darauf ab, die Basistarife für die New Yorker Gasgesellschaften KEDNY und KEDLI bis Ende März 2028 festzuschreiben. Gleichzeitig sieht der Plan kurzfristige Ausgaben von rund 1,7 Milliarden US-Dollar für die Gasinfrastruktur vor, die ab 2028 auf die Verbraucher umgelegt werden sollen. Kritiker bemängeln, dass dieser Schritt angesichts ohnehin hoher Zahlungsrückstände vieler Haushalte eine verdeckte Kostenbelastung darstelle.
Für National Grid verdeutlichen die aktuellen Entwicklungen das Spannungsfeld des Geschäftsmodells: Die notwendigen Modernisierungen erfordern immense Investitionen, stoßen jedoch bei Anwohnern und Aufsichtsbehörden zunehmend auf sensible Debatten um Landschaftsschutz und Kostenverteilung.
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