Ein gelöster Rechtsstreit, aber kein Kursgewinn. Bei Nel ASA zeigt sich gerade, wie wenig gute Nachrichten zählen, wenn die eigentlichen Sorgen woanders liegen.

Die Aktie des norwegischen Wasserstoff-Spezialisten schloss die Woche bei 0,21 Euro. Dieses Niveau hat sich in den vergangenen Monaten immer wieder als Unterstützung erwiesen. Am Freitag legte der Kurs leicht um 0,49 Prozent zu, auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 3,27 Prozent. Über 30 Tage summiert sich der Rückgang sogar auf 14,81 Prozent.

Rechtsstreit beigelegt, Kurs bewegt sich kaum

Nel hat einen langwierigen US-Rechtsstreit beendet. Im Juni einigte sich das Unternehmen mit Iwatani Corporation of America und zahlt 7,5 Millionen Dollar. Die frühere Tochtergesellschaft Cavendish Hydrogen steuert einen zusätzlichen Betrag bei.

Der Streit drehte sich um Wasserstoff-Tankstellen in Kalifornien und reichte bis Februar 2024 zurück. Er belastete das Unternehmen über Monate als ständiger Unsicherheitsfaktor. Nel und Cavendish betonen, dass die Geschäftsbeziehung zu Iwatani weiterläuft. Der Vergleich beseitigt künftige Rechtskosten und senkt das US-Prozessrisiko.

Trotzdem reagierte die Aktie kaum. Der Kurs blieb nach der Ankündigung nahe bei 0,21 Euro, weit entfernt von den Frühjahrshochs. Offenbar richten Investoren den Blick längst auf andere Baustellen.

Führungswechsel ohne klaren Zeitplan

Zu den offenen Fragen zählt die Chefetage. CEO Håkon Volldal, der Nel seit Mitte 2022 leitet, wechselt zum Verpackungskonzern Elopak. Die Übergabe muss spätestens Anfang Januar 2027 abgeschlossen sein, der Aufsichtsrat sucht derzeit einen Nachfolger.

Ein neuer Chef würde von der jetzt bereinigten Rechtslage profitieren. Die Suche selbst birgt aber ein Risiko: Zieht sie sich zu lange hin, fehlt dem Unternehmen ausgerechnet in einer schwierigen Phase klare Führung.

Auf der operativen Seite bleibt der Auftragseingang der entscheidende Hebel. Ende des ersten Quartals verfügte Nel über umgerechnet rund 1,4 Milliarden norwegische Kronen an liquiden Mitteln. Das verschafft Zeit bei der Suche nach neuen Aufträgen. Das Management verweist zudem auf erste Erholungssignale im PEM-Geschäft, darunter ein Auftrag über 7 Millionen Dollar, der kurz nach Quartalsende einging.

Charttechnik: Zwischen Unterstützung und Widerstand

Der aktuelle Kurs liegt 43,37 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 0,37 Euro vom 25. Mai. Zum 52-Wochen-Tief von 0,17 Euro vom 26. Februar besteht dagegen noch ein Polster von 19,58 Prozent. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 0,26 Euro, aktuell notiert die Aktie 21,40 Prozent darunter.

Näher dran ist der 200-Tage-Durchschnitt von 0,22 Euro, nur 3,88 Prozent über dem letzten Schlusskurs. Der RSI von 36,4 signalisiert Schwäche, aber noch keine tiefe Überverkauft-Situation. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von knapp 65 Prozent zeigt, wie heftig die Aktie in beide Richtungen ausschlagen kann.

Seit Jahresbeginn steht trotz des schwachen Monats noch ein Plus von 7,98 Prozent zu Buche. Auf Zwölfmonatssicht bleibt dagegen ein Minus von 16,06 Prozent.

Halbjahresbericht als nächster Prüfstein

Der nächste wichtige Termin steht am 15. Juli an: der Halbjahresbericht. Er wird zeigen, ob die angekündigten PEM-Aufträge tatsächlich eingehen und sich der Auftragsbestand stabilisiert.

Die Stimmung unter Analysten ist im Vorfeld spürbar gedämpft. Grund sind anhaltende Sorgen um Auftragseingang und die unbesetzte CEO-Position. Im ersten Quartal war der Auftragseingang um 73 Prozent eingebrochen, was die Visibilität bei kurzfristigen Umsätzen stark einschränkt. Für das Gesamtjahr erwarten Analysten einen Verlust von 0,239 norwegischen Kronen je Aktie.

Ob die Marke von 0,21 Euro als Unterstützung hält, hängt maßgeblich vom Ton dieses Berichts ab. Bestätigt sich eine Stabilisierung der Aufträge und macht die Suche nach einem neuen CEO Fortschritte, hätte die Aktie eine Basis für eine Erholung. Fällt der Bericht schwächer aus, rückt das Februar-Tief von 0,17 Euro wieder in Reichweite.