Nebius bekommt gerade, wovon viele KI-Infrastrukturwerte träumen: politische Rückendeckung, große Kunden und den Segen von Nvidia. Der Kurs steht nahe Rekordniveau. Genau dort wird die Geschichte heikel, denn der Expansionsplan ist extrem kapitalintensiv.
Frankreich wird zum KI-Schaufenster
Präsident Emmanuel Macron rückte Nebius beim „Choose France“-Gipfel am 1. Juni prominent ins Schaufenster. In Béthune soll aus einer ehemaligen Bridgestone-Reifenfabrik ein KI-Rechenzentrum mit 240 Megawatt Leistung entstehen.
Nebius arbeitet dabei mit Azur Datacenter zusammen; rund 120 direkte Jobs sind geplant. Der Konzern stellt mehr als 8 Milliarden Euro für Cloud-Infrastruktur und Dienstleistungen in Frankreich in Aussicht.
Die erste Ausbaustufe mit 60 Megawatt soll im Sommer 2026 ans Netz gehen. Lokale Vertreter sprechen von der ersten französischen Anlage, die ausschließlich auf künstliche Intelligenz ausgerichtet ist.
Frankreich meldete im Zuge der Initiative KI-Investitionszusagen von SoftBank und Nebius über 53 Milliarden Euro, umgerechnet 61,7 Milliarden Dollar. Ein Vorteil des Standorts: das stark nuklear geprägte Stromnetz, das im Wettbewerb um energiehungrige KI-Rechenzentren zunehmend zählt.
Rückenwind kam auch aus Taiwan. Nvidia-Chef Jensen Huang bezeichnete Nebius auf der COMPUTEX als einen ausgewählten Anbieter von „weltklasse KI-Clouds“ und nannte Kunden wie Cursor, World Labs, Revolut und Shopify. Außerdem stellte er Nebius neben Microsoft und CoreWeave als frühen Nutzer der Vera-Rubin-Architektur heraus.
Zahlen stützen die Story
Die operative Dynamik ist beeindruckend. Im ersten Quartal erzielte Nebius 399 Millionen Dollar Umsatz, ein Plus von 684 Prozent.
Das Kerngeschäft AI Cloud steuerte 389,7 Millionen Dollar bei und wuchs um 841 Prozent. Damit ist klar, warum der Markt dem Unternehmen deutlich mehr zutraut als noch vor wenigen Monaten.
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Die annualisierte Umsatzrate lag Ende März bei 1,92 Milliarden Dollar. Das bereinigte EBITDA drehte mit 129,5 Millionen Dollar klar ins Plus.
Auch unterm Strich gab es einen scharfen Umschwung. Der Gewinn aus fortgeführten Aktivitäten erreichte 621 Millionen Dollar, nach einem Verlust von 104 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum.
Das Management peilt bis Jahresende eine annualisierte Umsatzrate von 7 bis 9 Milliarden Dollar an. Diese Spanne erklärt die enorme Bewertungserwartung, aber auch den Druck, die Infrastruktur schnell genug hochzufahren.
Große Verträge liefern dafür die Grundlage. Nebius hat eine Vereinbarung mit Meta über 27 Milliarden Dollar und einen Deal mit Microsoft über 19,4 Milliarden Dollar abgeschlossen; die Kapazitätslieferungen sollen in der zweiten Jahreshälfte 2026 beginnen.
Beim Meta-Vertrag geht es um 12 Milliarden Dollar an fest zugesagter Kapazität und bis zu 15 Milliarden Dollar an zusätzlicher Rechenleistung über fünf Jahre. Das macht Nebius zu einem ernsthaften Faktor im KI-Infrastrukturgeschäft.
Auch die Stromversorgung rückt in den Mittelpunkt. Mit Bloom Energy besteht eine langfristige Partnerschaft über bis zu 2,6 Milliarden Dollar an Servicegebühren, zunächst ausgelegt auf 328 Megawatt Kapazität. Eigene Stromlösungen hinter dem Zähler können Standorte attraktiver machen, weil Unternehmen weniger stark auf langwierige Netzanschlüsse angewiesen sind.
Kapitalbedarf bleibt der Knackpunkt
Die Kehrseite der Expansion ist der Finanzierungsbedarf. Im ersten Quartal investierte Nebius 2,47 Milliarden Dollar in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte.
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Ende März lagen 9,3 Milliarden Dollar an Barmitteln in der Bilanz. Das ist viel, reicht aber nicht automatisch für das Tempo, das der Konzern jetzt vorgibt.
Für das Gesamtjahr stellt Nebius Investitionen von 20 bis 25 Milliarden Dollar in Aussicht. Daraus ergibt sich eine Finanzierungslücke von 4 bis 5 Milliarden Dollar, weshalb eine mögliche Kapitalerhöhung im Markt Thema bleibt.
Auch Insiderverkäufe bremsen die Euphorie. CEO Arkadiy Volozh verkaufte im April 33.358 Aktien.
Der Durchschnittspreis lag bei 103,73 Dollar; sein Anteil sank um 3,7 Prozent. Direktorin Elena Bunina reduzierte ihre Position im Mai ebenfalls deutlich.
Bei Bunina waren es 10.894 Aktien zu 206,87 Dollar; damit gab sie mehr als die Hälfte ihres Bestands ab. Über drei Monate summierten sich Insiderverkäufe auf 123,5 Millionen Dollar.
Der Kurs zeigt, wie stark die Erwartungen bereits gestiegen sind. Am 1. Juni sprang die Nebius-Aktie um 14,5 Prozent auf ein neues Jahreshoch, bei einem Handelsvolumen von mehr als 24 Millionen Aktien.
Am Folgetag schwankte das Papier zwischen 260,66 und 282,65 Dollar. Der Schlusskurs lag bei 262,23 Dollar und damit leicht unter dem Vortag.
Citigroup sieht das Kursziel bei 287 Dollar, Citizens JMP bei 270 Dollar. Damit liegt der Spielraum der Analysten nicht mehr weit über dem aktuellen Niveau.
Kurzfristig dreht sich die Nebius-Story damit um zwei Punkte: Kann das Unternehmen die zugesagten KI-Kapazitäten schnell genug bereitstellen, und wie teuer wird die nächste Finanzierungsrunde? Die Wachstumsstory ist real, der Kapitalhunger auch.
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