Ein Aktienkurs, der sich gegen eine Welle skeptischer Analystenstimmen stemmt — genau das passiert bei Nel ASA gerade. Der norwegische Wasserstoff-Spezialist zählte am Ende der Handelswoche zu den stärksten Werten an der Osloer Börse. Das trotz gesenkter Kursziele mehrerer Großbanken und einem laufenden Wechsel an der Unternehmensspitze.
Die Nel-Aktie notiert aktuell bei 0,1978 Euro, ein Plus von 1,2 Prozent im Tagesvergleich. Damit bleibt der Titel zwar rund 46 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 0,3655 Euro aus dem Mai. Seit dem Jahrestief im Februar bei 0,1731 Euro hat sich der Kurs aber bereits um 14 Prozent erholt.
Analysten bremsen, der Markt hält dagegen
JPMorgan senkte sein Kursziel für Nel zuletzt deutlich von 2,90 auf 1,80 norwegische Kronen. Die Einstufung bleibt bei „Neutral“. Berenberg zog nach und reduzierte sein Ziel auf 2,30 Kronen.
Solche Kürzungen wiegen normalerweise schwer. Dass die Aktie sich trotzdem oberhalb der 2-Kronen-Marke stabilisiert, deutet darauf hin, dass Investoren derzeit weniger auf kurzfristige Umsatzschwankungen schauen. Stattdessen rückt die langfristige Industrialisierungsstrategie in den Vordergrund.
Auftragseingang explodiert um 224 Prozent
Der Blick auf die jüngsten Quartalszahlen liefert eine Erklärung für die Marktreaktion. Der Umsatz aus Kundenverträgen fiel zwar im Jahresvergleich um 12 Prozent auf 153 Millionen Kronen. Der Auftragseingang aber schoss um 224 Prozent auf 230 Millionen Kronen nach oben.
Der Auftragsbestand liegt damit bei rund 1,2 Milliarden Kronen. Ein zentraler Baustein der Wachstumsstrategie ist die im Mai 2026 gestartete PA-Series-Plattform mit druckalkalischer Elektrolyse-Technologie. Sie soll die Investitionskosten für grünen Wasserstoff um schätzungsweise 40 bis 60 Prozent senken.
Am Standort Herøya baut Nel derzeit die Produktionskapazität aus. Ziel sind 500 Megawatt bis Ende 2026, im Jahr darauf soll die Anlage auf 1 Gigawatt skalieren.
CEO-Wechsel ohne Strategieänderung
Håkon Volldal, seit Mitte 2022 Vorstandschef, kündigte im Juni 2026 seinen Rückzug an. Er wolle sich anderen beruflichen Aufgaben widmen. Der Verwaltungsrat sucht aktuell einen Nachfolger, Volldal soll das Unternehmen bis zum Jahresende weiterführen.
Verwaltungsratschef Arvid Moss betonte, an den strategischen Prioritäten und dem Geschäftsmodell werde sich während des Übergangs nichts ändern. Nel konzentriert sich weiter auf energieeffiziente Elektrolyseure und den Ausbau globaler Partnerschaften.
Der nächste wichtige Termin für Investoren steht im Oktober 2026 an: Dann veröffentlicht Nel den Zwischenbericht zum dritten Quartal. Bis dahin dürfte sich zeigen, ob der starke Auftragseingang aus dem vergangenen Quartal kein Einzelfall bleibt.
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