Nel ASA kommt nicht zur Ruhe. JPMorgan hat sein Kursziel für den norwegischen Wasserstoff-Spezialisten von 2,90 auf 1,80 norwegische Kronen gesenkt. Das Rating bleibt zwar bei „Neutral“ – der Abschlag von rund 38 Prozent zeigt aber, wie skeptisch die Bank die Aussichten auf Profitabilität mittlerweile einschätzt.

Die Aktie notiert am Freitag bei 0,1988 Euro und erholt sich damit leicht um 1,33 Prozent nach einem herben Kursrutsch am Vortag. Vom 52-Wochen-Hoch aus Ende Mai bleibt Nel ASA weiterhin 45,61 Prozent entfernt. Der Wertverlust seit dem Hoch zeigt, wie sehr sich das Bild seit dem Frühjahr gedreht hat.

Auftragsboom trifft auf schrumpfenden Umsatz

Der Auslöser für die Skepsis der Analysten liegt in den Zahlen zum zweiten Quartal 2026. Der Auftragseingang schoss um 224 Prozent auf 230 Millionen norwegische Kronen nach oben. Das klingt zunächst nach einem starken Signal.

Der tatsächliche Umsatz aus Kundenverträgen entwickelte sich jedoch gegenläufig. Er fiel im Jahresvergleich um rund 12 Prozent auf 153 Millionen norwegische Kronen. Genau diese Lücke zwischen Bestellungen und tatsächlich abgerechnetem Geschäft bereitet dem Markt Kopfzerbrechen.

Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 189 Millionen norwegische Kronen. Eine Vergleichszahlung von 70 Millionen Kronen an die Iwatani Corporation of America, vereinbart Anfang Juni, belastete das Ergebnis zusätzlich schwer. Hinzu kommt ein Führungsvakuum: CEO Håkon Volldal kündigte im Juni seinen Wechsel zu einem Verpackungsunternehmen an. Langfristig orientierte Investoren reagieren auf diese Unsicherheit an der Spitze spürbar nervös.

Brüssel könnte für Entlastung sorgen

Während die Bilanz belastet, richtet sich der Blick der Branche auf die EU-Kommission. Anfang August will Brüssel die Gewinner des Förderprogramms „HORIZON-JU-CLEANH2-2026“ bekanntgeben. Rund 170 Projekte rund um grünen Wasserstoff haben sich um Fördergelder beworben.

Sollte Nel ASA oder eines seiner Partnerprojekte zum Zug kommen, könnte das dem Auftragsbestand von 1.213 Millionen norwegische Kronen zum Ende Juni neuen Schwung verleihen. Das Unternehmen setzt zudem auf seine im Mai gestartete „PA-Series“, eine druckalkalische Elektrolyseur-Plattform. Ziel ist es, die schlüsselfertigen Kosten für Großprojekte unter 1.450 US-Dollar pro Kilowatt zu drücken.

Charttechnik bleibt angeschlagen

Technisch gibt die Aktie wenig Anlass zur Entwarnung. Der Kurs liegt 10,05 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 0,2210 Euro und auch klar unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Der 14-Tage-RSI steht bei 43,5 – die Aktie gilt damit noch nicht als überverkauft, trotz der jüngsten Schwäche.

Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 5,30 Prozent zu Buche. Die Kombination aus Führungswechsel und gesenktem Kursziel macht den nächsten Termin zur Belastungsprobe: Am 21. Oktober 2026 legt Nel ASA seine Zahlen zum dritten Quartal vor. Bis dahin dürfte sich zeigen, ob die EU-Entscheidung aus Brüssel dem Auftragsbestand tatsächlich neuen Schub gibt.