Nebius hat sich frisches Kapital gesichert, ohne neue Aktien auszugeben – und trotzdem bleibt die Aktie das, was sie seit Monaten ist: extrem schwankungsanfällig. Der niederländische Cloud- und KI-Infrastrukturanbieter schloss Mitte Juli eine besicherte Kreditfazilität über 775 Millionen US-Dollar ab. Die Nachricht sorgte zunächst für Erleichterung an den Märkten, konnte den Abwärtsdruck der vergangenen Wochen aber nicht aufhalten.
Der 775-Millionen-Dollar-Kredit im Detail
Die neue Fazilität ist durch bereits ausgerollte GPU-Infrastruktur sowie durch vertraglich abgesicherte Kundenzahlungen gedeckt. Sie läuft bis zum 31. Oktober 2030 und ist mit einem Zinssatz von SOFR plus 2,50 Prozentpunkten ausgestattet. Nach eigenen Angaben deckt der laufende Cashflow von Kunden mehr als 100 Prozent der geplanten Investitionsausgaben ab. Nebius verweist dabei auf vertraglich gesicherte Umsätze von über 40 Milliarden US-Dollar aus Vereinbarungen mit Microsoft und Meta. Der Clou aus Sicht des Managements: Wachstumskapital ohne Verwässerung der Aktionäre. Zusätzlich hatte sich Nvidia mit vorfinanzierten Optionsscheinen über 2 Milliarden US-Dollar am Unternehmen beteiligt.
Ergänzt wird das Finanzierungspaket durch operative Fortschritte im Neugeschäft. Erst wenige Tage zuvor, am 14. Juli, hatte Nebius einen Rechenkapazitäts-Deal mit Reflection AI im Volumen von 1 Milliarde US-Dollar unterzeichnet. Im ersten Quartal war der Umsatz um 684 Prozent auf 399 Millionen US-Dollar gesprungen, das Cloud-Geschäft für Künstliche Intelligenz wuchs sogar um 841 Prozent auf 389,7 Millionen US-Dollar. Die Barmittel beliefen sich zum 31. März auf 9,3 Milliarden US-Dollar, nachdem zuvor 6,3 Milliarden US-Dollar am Kapitalmarkt eingesammelt worden waren.
Schuldenlast gegen Wachstumsstory
Die Kehrseite der Medaille bleibt der massive Kapitalbedarf des Geschäfts. Nebius kalkuliert für 2026 mit Investitionsausgaben zwischen 20 und 25 Milliarden US-Dollar, in einzelnen Einschätzungen ist von einer Leitlinie um 22,5 Milliarden US-Dollar die Rede. Für 2025 wies das Unternehmen einen Umsatz von 529,8 Millionen US-Dollar bei einem Nettoverlust von 446,7 Millionen US-Dollar aus. Bei einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund dem 70-Fachen der Vergangenheitsgewinne bewegt sich die Bewertung weiterhin auf sportlichem Niveau. Beobachter diskutieren deshalb offen, ob die Kombination aus hohem Wachstum, hoher Verschuldung und ambitionierter Bewertung eher Chance oder Falle ist – Kernrisiken sind demnach die Auslastung der GPU-Kapazitäten, die künftige Margenentwicklung und die generelle Ausführung der Wachstumspläne.
Volatile Kursreaktion
Die Marktreaktion auf all diese Nachrichten fiel alles andere als eindeutig aus. Nach der Kreditankündigung legte die Aktie zunächst rund 3 Prozent zu, der Reflection-AI-Deal trieb den Kurs Mitte Juli sogar rund 4 Prozent nach oben. Dennoch rutschte das Papier in der Woche bis zum 19. Juli um mehr als 19 Prozent ab – ein Einbruch von rund 14 Prozent wurde später nur teilweise durch eine Erholung von etwa 8 Prozent kompensiert. Vorbörslich notiert die Aktie aktuell bei 157,78 Euro und legt damit um 1,45 Prozent zu. Auf Monatssicht steht dennoch ein Minus von 35,91 Prozent zu Buche, und zum Rekordhoch von 261 Euro aus dem Juni fehlen aktuell 39,55 Prozent. Die Aufnahme in den Nasdaq-100 im Juni 2026 hat an dieser Schwankungsintensität wenig geändert.
Institutionelle Käufer, Insider-Verkäufe
Trotz der Turbulenzen bauen institutionelle Investoren Positionen auf. Jennison Associates eröffnete im ersten Quartal einen neuen Bestand von 1.700.223 Aktien im Wert von rund 176,4 Millionen US-Dollar, was einem Anteil von 0,68 Prozent entspricht. Die institutionelle Eigentümerquote insgesamt liegt bei 21,9 Prozent. Gegenläufig verkauften Insider in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von 140,4 Millionen US-Dollar, umgerechnet 668.405 Stück – darunter eine einzelne Transaktion über 31.357 Aktien. Die von Analysten erfasste Konsensbewertung liegt bei neun Kauf- und sechs Halteempfehlungen mit einem durchschnittlichen Kursziel von 203,25 US-Dollar. Für Anleger bleibt damit ein Spannungsfeld: solides Auftragswachstum und frisches Fremdkapital auf der einen Seite, hohe Bewertung und ausgeprägte Kursschwankungen auf der anderen.
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