Nel ASA setzt auf eine veränderte Arbeitsteilung in der industriellen Fertigung, um Kosten zu dämpfen und die europäische Präsenz auszubauen. Für Anleger steht dabei die Frage im Zentrum, wie lange die finanzielle Reichweite des norwegischen Unternehmens angesichts anhaltender operativer Verluste trägt.
Partnerschaft für europäische PEM-Kapazitäten
Vor gut einer Woche präzisierte Nel die Rahmenvereinbarung mit dem Partner Hydrasun. Die Kooperation sieht vor, dass Hydrasun in Europa die Montage und Integration von Nebenanlagen für die MC-Serie der PEM-Elektrolyseurplattform übernimmt. Nel selbst belässt die Kernfertigung der PEM-Stacks weiterhin am bestehenden Standort Wallingford im US-Bundesstaat Connecticut.
Mit diesem Schritt ergänzt das Unternehmen seine europäischen Lieferkapazitäten. Es spiegelt damit die Struktur wider, die für containerisierte PEM-Lösungen bereits in den USA etabliert ist. Die Verlagerung von Integrationsschritten auf Partner schont eigene Ressourcen, während Nel die Hoheit über die zentrale Zelltechnologie behält.
Operative Verluste treffen auf Cash-Puffer
Die vor rund einem Monat vorgelegten Geschäftszahlen für das zweite Quartal 2026 unterstreichen den anhaltenden Margendruck. Nel wies für das Quartal Erlöse aus Verträgen mit Kunden von 153 Millionen NOK aus. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag bei minus 155 Millionen NOK.
Diese Zahlen spiegeln die typische Hürde vieler Wasserstoffausrüster wider. Hohe Vorleistungen für Entwicklung und Fertigungsstrukturen belasten die Bilanz, während größere Lieferabrufe noch auf sich warten lassen. Umso entscheidender ist die finanzielle Durchhaltefähigkeit in der aktuellen Marktphase.
Eine unmittelbare Finanzierungsnot besteht dabei vorerst nicht. Nel wies zum Ende des zweiten Quartals einen Auftragsbestand von 1,2 Milliarden NOK aus. Zudem verfügte das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt über einen Barmittelbestand von 1,3 Milliarden NOK.
Marktbewertung bleibt von Vorsicht geprägt
An den Kapitalmärkten dominieren dennoch die Bedenken bezüglich der Umsetzungsgeschwindigkeit im gesamten Wasserstoffsektor. Verzögerte Investitionsentscheidungen auf Kundenseite belasten die Bewertung der Ausrüster spürbar.
Am Freitag ging die Aktie mit einem Schlusskurs von 0,1940 Euro aus dem Handel. Der Wert notiert damit 47 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Die gesamte Marktkapitalisierung von Nel ASA beläuft sich auf 346,90 Millionen Euro.
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