Nel ASA hat am 15. Juli die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vorgelegt, und das Bild fällt zwiegespalten aus. Der Umsatz sank auf 182 Millionen norwegische Kronen, ein Rückgang von 12 Prozent gegenüber den 215 Millionen Kronen im Vorjahresquartal. Das EBITDA rutschte auf minus 155 Millionen Kronen, nach minus 86 Millionen Kronen im Vorjahr. Der norwegische Wasserstoff-Ausrüster wies unter dem Strich einen Nettoverlust von 189 Millionen Kronen aus, verglichen mit minus 131 Millionen Kronen im Vorjahresquartal. Im schwächeren Ergebnis steckte auch eine Sonderbelastung: eine Vergleichszahlung an Iwatani über 70 Millionen Kronen.

Zweigeteilte Geschäftsentwicklung nach Segmenten

Innerhalb des Konzerns entwickelten sich die beiden Sparten gegenläufig. Die PEM-Sparte steigerte ihren Umsatz gegenüber dem ersten Quartal um 31 Prozent auf 97 Millionen Kronen, blieb damit aber 10 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das operative Ergebnis verbesserte sich binnen eines Quartals um 12 Millionen Kronen auf minus 35 Millionen Kronen. Die Alkaline-Sparte lief dagegen rückläufig: Der Umsatz brach im Jahresvergleich um 14 Prozent ein, während das EBITDA gegenüber dem Vorjahr weitgehend stabil blieb.

Der Auftragseingang zeigte hingegen deutlich nach oben: Mit 230 Millionen Kronen lag er 224 Prozent über dem Vorjahreswert von 71 Millionen Kronen, wobei 96 Prozent der neuen Bestellungen auf PEM-Technologie entfielen. Der Auftragsbestand summierte sich zum Quartalsende auf 1,213 Milliarden Kronen. Auf der Bilanzseite verfügte Nel über eine Kassenposition von 1,328 Milliarden Kronen – ein Puffer, der angesichts der anhaltenden Verluste Investoren derzeit wichtiger sein dürfte als das Umsatzwachstum selbst.

Chefwechsel an der Konzernspitze

Zusammen mit den Quartalszahlen verkündete Nel den Rückzug von Håkon Volldal von seiner Position als President und CEO, um eine andere berufliche Möglichkeit zu verfolgen. Volldal hatte das Amt seit dem 1. Juli 2022 inne. Der Wechsel an der Spitze fällt in eine Phase, in der das Unternehmen zugleich seine technologische Neuausrichtung vorantreibt – eine Konstellation, die zusätzliche Unsicherheit in eine ohnehin schon von Verlusten geprägte Bilanz bringt.

PA-Series soll operative Wende einleiten

Kern der strategischen Hoffnung ist die neue Pressurized-Alkaline-Plattform, kurz PA-Series, die Nel am 6. Mai 2026 kommerziell einführte. Das Management rechnet in den kommenden Monaten mit den ersten Bestellungen für die neue Baureihe. Die Anlage soll schlüsselfertig zu Kosten unter 1.450 US-Dollar pro Kilowatt für ein 25-Megawatt-Projekt angeboten werden – gegenüber rund 3.000 US-Dollar pro Kilowatt, die für aktuelle Industrieprojekte üblich sind. Das modulare, auf Skid-Bauweise basierende Design reduziert den Flächenbedarf um 80 Prozent und die Investitionskosten um 40 bis 60 Prozent.

Nel peilt bis Ende 2026 eine Fertigungskapazität von 500 Megawatt an, die 2027 auf bis zu 1 Gigawatt ausgebaut werden soll. Rückenwind erhält das Projekt durch den EU Innovation Fund: Im zweiten Quartal floss die erste Tranche eines Förderzuschusses von 135 Millionen Euro für die Industrialisierung der PA-Series-Fertigung. Der Zuschuss steht im Zusammenhang mit der im Dezember 2025 vom Aufsichtsrat getroffenen finalen Investitionsentscheidung für die 1-Gigawatt-Produktionslinie am Standort Herøya.

Kurs bleibt unter den langfristigen Durchschnitten

An der Börse spiegelt sich die Gemengelage aus operativem Fortschritt und anhaltenden Verlusten in einem gedämpften Kursverlauf. Die Aktie schloss am Freitag bei 0,1994 Euro und notiert damit 9,77 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 0,2210 Euro sowie 6,95 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 0,2143 Euro. Anleger honorieren den kräftigen Auftragsschub bislang also nur verhalten – solange die Segmentverluste anhalten und die Führungsfrage ungeklärt bleibt, dürfte der Titel unter seinen mittel- und langfristigen Durchschnittslinien verharren. Ob die PA-Series die erhoffte Trendwende einleitet, wird sich erst zeigen, wenn die ersten Bestellungen für die neue Plattform tatsächlich eingehen.