Aus einem GPU-Wiederverkäufer wird eine globale KI-Infrastrukturplattform. Nebius treibt diesen Wandel mit einer aggressiven Expansionsstrategie voran — und der Markt honoriert das mit einem Kursanstieg von fast 200 Prozent seit Jahresbeginn.
Vier Gigawatt als neues Ziel
Nebius hat seine Kapazitätsziele deutlich angehoben. Bis Ende 2026 plant das Unternehmen, mehr als vier Gigawatt an Stromkapazität unter Vertrag zu haben. Dafür baut es spezialisierte Rechenzentren — sogenannte „AI Factories“ — in Missouri und Pennsylvania. Diese Anlagen sind für hochdichte Rechencluster ausgelegt, die moderne KI-Modelle benötigen.
Den Hintergrund bildet ein Auftragsbestand von rund 45 Milliarden Dollar. Darunter ein Fünfjahresvertrag mit Meta Platforms und weitere Vereinbarungen mit Microsoft. Nebius positioniert sich damit als Alternative zu den großen Hyperscalern — für KI-Unternehmen, die dedizierte Infrastruktur statt geteilter Cloud-Kapazität suchen.
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Das Geschäftsmodell funktioniert: Im letzten Quartal erzielte das KI-Cloud-Geschäft eine Bruttomarge von 45 Prozent. Vorauszahlungen für GPU-Kapazität finanzieren den kapitalintensiven Ausbau mit.
Institutionelle Rückendeckung
Auf der BofA-Technologiekonferenz erläuterte Chief Business Officer Roman Chernin den strategischen Wandel des Unternehmens. Das Timing war gut gewählt: Kurz darauf wurde bekannt, dass der Hedgefonds Situational Awareness LP einen Anteil von 5,6 Prozent erworben hat — rund 12,4 Millionen Aktien.
Der Fonds wird von Leopold Aschenbrenner geleitet, einem früheren OpenAI-Forscher. Das Investment gilt als Wette auf die „Neocloud“-These: Spezialisierte Anbieter wie Nebius könnten erhebliche Marktanteile gewinnen, weil KI-Unternehmen optimierte Rechenumgebungen bevorzugen.
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Starke Kursentwicklung, hohe Volatilität
Die Aktie schloss zuletzt bei 223,85 Euro — ein Plus von über 13 Prozent in sieben Tagen und fast 35 Prozent im Monatsvergleich. Auf Jahressicht beläuft sich der Anstieg auf knapp 193 Prozent.
Allerdings nähert sich der RSI mit 68,1 der überkauften Zone. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei über 134 Prozent. Das 52-Wochen-Hoch von 242,95 Euro, das erst Anfang Juni erreicht wurde, ist rund acht Prozent entfernt.
Nebius ergänzt den Hardware-Ausbau durch Software. Zukäufe sollen Inferenz-Optimierung und agentische Suchfähigkeiten liefern — ein vollständiges KI-Angebot, das nicht auf einzelne Hardware-Komponenten angewiesen ist. Ob das Unternehmen die nächste Kapazitätsstufe im geplanten Tempo erreicht, wird sich spätestens mit den Zahlen zum dritten Quartal zeigen.
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