Italienische Eurofighter haben in der Nacht zu Dienstag erstmals eine Drohne über litauischem Staatsgebiet abgeschossen. Der Vorfall unterstreicht die anhaltenden Sicherheitsrisiken an der Ostflanke des Bündnisses, da das unbemannte Flugobjekt mutmaßlich aus Belarus eindrang und nahe kritischer Infrastruktur abgefangen wurde.
Abfangeinsatz nahe Kaunas
Gesteuert wurde die Abfangmission durch das Nato-Luftoperationszentrum im niederrheinischen Uedem, das den Luftraum nördlich der Alpen bis zur Ostgrenze überwacht. Nach ersten Erkenntnissen hielt sich die Drohne etwa eine halbe Stunde im litauischen Luftraum auf, bevor sie vom Himmel geholt wurde. Der Abschuss erfolgte nahe der Ortschaft Pratkunai, rund 50 Kilometer südöstlich der zweitgrößten litauischen Stadt Kaunas. In der Nähe des Einschlagsgebiets befindet sich das Pumpspeicherkraftwerk Kruonis.
Berichte über Verletzte oder größere Sachschäden liegen nicht vor. Die Behörden vor Ort stuften die Wahrscheinlichkeit jedoch als hoch ein, dass der Flugkörper mit Sprengstoff beladen war. Militärische Einsatzkräfte sicherten Trümmerteile an der Absturzstelle, um den genauen Typ und die Herkunft des Fluggeräts zu analysieren.
Verwundbare Infrastruktur an der Ostgrenze
Der Vorfall ist kein Einzelfall im Baltikum. Bereits im August fingen Nato-Jets eine aus Belarus kommende Drohne über dem benachbarten Lettland ab, auch über Estland gab es bereits ähnliche Einsätze. Da die drei baltischen Staaten über keine eigenen Kampfjets verfügen, sichern Verbündete den Luftraum im Wechsel. Die italienischen Abfangjäger sind dafür derzeit auf dem litauischen Stützpunkt Siauliai stationiert.
Litauens Militärgeheimdienst warnt vor möglichen Angriffen auf kritische Infrastruktur im Land, das direkt an Belarus und die russische Exklave Kaliningrad grenzt. Zur Stärkung der regionalen Abschreckung baut die Bundeswehr vor Ort eine permanente Brigade mit 4.800 Soldaten auf, die bis 2027 voll einsatzfähig sein soll.
Auf den Luftraumvorfall reagiert Vilnius mit diplomatischen und militärischen Schritten. Die Regierung kündigte an, Minsk eine Protestnote zu überreichen. Zudem berief Präsident Gitanas Nauseda für Mittwoch eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates ein, um das weitere Vorgehen mit den Bündnispartnern abzustimmen.


