JPMorgan hat Anfang August das Kursziel für Nel ASA drastisch gesenkt – von 2,90 auf 1,80 norwegische Kronen. Die Einstufung Neutral wurde bestätigt. Diese Anpassung ist der bislang klarste kursrelevante Impuls der vergangenen zwei Wochen für den norwegischen Wasserstoff-Spezialisten.

Die Analysten reagierten damit auf eine Geschäftsentwicklung, die im Juli offenkundig geworden war: Nel ASA hatte für das zweite Quartal 2026 einen Rückgang des Umsatzes aus Kundenverträgen auf 153 Millionen Kronen gemeldet, nach 174 Millionen Kronen im Vorjahresquartal. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag bei minus 155 Millionen Kronen.

Auftragseingang wächst, Cash schmilzt

Positiver Kontrast zum Umsatzrückgang: Der Auftragseingang stieg im zweiten Quartal auf 230 Millionen Kronen, der Auftragsbestand wuchs auf 1,213 Milliarden Kronen. Getragen wurde dieser Zuwachs fast vollständig vom PEM-Segment, das 96 Prozent der neuen Aufträge stellte. Das Management verwies zusätzlich auf die im Mai gestartete Serie druckbeaufschlagter Alkaline-Elektrolyseure als unterstützenden Faktor für die Auftragslage.

Dem Wachstum bei den Bestellungen steht jedoch eine schrumpfende Kassenreserve gegenüber. Die liquiden Mittel sanken auf 1,33 Milliarden Kronen. Belastet wurde das Quartal zusätzlich durch eine Vergleichszahlung von 70 Millionen Kronen im Rahmen eines zuvor bekannten Rechtsstreits mit Iwatani.

Für Anleger bleibt damit die zentrale Frage offen, ob die gestiegenen Bestellungen ausreichen, um die schwächere Umsatz- und Ertragslage in den kommenden Quartalen aufzufangen.

Führungswechsel an der Spitze

Zusätzliche Unsicherheit bringt der angekündigte Wechsel an der Unternehmensspitze mit sich. CEO Håkon Volldal verlässt Nel ASA und wechselt zu Elopak. Er bleibt im Amt, bis ein Nachfolger gefunden ist.

Ein solcher Führungswechsel in einer ohnehin herausfordernden Phase dürfte die Aufmerksamkeit des Marktes zusätzlich schärfen – gerade weil operative Entscheidungen zur Kostenkontrolle und zur Umsetzung der PEM-Strategie in den kommenden Monaten anstehen.

Kursbild spiegelt die Skepsis

Die Aktie von Nel ASA notiert aktuell bei 0,2060 Euro, nach einem Schlusskurs von 0,2070 Euro am Vortag – ein moderater Rückgang, der die anhaltende Skepsis des Marktes gegenüber der schwachen Ertragslage widerspiegelt. Seit Jahresanfang steht das Papier dennoch mit 9,1 Prozent im Plus, was zeigt, dass die jüngste Kursschwäche eine Gegenbewegung zu einem insgesamt stabileren Jahresverlauf darstellt.

Die deutliche Kürzung des JPMorgan-Kursziels auf 1,80 Kronen unterstreicht, dass die Wall-Street-Analysten die Kombination aus sinkendem Umsatz, negativem EBITDA und schrumpfender Liquidität stärker gewichten als den Anstieg bei Auftragseingang und Backlog.

Ob der PEM-getriebene Auftragsschub tatsächlich in profitables Wachstum übersetzt werden kann, dürfte sich frühestens mit den kommenden Quartalszahlen zeigen – und damit auch, ob der neue CEO bei Amtsübernahme auf einer stabileren Basis aufbauen kann.