Nel ASA startet die neue Handelswoche mit einem Widerspruch: Die Aktie fällt, das Geschäft wächst. Während der Kurs des norwegischen Wasserstoff-Spezialisten seit Wochen unter Druck steht, meldet das Unternehmen einen kräftigen Sprung bei den Aufträgen für seine PEM-Technologie. Anleger müssen entscheiden, welches Signal schwerer wiegt.
Der Kurs sendet Alarmzeichen
Am Freitag schloss die Aktie bei 0,1944 Euro, ein Minus von 1,12 Prozent zum Vortag. Über die vergangenen 30 Tage verlor das Papier fast 8 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 0,3655 Euro aus dem Mai klafft mittlerweile eine Lücke von fast 47 Prozent.
Der RSI-Wert von 37,8 signalisiert eine Annäherung an überverkauftes Terrain. Das könnte kurzfristig antizyklische Käufer anlocken. Die Marke von 0,19 Euro gilt derzeit als wichtige Unterstützung, die es in der ersten vollen August-Woche zu verteidigen gilt.
Auftragsbücher füllen sich deutlich
Die operativen Zahlen zeichnen ein anderes Bild als der Chart. Der Auftragseingang für die PEM-Sparte (Proton Exchange Membrane) stieg auf 230 Millionen norwegische Kronen. Das entspricht einem Plus von 224 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Bemerkenswert: 96 Prozent dieses Volumens entfielen allein auf die PEM-Technologie. Industriekunden setzen offenbar zunehmend auf modulare, skalierbare Lösungen statt auf Großprojekte. Der gesamte Auftragsbestand lag zum Ende des zweiten Quartals bei 1,213 Milliarden Kronen — das sichert Planungssicherheit für die Fertigung bis weit ins zweite Halbjahr 2026 hinein.
Die neue Alkali-Plattform als Hoffnungsträger
Im Zentrum der kommenden Wochen steht die Kommerzialisierung der PA-Series. Diese neue Generation der Druck-Alkali-Elektrolyse startete im Mai 2026. Sie soll den Platzbedarf von Wasserstoffanlagen um bis zu 80 Prozent senken und die Investitionskosten um 40 bis 60 Prozent drücken.
Finanziell bleibt die Lage angespannt. Nel meldete für das zweite Quartal einen Nettoverlust von 189 Millionen Kronen. Ein Teil davon geht auf eine Einmalzahlung von 70 Millionen Kronen im Rahmen einer Einigung mit Iwatani Corporation zurück.
Das Management hält trotzdem am Ausbauplan fest. Bis Ende 2026 soll die Fertigungskapazität auf 500 Megawatt steigen, 2027 dann auf 1 Gigawatt. Investoren warten nun auf erste kommerzielle Bestellungen für die PA-Series — das Management rechnet damit in naher Zukunft.
Analysten bleiben zurückhaltend
Die Kassenlage gibt dem Unternehmen etwas Luft: Mit 1,328 Milliarden Kronen an liquiden Mitteln sind akute Finanzierungssorgen erst einmal vom Tisch. Der Weg zur Profitabilität hängt aber weiterhin an einer höheren Auslastung der Produktionskapazitäten.
Mehrere große Analysehäuser bewerten die Aktie derzeit mit „Verkaufen“ oder „Neutral“. Die schwache Kursentwicklung der vergangenen Monate spiegelt diese Skepsis wider, obwohl das operative Geschäft wächst.
Ob Nel den Sprung von wachsenden Auftragsbüchern zu einer stabileren Marge schafft, entscheidet sich an der Kapazitätsauslastung der neuen PA-Series-Fertigung. Erste kommerzielle Bestellungen für die Plattform dürften der nächste konkrete Meilenstein sein, an dem sich der Fortschritt messen lässt.
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